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Tom Schmidberger holt Silber in Rio

Der Viechtacher Thomas Schmidberger unterliegt mit seinem Partner erst im Tischtennisfinale der Paralympics Chinas Doppel.

Thomas Schmidberger aus Viechtach gewinnt in Rio erneut die Silbermedaille. Foto: dpa
Thomas Schmidberger aus Viechtach gewinnt in Rio erneut die Silbermedaille. Foto: dpa

Rio de Janeiro.Die Rollstuhltischtennis-Spieler Thomas Schmidberger und Thomas Brüchle haben bei den Paralympics in Rio de Janeiro Silber im Mannschaftswettbewerb gewonnen. Das Weltmeister-Duo verlor am Freitagabend (Ortszeit) im Finale gegen China mit 1:2. Im Doppel siegten die Rollstuhl-Athleten gegen Panfeng Feng und Ping Zhao mit 3:0 (11:9, 11:8, 11:5). Die anschließende Neuauflage des Einzelfinals der Paralympics von Rio verlor der Viechtacher Schmidberger erneut mit 0:3 (5:11, 9:11, 4:11) gegen Panfeng Feng. Im entscheidenden Duell unterlag Brüchle Xiang Zhai mit 2:3 (11:9, 11:6, 8:11, 9:11, 5:11). In den Runden zuvor hatten die Deutschen Schweden und Brasilien jeweils mit 2:0 bezwungen.

Die beiden Deutschen waren furios gestartet und beeindruckten ihre chinesischen Kontrahenten Feng/Zhao im Doppel mit einem glatten 3:0- Sieg. Im Einzel fand Schmidberger jedoch nie richtig ins Spiel. „Die Chinesen haben im Doppel überhaupt kein Land gesehen, es war das beste Doppel, was wir je zusammengespielt haben. Vielleicht war ich dadurch in meinem Einzel dann zu locker und konnte meine beste Leistung nicht mehr abrufen“, versuchte Schmidberger seine glatte Niederlage zu erklären. Panfeng Feng spielte stark auf und hatte auf die Bälle des Deutschen fast immer die bessere Antwort.

Punktegarant in Miltach

Tom Schmidberger sitzt seit einem Autounfall im Alter von vier Jahren im Rollstuhl. Er ist vom ersten Brustwirbel abwärts gelähmt. Als Jugendlicher hatte er verschiedene Sportarten ausprobiert, doch Schwimmen oder Monoskifahren waren nicht sein Ding, sagt er rückblickend. Seit acht Jahren ist der 24-Jährige aus dem Bayerischen Wald die Nummer eins in Deutschland. In der Rollstuhltischtennis-Bundesliga spielt Schmidberger für den amtierenden Meister Borussia Düsseldorf. Darüber hinaus hält Schmidberger dem FC Miltach die Treue. So oft es nur geht, spielt er bei seiner „Fußgänger-Mannschaft“, wie er sie nennt, in der 2. Bezirksliga mit, und ist dort ein Punktegarant. In Miltach hatte er vor dem Abflug nach Brasilien noch einige Trainingseinheiten absolviert.

Dauerkonkurrent Panfeng Feng

Im Einzelfinale hatte Schmidberger gegen seinen Dauerkonkurrenten Panfeng Feng mit 1:3 Sätzen (5:11, 11:7, 9:11, 8:11) den Kürzeren gezogen. In der Mannschaftsentscheidung wolle er mit seinem Partner Thomas Brüchle „nochmals richtig Gas geben. Wir haben uns fürs Team viel vorgenommen“, hatte er angekündigt – und dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt. Der von einer Erkältung geplagte Lindauer Brüchle hatte sich im Einzelwettbewerb der Wettkampfklasse 3 mit „Blech“ begnügen müssen.

„Es war das beste Doppel, was wir je zusammengespielt haben.“

Tom Schmidberger

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen!“, so lautet Schmidbergers Lebensmotto. Vor vier Jahren in London glänzte er nicht nur mit Bronze im Einzel und – im Duett mit Partner Brüchle – Silber mit dem Team, sondern auch als deutscher Fahnenträger bei der Abschlussfeier. „Das war umwerfend, es ist das Größte für einen Sportler“, kommentierte Schmidberger diese Ehre.

Zweiter bei MZ-Sportlerwahl

13 Siege bei Weltranglistenturnieren stehen für den Studenten der Sportökonomie mittlerweile zu Buche. Im Jahr 2013 wurde Tom Schmidberger Europameister und anschließend national zum „Behindertensportler des Jahres“ gekürt. 2014 war er Vize-Weltmeister im Einzel und Mannschaftsweltmeister. Unsere Zeitung nominierte ihn bei der Wahl „Ostbayerns Sportler des Jahres 2014“, bei der er knapp dem Olympia-Marathonläufer Philipp Pflieger unterlag. Bei den EM 2015 holte Schmidberger, den sein Vater Sepp zu den Paralympics nach Rio begleitete, mit der Mannschaft Platz eins und wurde im Einzel Zweiter. Seit zwei Monaten ist er Erster der Weltrangliste. Der Trophäenschrank daheim in Viechtach ist also gut bestückt. Am Freitagabend brasilianischer Zeit kam nochmals Paralympics-Silber hinzu.

Platz 6 der Nationenwertung

Kugelstoßer Sebastian Dietz bejubelte Gold, die Rollstuhl-Basketballerinnen waren nach verlorenen Endspielen trotz Silber enttäuscht. Mit 15 Gold-, 21 Silber- und 13 Bronzemedaillen steht die deutsche Mannschaft bei den Paralympics immer noch auf Platz sechs der Nationenwertung. Dort führt weiter China (94/74/49) vor Großbritannien (58/33/35) und der Ukraine (38/33/35).

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