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Trailrunning

Über das Geröllfeld auf den 11. Platz

Trailrunner Christian Mayer aus Chamerau ist bei der sechsten Etappe des Transalpine Runs in den Graubündner Alpen unterwegs.
Von Christian Mayer

Trailrunner Christian Mayer aus Chamerau (l.) mit Laufpartner Eric Leidenfrost beid er sechsten Etappe des Transalpine Runs. Foto: Mayer
Trailrunner Christian Mayer aus Chamerau (l.) mit Laufpartner Eric Leidenfrost beid er sechsten Etappe des Transalpine Runs. Foto: Mayer

Chamerau.Für den Chamerauer Trailrunner Christian Mayer stand die sechste Etappe des Transalpine Runs an. Er schreibt in seinem Tour-Tagebuch: Nach diesem Ruhetag in Samnaun könnte man der Meinung sein, dass man nun wieder voller Elan am Start stehen müsste. Aber so richtig will sich das Gefühl nicht einstellen. Zu schön war der gestrige Tag und auch der Körper ruft mittlerweile nach Erholung. Der Himmel ist grau bedeckt und schlägt auf unser Gemüt. Heute geht es über eine Distanz von 40,5 Kilometern mit 2.275 Höhenmeter im Aufstieg und 2.889 Höhenmeter im Abstieg bis nach Scuol. Dieser kleine Ort liegt im schweizerischen Kanton Graubünden und ist unser letzter Etappenort in der Schweiz.

Letzter Blick zurück nach Samnaun

Der Weg in das Wolkenmeer Foto: Mayer
Der Weg in das Wolkenmeer Foto: Mayer

Aber nun richten wir nochmal den Blick zurück nach Samnaun. Nach einem reichhaltigen Frühstück erfolgt die tägliche Routine. Packen und abgeben der großen Ausrüstungstaschen und der kleinen Drop Bags, die wir im Ziel wieder abholen können. Durch die vergangenen fünf Etappen sind unsere Bänder und Sehen bereits stark gereizt, so dass Eric und ich uns in die pflegenden Hände der Outdoor-Physios begeben. Die Outdoor-Physios sind ein Trupp aus acht Physiotherapeuten, die den gesamten TAR begleiten und ihre Dienste anbieten. Für uns Läufer sind diese Behandlungen nach den harten Etappen einfach Gold wert. Ich bin bereits am Dienstag mit voller Kraft in ein Erdloch getreten und habe mir dabei die Bänder am rechten Fuß stark gedehnt. Den Bergsprint habe ich noch mit deutlichen Beschwerden hinter mich gebracht. Um diese Bänder zumindest etwas zu entlasten, wird mein Fuß fachmännisch getapt, so dass es wieder verhältnismäßig beschwerdefrei weitergehen kann. Anschließend geht es zur Ausrüstungskontrolle und in den Startblock. Die restlichen Minuten bis zum Start versucht jeder Läufer auf eine andere Art und Weise hinter sich zu bringen -die einen dehnen die Muskulatur, andere gehen im Kopf die komplette Strecke durch und wieder andere nutzen die Zeit zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch.

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Team Mayer sprintet auf Platz zehn

Kurz und knackig – auf der fünften TAR-Etappe war ein Sprint angesagt. Zieleinlauf am Berg war ein echter Gänsehautmoment.

Eric Leidenfrost im Anstieg Foto: Mayer
Eric Leidenfrost im Anstieg Foto: Mayer

Es ist 07:59 Uhr, es erklingt ACDCs „Highway to Hell“, ein klares Zeichen für uns, dass es gleich los geht. Man wünscht sich noch gegenseitig viel Glück, zupft ein letztes Mal an der persönlichen Ausrüstung herum, schaltet die Sportuhr ein und versucht die Herzfrequenz noch so niedrig wie möglich zu halten. Pünktlich um acht werden wir wieder auf die lange Reise geschickt. Von Samnaun aus geht es zunächst über eine Forststraße und anschließend über einen Singletrail bis hoch zum höchsten Punkt der Strecke. Auf einer Höhe von 2.755 Netern befinden wir uns am Fuße der Vesilspitze (3097 Meter). Leider befinden wir uns mittlerweile bereits seit geraumer Zeit mitten in den Wolken, so dass wir keinerlei Sicht auf die umgebenden Gipfel haben. Das ändert sich auch während der nächsten Kilometer nicht. Erst als wir die 2.000 er Grenze wieder unterschreiten und in Richtung der zweiten Verpflegungsstelle bei Griosch kommen, klart die Sicht wieder etwas auf. Wir befinden uns nun bei der Streckenmitte und haben nun nur noch einen Anstieg vor uns.

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10. Platz beim TAR nach der Königsetappe

Für Trailrunner Christian Mayer aus Chamerau läufts beim Transalpine Run gut. Nun musste er die gefürchtete Strecke meistern.

1000 Höhenmeter im Geröllfeld

Die Wege auf der Etappe sind steinig. Foto: Mayer
Die Wege auf der Etappe sind steinig. Foto: Mayer

Die folgenden 1.000 Höhenmeter im Anstieg führen uns in eine Scharte zwischen den 3179 Meter hohen Piz Tasna und dem 2920 Meter hohen Piz Campatsch. Der Weg besteht aus einem großen Geröllfeld mit einer durchschnittlichen Steigung von annähernd 30 Prozent. Dieser Hang zieht die letzten Kräfte aus unseren Körpern. An der Scharte steht der Streckenchef Martin Hafenmair und feuert uns noch lautstark an. Auch wenn wir nun aufgrund der niedrigen Wolken überhaupt nichts sehen, so wissen wir, dass es auf den nun folgenden 12 Kilometern nur noch in Richtung Ziel geht. Auf dieser Strecke müssen 1.500 Höhenmeter im Abstieg am Stück bewältigt werden. Die Schwierigkeit hierbei ist trotz bereits spürbarer Ermüdung die Konzentration auf den Trail nicht zu verlieren, die Schritte sicher zu setzen und trotzdem ein möglichst hohes Tempo zu wählen um keine Plätze auf den letzten Metern zu verlieren und vielleicht noch etwas Zeit auf die vorderen Teams gut zu machen.

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Trailrunner durchnässt bis auf die Haut

Wetterumschwung und Programmänderungen können das Duo um Christian Mayer aus Chamerau nicht aus der Ruhe bringen.

Nach 5:15 Stunden laufen wir in den Zielbereich in Scuol ein. Obwohl wir morgens noch etwas verstimmt waren, freuen wir uns nun über unsere Zielzeit und unseren erreichten 11. Platz. Wir haben nun Scoul erreicht und es stehen für uns nur noch zwei Etappen bis zum großen Finale in Sulden an! Wir haben nun schon 200 Kilometer hinter uns gebracht und wir fühlen uns noch verhältnismäßig gut. Leider sagen die Wettervorhersagen schlechtes Wetter, aber wir verlieren nicht die Hoffnung auf ein bisschen Sonnenschein in Italien.

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