MyMz

Ungewisse Zeiten für Judokas

Derzeit ist in der Judo-Abteilung des 1.FC Rötz nicht an normalen Sport zu denken. Die Rückkehr zu Wettkämpfen wirft Fragen auf.

Ein Bild aus besseren Tagen: Der Rötzer Andreas Braun (vorne)setzt zum finalen Wurf an. Foto: Archiv/Magnus Rötzer
Ein Bild aus besseren Tagen: Der Rötzer Andreas Braun (vorne)setzt zum finalen Wurf an. Foto: Archiv/Magnus Rötzer

Rötz.Das Coronavirus dominiert im Moment den Alltag und auch der Vereinssport muss in den sauren Apfel beißen. Um der rasanten Ausbreitung der Pandemie entgegenzuwirken, wurden Turnhallen geschlossen, sportliche Wettbewerbe ausgesetzt und Kontakt- und Zweikampfsportarten bis auf Weiteres untersagt. Davon betroffen ist mitunter der Judosport und damit auch der beste Oberpfälzer Verein und drittklassige Bayernligist, 1. FC Rötz. Doch wie gehen die Rötzer mit der aktuellen Situation um und wie geht es für sie weiter?

Der FC war im Umgang mit dem Coronavirus handlungsschnell und konsequent und setzte das Training für alle Altersklassen im März auf unbestimmte Zeit aus, noch bevor Vereinssport von Seiten der Regierung untersagt wurde. „Wir Trainer haben die Verantwortung für unsere Sportler, gerade was deren Gesundheit anbelangt“, erklärt Joachim Pregler, der den Nachwuchs der Rötzer Judokas trainiert. Deshalb wollte man nicht lange warten und schnell handeln.

Trainingspläne für daheim

Online-Angebot vom Judo-Verband

  • Vielfalt:

    Durch Trainingseinheiten über Buchvorstellungen und Diskussionen bis hin zu Kochkursen versucht man, das Beste aus der aktuellen Situation zu machen.

Damit sich die jüngsten Aktiven beim FC in Zeiten von Corona zumindest zuhause fit halten können, machten sich die Rötzer Jugendtrainer Gedanken und gaben den Kindern und Jugendlichen einen Heimtrainingsplan zur Hand, den die Sportler am besten jeden zweiten Tag durchführen sollten. Pregler erhofft sich, dass die Judokas selbständig zuhause trainieren und bei Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs nicht wieder bei Null anfangen müssen. Die Resonanz der Eltern auf das Home-Workout fiel dabei durchweg positiv aus. Auch das Training der Bayernligakämpfer findet individuell zuhause statt. „Durch Homeworkouts und andere sportliche Aktivitäten wie Laufen und Radfahren versuche ich mich aktuell fit zu halten“, sagte Bayernligakämpfer Andreas Braun im Gespräch mit unserer Zeitung.

Für die Wettkampfmannschaft des 1. FC Rötz war die Welt im Juli letzten Jahres noch in Ordnung. Mit einer außerordentlichen Leistung konnte man am letzten Kampftag den ASV Fürth beim Final-Showdown in Abensberg mit 15:5 deutlich bezwingen und vollbrachte eine Sensation: Der FC wurde Landesligameister und besiegelte dadurch den Aufstieg in die drittklassige Bayernliga. Die Freude war riesig. „Wir wollen und werden diesen Weg in die Bayernliga gehen. Diese Euphorie, die aktuell im Verein herrscht, nehmen wir in die Bayernliga mit“, verkündete FC-Erfolgstrainer Klaus Pregler damals im Juli 2019 nach der Meisterschaft.

Aktuell ist selbstverständlich wenig von dieser Euphorie zu spüren. Die Bayernligasaison hätte für den FC Rötz am 28. März mit einem Auswärtskampf im unterfränkischen Aschaffenburg begonnen. Doch daraus wurde nichts, die Ligakämpfe wurden vorerst allesamt in den September verschoben. Laut aktuellem Stand sollen die sechs Kämpfe am 12. und 19. September zentral stattfinden. Das bedeutet, dass jedes der sieben Bayernligateams pro Kampftag gegen drei andere Vereine an einem Standort kämpft. Anders als üblich soll es pro Begegnung lediglich einen Durchgang geben, normalerweise gibt es zwei Runden. „Sollte der weiteren Entwicklung bedingt auch dieser Plan B nicht haltbar sein, so wäre ersatzweise ein Mannschaftspokalturnier denkbar, damit die Mannschaften zum kämpfen kommen.

In der Rötzer Halle findet aktuell kein Judosport statt. Die Athleten trainieren daheim. Foto: FC Rötz/Abteilung Judo
In der Rötzer Halle findet aktuell kein Judosport statt. Die Athleten trainieren daheim. Foto: FC Rötz/Abteilung Judo

Kämpfer Andreas Braun sieht das Vorhaben des Verbands hingegen kritisch: „Sollte es personelle Ausfälle geben, wirkt sich dies dann deutlich schlimmer auf den Verein aus, da die komplette Saison binnen weniger Tage stattfinden soll. Außerdem ist aktuell unklar, wann wieder ganz normale Judotrainings stattfinden können.“ Dadurch sei man laut Braun deutlich verletzungsanfälliger, weil man sich nicht optimal vorbereiten könne.

Eine ähnliche Meinung vertritt auch Klaus Pregler, Abteilungsleiter Judo und Trainer der Bayernligamannschaft beim FC Rötz. „Ich sehe schwarz, dass der Plan, die Bayernliga im September abzuhalten, funktioniert. Hinsichtlich der Verletzungsanfälligkeit aufgrund der fehlenden Vorbereitung ist Pregler der gleichen Ansicht wie Braun. Zudem sei die Ansteckungsgefahr bei einem Kontaktsport wie Judo natürlich sehr groß. Klaus Pregler findet klare Worte: „Solange es keine Mittel gegen das Virus gibt, wäre es unverantwortlich, die Saison im September durchzuführen“ und fügt hinzu: „Man sollte diese Saison ausfallen lassen und nächstes Jahr durchführen.“ Dies würde dem FC auch finanziell nicht schaden, keiner der Bayernligavereine würde draufzahlen.

Der Deutsche-Judo-Bund verfolgt indes den Plan, wie man Judo zumindest eingeschränkt und mit klaren Richtlinien im Training durchführen kann. „Zu diesen Richtlinien gehören beispielsweise strenge Hygienemaßnahmen und eine engmaschige Kontrolle des Trainingsbetriebs und der teilnehmenden Sportler“, schreibt der nationale Verband in einer Mitteilung auf seiner Homepage. Der Trainingsbetrieb solle unter Anleitung eines Übungsleiters im Freien stattfinden. Während des Trainings müssten die Abstandsregeln eingehalten werden und die Anzahl der Trainingspartner pro Gruppe solle sich nach dem zur Verfügung stehenden Platzangebot richten. Ferner sollen sich die Trainingsinhalte auf kontaktlose Durchführung beschränken. Die judospezifischen Inhalte könnten somit vorerst nicht trainiert werden.

Eine Sportart im Zwiespalt

„Wir geben alles dafür, dass der Judosport in Deutschland so schnell wie möglich wieder losgehen kann“, schreibt der DJB auf seiner Homepage. Ziel des Verbands sei es, eine starke Position gegenüber der Bundesregierung und den Landesregierungen zu vertreten und den zuständigen Behörden klar zu machen, dass unter den oben genannten Bedingungen und der Einhaltung von Hygienemaßnahmen eine Sonderregelung für Sportarten wie Judo erreicht werden kann.

„Im Hinblick auf die Fitness unserer Judoka wäre dies sinnvoll, aber für eine ordentliche Wettkampfvorbereitung wäre dies zu wenig. Dafür bräuchte man Randoris (Trainingskämpfe; Anm. d. Red.). Pregler hinterfrägt zudem, ob es Sinn machen würde, Judotrainings durchzuführen, wenn andernorts nicht einmal Cafés und Restaurants öffnen dürften, in denen Hygienemaßnahmen leichter eingehalten werden könnten als beim Judo. Denn in einem Punkt sind sich beim FC Rötz alle einig: Die Gesundheit der Sportler und der Gesellschaft sollte immer im Vordergrund stehen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht