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Extremsport

Wie im Schlaraffenland, nur mit Schmerzen

Eisiger Wind, Regen und Hagel bei null Grad, machen den Gipfelsturm auf den Arber beim Ultra Trail zum einmaligen Erlebnis.

Gestalten, die aus dem Nebel brechen – Richtung Arbergipfel wurde es garstig für die Trailrunner.
Gestalten, die aus dem Nebel brechen – Richtung Arbergipfel wurde es garstig für die Trailrunner. Foto: M. Felgenhauer

Cham.Der Ultra Trail Lamer Winkel (UTLW) am 30. Mai elektrisierte Läufer und Publikum. Bald 14 Tage sind vergangen. Wir haben unsere fünf „Helden des Trails“ mehrere Monate bei der Vorbereitung. Natürlich sollen sie auch nach dem UTLW zu Wort kommen, ihre ganz persönliche Renngeschichte erzählen.

Matthias Schwarze will wieder

Matthias Schwarze (36), Polizeibeamter aus dem Harz ist mit den UTLW-Organisatoren Wolfgang Hochholzer und Markus Mingo Mitglied der Frontrunner. Seine Passion ist das Traillaufen. Nach dem Marathon des Sables, einem neun Tage dauernden Wüstenlauf, ging es in den Bayerwald, und er hat einiges zu erzählen:

Das kam an bei den Beteiligten –die Zuschauer feuerten die Extremsportler mit Herzblut an.
Das kam an bei den Beteiligten –die Zuschauer feuerten die Extremsportler mit Herzblut an. Foto: M. Felgenhauer

„Ganz locker versammelt sich eine riesengroße bunte Trailfamilie rund um den kleinen See im Ort Arrach, im Tal umringt von mehreren 1000er Gipfeln. Gefühlt kennt hier Jeder Jeden, es werden Geburtstagsständchen gesungen, viel gelacht und sich auf die Schulter geklopft.

Gut, dass sich der Veranstalter eine zumindest sehr laute Kanone besorgt hat, welche mit zwei Salutschüssen den Start ankündigt. Die ersten Meter wandern die laufwütigen Runner hinter einer Blaskapelle her, die dem Druck der bunten Truppe jedoch nicht lange standhalten kann und, wenn auch widerwillig, die Strecke freigibt, zu einer Umrundung des kleines Sees.

Es ist warm und windstill, die meisten haben sich für ein kurzes Shirt entschieden. Die Jacken und Handschuhe sind in der Pflichtausrüstung verstaut. Hier sollten sie eigentlich auch bleiben, aber meistens kommt es dann doch ganz anders. Der Track führt ziemlich sofort in einen Trail, an einer großen Wiese. In den Kurven kann man die lange bunte Läuferschlange gut beobachten. Das miteinander quatschen hat noch lange nicht aufgehört, endet jedoch zumeist bei Beginn des Uphills, so auch dieses Mal.

Toll trailig geht es hinauf aufs Eck

Unglaublich freundliche Helfer, selbst die Flaschen werden aufgefüllt.
Unglaublich freundliche Helfer, selbst die Flaschen werden aufgefüllt. Foto: M. Felgenhauer

Es geht hinauf zum Eck, dem ersten VP, bei Kilometer 9,1 – eine tolle trailige Strecke. Die meisten Überholmanöver haben sich sowieso auf den ersten zwei Kilometer im Flachen erledigt und wären hier auch kaum noch möglich. Über Wurzelpfade auf moosigem Untergrund aufwärts rennend, erwartet uns der VP beim Eck, mit der ersten unerwartet großen Horde von Zuschauern, um 9 Uhr morgens. Zu essen gibt es alles, was das Herz begehrt. Endlich also das zweite Frühstück in die Hand genommen, jetzt soll es noch weiter nach oben gehen. Das härteste Teilstück des Rennens steht bevor, also weiter.

Kurz nach dem VP passieren wir die 1000er Grenze und das Gelände wird deutlich rauer. Das Wetter allerdings auch. Die umliegenden Gipfel sind jetzt nicht mehr zu erkennen und es wird neblig, nass und kalt. Platzierungskämpfe gibt es hier nicht, nur ein schönes Miteinander. So bemerken wir auch nicht, dass die Witterung sich mit jedem Meter nach oben weiter verschlimmert. Stück für Stück nähern wir uns von Gipfel zu Gipfel, über teils felsiges Geläuf, dem Großen Arber. Hier soll uns bei Kilometer 24,4 der zweite VP erwarten.

Wer friert, muss schneller laufen!

Eine tolle trailige Strecke macht Lust auf ein zweites Mal UTLW.
Eine tolle trailige Strecke macht Lust auf ein zweites Mal UTLW. Foto: M. Felgenhauer

Mittlerweile haben wir nahezu alle unsere Jacken angezogen. Ich merke, dass ich mich mit meiner nicht mal 80 Gramm leichten Notfalljacke vielleicht doch leicht verschätzt habe. Nützt aber nix, das Active Shell, das hier ganz sicher die richtige Wahl gewesen wäre, liegt zu Hause im Koffer, es muss so reichen und das tut es auch. Der Trainer sagt: Wer friert, muss schneller laufen!

Nur schnell wieder runter!
Nur schnell wieder runter! Foto: M. Felgenhauer

Eiskalter Wind von ständig wechselnden Seiten, Regen, Graupel und Hagel bei etwa null Grad, machen den Gipfelsturm auf den Arber zu einem einmaligen Erlebnis. Da gibt es nur eines, schnell wieder runter. Die ersten 50 Läufer hatten wohl Glück, auch bei uns fängt der Spaß erst an, jedoch alle ab Position 80 kommen wohl so richtig in das Unwetter am Gipfel. Die Bergstation der Arberbahn dient als Unterschlupf für 50 Zuschauer, die sich trotz des Wetters hinauf gewagt haben, um uns hier willkommen zu heißen. Wahnsinn! Man sieht nur Umrisse der Personen, aber sie machen einen tierischen Krach und feuern jeden Läufer an, der aus dem Nebel bricht.

Wir sind auf alle Fälle wieder da

Mit jedem Meter wird es schlimmer.
Mit jedem Meter wird es schlimmer. Foto: M. Felgenhauer

An der Jausenstation der Arberbahn befindet sich dann schon der VP zwei mit noch mehr Zuschauern und unglaublich freundlichen und motivierten Helfern. Selbst die Flaschen werden aufgefüllt und der Kuchen angereicht. Ein bisschen wie das Schlaraffenland, nur halt mit Schmerzen. Von hier aus keine 30 mehr, das härteste Teilstück auch erledigt, was soll denn jetzt noch schiefgehen?

Ich bin immer noch begeistert von dem ganzen Herzblut, welches Veranstalter, Helfer und Zuschauer an den Tag gelegt haben. Ich finde aber auf der anderen Seite, dass jeder Teilnehmer es ihnen mit viel Freundlichkeit gedankt hat. Ich freue mich sehr auf ein nächstes Mal, wir sind auf alle Fälle wieder da. Sollte uns der Startplatz verwehrt sein, komme ich als Helfer!“

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