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„Da musst du den Kopf ausschalten“

Corinna Harrer von der LG Telis Finanz Regensburg feiert bei der Team-EM ihr Debüt im A-Team und spricht mit Claus Wotruba über ihre Pläne.

Bei der Team-EM erstmals im A-Nationaltrikot: Die Regensburger U-20-Vizeeuropameisterin Corinna Harrer und ihr Maskottchen Foto: Wotruba

Sie haben Silber bei der U-20-Europameisterschaft gewonnen, waren 2010 Sechste der Junioren-Weltmeisterschaft. Welche Bedeutung hat diese Team-Europameisterschaft und der Start am Samstag um 15.33 Uhr über 3000 Meter für Sie?

Corinna Harrer: Gleich hinter der U-23-Europameisterschaft ist das der zweite Höhepunkt. Der allererste Einsatz bei den Frauen: Das ist etwas ganz Besonderes. Es wird schwer und ich bin gespannt, was da abgeht.

Für Sie hat sich Ihre Vielseitigkeit ausgezahlt. Diesmal sind die 3000 Meter dran.

Na ja, meine Zeit in London (4:09,63, d. Red.) kam drei Tage zu spät, sonst hätte es über 1500 Meter auch gereicht. Die wäre ich deswegen gerne gelaufen, weil ich dann nicht meine gute Trainingskameradin, Maren Kock, aus dem Aufgebot gekickt hätte.

Gibt es ein Zeitziel? Eigentlich geht es ja nur um die Platzierung und die Punkte für Deutschland.

Es wird unter neun Minuten gehen, aber taktisch sein. Das könnte gut für mich sein. Hauptsächlich geht es mir um die Zeit. Eine 9:06 will ich laufen – wenn die Bedingungen gut sind, Richtung neun Minuten.

Stichwort Zeiten: 2010 gab es keine Bestzeiten. Heuer ging es auf allen Strecken voran. Forciert das die Erwartungshaltung?

Ich hatte mir schon im vergangenen Jahr mehr erhofft. Ich bin aber auch froh, dass ich so ein Jahr erleben durfte. Es geht nicht immer nur geradeaus. Dieses Jahr weiß ich, was ich drauf habe. Deswegen erwarte ich mir schon etwas, auch bei der U-23-EM.

Sind Sie da Medaillenkandidatin?

Vor der Saison hätte ich gesagt, Top Fünf oder Sechs. Jetzt liegt nur eine Britin ein paar Zehntel vor mir. Wenn ich meine Bestzeit abrufen kann, kann es schon für eine Medaille reichen.

Im Vorjahr waren die 800 Meter die Hauptstrecke, jetzt sind es die 1500 Meter, auch für die U-23-EM. Das heißt aber nicht, dass das 2012 so sein muss, oder?

Nein, im vergangenen Jahr sollten es schon die 1500 werden, aber es lief erbärmlich. Die 800 Meter waren ein Notprodukt. Die 1500 sind in naher Zukunft mein Ziel. Über 800 reicht es nicht ganz für vorne. Aber sollte über 800 ein Schub kommen, kann das auch schnell wieder anders aussehen.

Was ist denn der Unterschied zwischen 800 und 1500 Meter – außer, dass es fast die doppelte Strecke ist?

Über 800 braucht man zwei gleiche Runden und rennt ziemlich flott los. 1500 sind dreidreiviertel Runden – man sagt, es ist die schwerste Laufstrecke. In der dritten Runde musst du den Kopf ausschalten und über deinen Schmerz drüberlaufen.

Bringen einen die Zeiten von heuer näher an die Olympischen Spiele 2012 in London? Oder sind eher die Europameisterschaften in Helsinki das realistischere Ziel?

Sicher denkt man an Olympia. Mein Hauptziel ist erstmal die EM, da bin ich nur noch eine gute Sekunde weg. Zu Olympia ist es viel weiter. Da müsste es im nächsten Jahr genauso weitergehen. Und 2012 bin ich ja auch erst 21: Wenn ich mitdarf, freue ich mich natürlich, aber Olympische Spiele sehe ich für mich wenn, dann erst 2016.

Studientechnisch gab es eine Umorientierung weg von Regensburg, hin nach Ansbach. Sport und Studium ist schwer in Einklang zu bringen, oder?

Ich hatte totale Schwierigkeiten. Ich habe BWL gemacht mit zweimal Training am Tag. Wenn du dich dazwischen hinlegen willst oder zum Physio muss, dann geht geht soviel Zeit drauf, dass man sich nicht 30, 35 Stunden an die Uni setzen kann, ohne dass das Training leidet. Ein Trainingskollege in der Nationalmannschaft hat mich auf die Idee gebracht, mich für Internationales Management in Ansbach zu bewerben. Ich habe das aus Spaß gemacht. Jetzt bin ich froh darum, weil sich das System total nach dem Sport ausrichtet.

Wie weit ist eine Corinna Harrer ausgereizt? Spürt man die eigenen Grenzen, sind sie schon erreicht?

Das dachte ich schon vor zwei Jahren. Und das denke ich jedes Jahr wieder. Bei mir ist es jedes Jahr ein Phänomen, dass ich trotz Sommerpause von der Ausdauer her besser werde. Irgendwann wird Schluss sein, aber momentan kann immer noch härter trainieren. Wo die Grenzen genau sind, schwer zu sagen.

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