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Selbstversuch

Dart-Nachhilfe vom Chamer Wunderkind

David Nachreiner gilt als größte Dart-Hoffnung. Unsere Reporterin ist blutige Anfängerin. Das will der Zwölfjährige ändern.
Von Maximiliane Gross

Reporterin Maximiliane Groß konnte bei ihrem ersten Darts-Training auch ein paar gute Treffer landen. Das Fazit vom Profi: Gar nicht so schlecht. Foto: Tschannerl
Reporterin Maximiliane Groß konnte bei ihrem ersten Darts-Training auch ein paar gute Treffer landen. Das Fazit vom Profi: Gar nicht so schlecht. Foto: Tschannerl

Waffenbrunn.Genau dort zu treffen, wohin er gezielt hat, ist für David Nachreiner normalerweise kein Problem. Schließlich ist der Zwölfjährige eines der größten Talente in Deutschland und international bekannt. Bei mir ist es dagegen reine Glückssache – zumindest in den meisten Fällen. Ab und zu ist der Pfeil bei meinem Training mit dem Nachwuchstalent aber tatsächlich dort gelandet, wo ich ihn haben wollte. Anders, als gedacht, ist das Ziel nicht, das Bull, also die kleine rote Fläche in der Mitte der Scheibe, zu treffen. Es geht vielmehr darum, mit so wenigen Würfen wie möglich die Punktzahl genau auf Null zu bringen.

David gibt mir ein paar Tipps und eines seiner Trikots, dann beginnen wir an der elektronischen Dartsscheibe zu spielen. 501 Punkte müssen weg. Ich darf anfangen und zwei meiner ersten drei Pfeile bleiben nicht einmal in der Scheibe stecken. Na, das geht ja gut los. Mein einziger Vorteil: David erklärt mir gleich, warum ich nicht erfolgreich war. Ich bin in die Knie gegangen und habe aus der Schulter geworfen. Anfängerfehler. Jetzt ist er dran. David peilt „Triple 20“ an. Das ist eines der kleinen, roten Felder auf dem inneren Ring. Das Feld bringt pro Wurf 60 Punkte und damit zehn mehr als das bereits erwähnte Bull. Natürlich trifft er sein Ziel. Allerdings nur mit zwei von drei Pfeilen.

Training mit Dart-Wunderkind David Nachreiner

Drei Würfe, drei Treffer

Hält man den Pfeil zu weit hinten, dann kippt er nach hinten weg. Meistens bleibt der Pfeil dann nicht in der Scheibe stecken. Foto: Tschannerl
Hält man den Pfeil zu weit hinten, dann kippt er nach hinten weg. Meistens bleibt der Pfeil dann nicht in der Scheibe stecken. Foto: Tschannerl

Ich stelle mich das zweite Mal an die rote Linie. Der Abstand zur Scheibe beträgt exakt 2,37 Meter. Das Bull ist auf einer Höhe von 1,73 Meter. Ich habe 82 Felder zur Auswahl. Eines davon werde ich schon treffen, denke ich mir und achte diesmal genau darauf, Davids Tipps umzusetzen. Meine Knie bleiben gestreckt, ich halte den Pfeil weiter vorne und bewege nur den Unterarm. Und siehe da, es klappt. Alle drei Pfeile bleiben stecken, einer sogar im „Triple 20“. Natürlich feiere ich meinen Erfolg. Ich weiß aber auch, dass das nichts mit Können, sondern nur mit Glück zu tun hatte.

David Nachreiner spielt eigentlich nur gegen Erwachsene. Foto: Tschannerl
David Nachreiner spielt eigentlich nur gegen Erwachsene. Foto: Tschannerl

Unser erstes Duell ist relativ schnell beendet. David ist einfach richtig gut und spielt die 501 Punkte in sechs oder sieben Runden runter. Während ich einfach werfe, rechnet der Profi bei jedem Wurf mit, welches Feld er am besten anpeilt und welche er danach treffen müsste, um am meisten Punkte zu erzielen. Darts ist nicht nur „einfach werfen“, sondern auch noch Kopfrechnen – und zwar sehr schnell.

Der letzte Wurf muss genau Null bringen. In der Regel spielt David bei Turnieren Doubleout. Das heißt, sein Pfeil muss in einem Doppelfeld im äußeren Ring landen. Und zwar genau auf der Punktzahl, sodass es mal zwei Null ergibt. Weil sich mit jedem Wurf etwas ändern kann, ist das Mitrechnen so wichtig. Die Zeit, zwischen zwei Pfeilen lange zu überlegen, gibt es nicht. Laut Reglement dürfen nicht mehr als 60 Sekunden zwischen den Würfen liegen.

Die Dartspfeile haben entweder eine Kunststoff- oder eine Metallspitze. Das hängt davon ab, auf welche Scheibe geworfen wird. Foto: Tschannerl
Die Dartspfeile haben entweder eine Kunststoff- oder eine Metallspitze. Das hängt davon ab, auf welche Scheibe geworfen wird. Foto: Tschannerl

Für mich gelten diese Regeln erst einmal nicht. David sagt, es ist wichtiger, richtig zu stehen und die Ausführung zu beherrschen. Wir spielen Runde um Runde mit Davids eigenen Pfeilen. Die wiegen exakt 21 Gramm und wurden nach seinen Vorlieben angefertigt. Weil ich noch nie zuvor wirklich Darts gespielt habe, merke ich keinen Unterschied. Ich kann mir aber vorstellen, dass es den gibt, wenn man tagtäglich stundenlang übt und ein Turnier nach dem anderen spielt.

Das beste Ziel für Anfänger

Der innere Ring heißt im Fachjargon „Triple“, der äußere „Double“. Die Punktzahl wird entsprechend verdoppelt oder -dreifacht. Foto: Tschannerl
Der innere Ring heißt im Fachjargon „Triple“, der äußere „Double“. Die Punktzahl wird entsprechend verdoppelt oder -dreifacht. Foto: Tschannerl

So gut wie David werde ich wohl nie werden. Ein bisschen stolz bin ich nach unserer Trainingseinheit trotzdem. Denn David findet, dass ich mich gar nicht so dumm angestellt habe: „Für dein erstes mal Darts spielen und für nur eineinhalb Stunden, war das wirklich gut.“ Es sei natürlich noch ausbaufähig, David meint aber, dass ich mit ein bisschen Übung ziemlich schnell einen 60-Average schaffen könnte. Das bedeutet, dass ich im Schnitt pro Runde mit jedem der drei Pfeile 20 Punkte erziele. Für alle Hobbiedartspieler, zu denen ich mich jetzt auch zähle, hat David noch einen Tipp. „Versucht, die 19 zu treffen. Für einen Anfänger ist das das beste Ziel.“ Der Grund: Neben der 19 liegen die Zahlen sieben und drei. Verfehlt man das Ziel, dann kann man in der Summe trotzdem noch zehn Punkte erzielen. Peilt man hingegen die 20 an, dann sind es bei einem Fehlwurf nur noch sechs Punkte.

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