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Fussball

Ein Aufsteiger beim 1. FC Nürnberg

Ex-Aiglsbach-Trainer Peter Gaydarov wird Chefcoach der Bundesliga-U17 des Club. An seiner Seite: FCN-Legende Tomas Galasek.
Von Martin Rutrecht

Peter Gaydarov (28) übernimmt ab 1. Juli den Chefposten bei der Bundesliga-U17 des Club. Foto: Udo Rimmelspacher/Archiv
Peter Gaydarov (28) übernimmt ab 1. Juli den Chefposten bei der Bundesliga-U17 des Club. Foto: Udo Rimmelspacher/Archiv

Aiglsbach.Der 1. FC Nürnberg hatte in der abgelaufenen Fußball-Saison zwei gröbere Betriebsunfälle: Die Profis stiegen aus der 1. Bundesliga ab und auch das U19-Team ereilte dasselbe Los im A-Junioren-Oberhaus. Mit der U17 bleibt zumindest ein Bundesligist übrig – sie wird ab 1. Juli übernommen vom früheren Aiglsbach-Trainer Peter Gaydarov. Der 28-jährige Vohburger schlüpft damit beim Club in eine hauptberufliche Cheftrainer-Verantwortung.

„Ich habe in den vergangenen zehn Jahren intensiv für diesen Traum gearbeitet.“

Peter Gaydarov

„Als sich die Möglichkeit ergab, musste ich nicht lange überlegen. Wer mich kennt, weiß, wie intensiv ich in den vergangenen zehn Jahren neben dem Beruf für diesen Traum gearbeitet habe“, sagt Gaydarov. Erst seit einem halben Jahr ist der A-Lizenz-Trainer bei den Franken.

Mit 17 schon den ersten Betreuerjob

Nach drei Jahren beim TV Aiglsbach (2015 bis 2018), wo er Landesliga-Auf- und auch Abstieg miterlebte, heuerte der junge Coach im Sommer 2018 bei der SpVgg Landshut an. Aber bereits im Winter nahm er ein Angebot der Clubberer an und wurde Co-Trainer der U19. Den Klassenerhalt verpassten die Youngsters, aber Gaydarovs Arbeit gefiel. Die neue Aufgabe wurde an ihn herangetragen. „Entscheidend war der Sportliche NLZ-Leiter Daniel Wimmer“, erklärt Gaydarov, der begeistert einschlug. „Eine solche Chance will ich nicht ungenutzt lassen.“

In Gaydarovs Zeit in Aiglsbach unvergessen: Im August 2016 schlug der TV (in grün) im BFV-Pokal die Profi-Truppe des SSV Jahn. Foto: Dr. Kahler/Archiv
In Gaydarovs Zeit in Aiglsbach unvergessen: Im August 2016 schlug der TV (in grün) im BFV-Pokal die Profi-Truppe des SSV Jahn. Foto: Dr. Kahler/Archiv

Vor etwa zehn Jahren schlüpfte der gebürtige Bulgare, der als Achtjähriger nach Deutschland kam, beim TV Vohburg erstmals in die Rolle eines Betreuers. „Ich war 17 und spielte in der U19. Plötzlich hatte die U15 keinen Trainer mehr. Da bin ich eingesprungen, ich hatte nicht einmal einen Führerschein.“ Es folgten weitere Jugendteams, ehe Gaydarov 2014 beim FC Mindelstetten erstmals mit Herren arbeitete. Schon ein Jahr später landete er in Aiglsbach.

Steiniger Weg zum Profi-Coach

Nun wird er von Beruf Trainer – „was immer mein Traum war“. Das runde Leder ist seine Leidenschaft. „Ich wollte im Fußball nie etwas dem Zufall überlassen und so bin ich auch als Trainer. Mit Fußball kann man sich nicht detailliert genug befassen. Ich will das Maximale aus einer Mannschaft rausholen“, lautet sein Credo. In den nächsten Jahren werde sich herausstellen, wohin der Weg führt. „Ich kann nicht sagen, ich werde Profi-Trainer. Dazu ist der Weg zu steinig. Aber ich will bestmögliche Arbeit liefern.“ Dass Türen sich öffnen, zeigen Namen wie Nagelsmann oder Kohfeldt.

Tomas Galasek (r.) wurde 2007 mit dem 1. FC Nürnberg DFB-Pokal-Sieger. Nun rückt er als Co-Trainer an die Seite von Peter Gaydarov. Foto: Armin Weigel/dpa
Tomas Galasek (r.) wurde 2007 mit dem 1. FC Nürnberg DFB-Pokal-Sieger. Nun rückt er als Co-Trainer an die Seite von Peter Gaydarov. Foto: Armin Weigel/dpa

Ab 1. Juli kann sich Gaydarov „den ganzen Tag auf Fußball fokussieren“. Sechs- bis achtmal in der Woche werde er am Platz stehen, meistens nachmittags. „Neben dem Mannschaftstraining kommen Individual- und Gruppeneinheiten hinzu. Natürlich spielen Analysen und Feedbacks vermehrt eine Rolle“, beschreibt er seine Tätigkeit. Der größte Unterschied zu seiner Trainerarbeit in Aiglsbach oder Landshut sei definitiv die Intensität: „In einem Amateurverein hat man pro Woche etwa fünf Stunden Trainingszeit, um alle Inhalte zu verpacken.“ In einem Nachwuchsleistungszentrum ist dies anders: „Da hast du die doppelte Zeit und kannst viel detaillierter arbeiten. Du musst mehr Augenmerk auf die Dosierung und die Trainingssteuerung legen.“

Noch immer ein Herz für die Hallertau

  • Sympathie:

    Für Peter Gaydarov ist sein Ex-Verein TV Aiglsbach „nach wie vor eine Herzensangelegenheit. Ich bin noch mit vielen Spielern und Verantwortlichen in Kontakt. Ich mag die Leute und das Umfeld.“

  • Freude:

    Bei jedem Spiel der Aufstiegsrelegation war Gaydarov dabei. „Auch sonst habe ich viele Partien gesehen. Ich freue mich riesig über die Landesliga-Rückkehr.“ Er werde weiterhin Zaungast bleiben.

In der bisherigen U19-Funktion gehörten die Vormittage seinem Beruf als Informatiker in Ingolstadt. „Gegen 15 Uhr bin ich Richtung Nürnberg gefahren. Diese Doppelbelastung wäre auf Dauer nicht stemmbar.“ Bald bezieht der 28-Jährige beim FCN ein Büro. Vorerst will Gaydarov weiterhin von Vohburg nach Nürnberg pendeln. „Es ist denkbar, dass ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber auf Minijobbasis bleibe. Das ist noch offen. Über einen Umzug denke ich später nach.“

Co-Trainer der tschechischen Nationalelf

Wenige Tage nach Gaydarovs Beförderung zum U17-Chefcoach vermeldete der Club eine bemerkenswerte Personalie: Der tschechische Ex-Profi Tomas Galasek, 2007 mit dem 1. FC Nürnberg DFB-Pokal-Sieger, wird Co-Trainer an der Seite des Vohburgers. Der 69-fache Nationalspieler seines Heimatlandes zählte weitere Profi-Stationen wie Ajax Amsterdam, Banik Ostrava oder Borussia Mönchengladbach.

„Tomas Galasek war als Spieler ein Lenker und Denker. Er hat enorme Erfahrung.“

Peter Gaydarov

Gaydarov freut sich riesig. „Er war als Spieler ein Lenker und Denker. Er hat enorme Erfahrung, ist aktuell Co-Trainer der tschechischen Nationalmannschaft und trotzdem ein sehr bodenständiger und positiver Mensch. Ich denke, dass wir beide von dieser Konstellation profitieren werden.“ Galasek ist beim Club wohl nur der Anfang einer Rückholaktion von großen FCN-Kickern: Andreas Wolf und Javier Pinola (in 2020) sollen einsteigen.

Peter Gaydarov will in der neuen Saison alles daran setzen, die U17 in der Bundesliga zu halten. Was beim Club Schwerstarbeit bedeutet, wie die vergangene Saison zeigte.

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