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Sonntag, 22. April 2018 27° 2

Eiskunstlauf

Ein Kratzer in der CD kostet den Titel

Mit DM-Bronze hakt Ann-Christin Marold ein Ziel ab. Auch zwei Klubkolleginnen fielen nach Platz eins zur Halbzeit zurück.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Erst klappte für Ann-Christin Marold bei der deutschen Nachwuchsmeisterschaft alles, dann ging einiges schief. Foto: Brüssel

Mannheim. Alles lief perfekt: Der erste Teil des Wettkampfs, das Training, das Einlaufen – einfach alles. Und dann brachte Ann-Christin Marold etwas aus dem Konzept, was die 13-jährige Eiskunstläuferin in ihrer jungen Karriere noch nie erlebt hatte. Just als sie zum nächsten Dreifachsprung ansetzte, kam aus den Lautsprechern statt Musik ein störendes Geräusch: „Das war eine Sekunde vor dem Sprung im letzten Schritt ein richtig lautes Chhhhhhhhhht“, versucht Trainerin Nicole Brünner zu simulieren. Der „Monster-Kratzer“ in der abzuspielenden CD brachte ihren Schützling vom EC Regensburg bei den deutschen Nachwuchsmeisterschaften in Mannheim völlig aus dem Rhythmus: „Sie hat gesagt, sie hat danach gemeint, sie hätte zwei linke Füße. Es war ein kleines Desaster. Sie lief ab da mit einer Miene wie versteinert.“

Und eine verpasste Chance auf einen deutschen überraschenden Titel – denn als Favoritin hatte die Regensburgerin in ihrem ersten Junioren-Jahr nicht gegolten. Nach einem „Wow-Effekt“ im Kurzprogramm, das sonst eher der Problemteil ist, hatte Marold sieben Punkte Vorsprung. Am Ende fehlten ihr nach dem Malheur 1,32 Pünktchen zur Berlinerin Jennifer Schmidt und Platz eins. Dennoch fiel sie weich: Die 126,03 erreichten Punkte dämpften die Enttäuschung. Denn dadurch ist die C-Kader-Norm bestätigt hat – und das hatte Marold als persönliches Saisonziel auserkoren.

„So springt sonst keine“

„Der Titel wäre locker nach Hause zu fahren gewesen“, urteilt Brünner. „Aber sie wollte alles zeigen, was sie kann. Sie war so selbstsicher und alle, die sie gesehen haben, wussten: So springt keine“, sagt Brünner. Doch auch dieser Vorfall bringt neuen Lerneffekt. „Das nächste Mal weiß sie, wie sie mit so etwas umgeht. Sie meinte selbst, sie hätte sich fangen müssen.“

Im Konzert der neun qualifizierten Starter de EC Regensburg war Ann-Christin Marold nicht die einzige gewesen, die das Zwischen-Klassement angeführt hatte. Auch Jana Schwegler, die im Nachwuchs A von Rang eins noch aus den Medaillenplätzen fiel, und Andrea Pekarek, die im Nachwuchs B in der Kür zumindest noch Bronze hinter ihrer Klubkameradin Lea Schwamberger rettete, passierte Ähnliches. „Das sind aber zwei ganz andere Fälle gewesen“, erklärte die Trainerin.

Im Interview geben Ann-Christin Marold und ihre Mutter Einblick in das Eiskunstlaufleben.

Bei Jana Schwegler tauchte mit der Mannheimerin Anastasia Steblyanka unvermittelt eine neue Konkurrentin auf, die prompt gewann und in der Kür von vier auf eins sprang. „Jana war ein bisschen vorsichtig“, berichtet Brünner, „aber auch mit Knieproblemen und einer Erkältung angereist. Am Tag vorher sah es noch so, als würde sie gar nicht laufen können.“

Zwei Neue für den Bundeskader

Andrea Pekarek dagegen übertraf sich quasi selbst. „Besser kann sie das nicht. Das war sehr schön“, befand Brünner und fand deswegen den Fall von eins auf drei auch halb so wild. „Sie war die Beste derjenigen, die noch keinen Dreifach-Sprung zeigen.“ Vereinskameradin Lea Schwamberger tat das mit dem dreifachen Toeloop sehr wohl und sicherte sich freudestrahlend Platz zwei. Beide hakten jenseits ihrer Treppchenplätze mit ihren Punktezahlen auch noch eine andere Hürde ab: Sowohl Schwamberger (87,47) als auch Pekarek (86,90) übertrafen die 86er-Schallmauer, die als Norm für den Bundeskader gilt. „Die müssen Lea, Andrea und auch Jana – die sie zwar zweimal, aber eben nur national hat – jetzt noch international bestätigen.“

Sollte das im Saisonendspurt – nächster Termin sind die offen sächsischen Meisterschaften von 3. bis 5. Februar in Chemnitz – gelingen, hätte der ECR vier deutsche Kaderläuferinnen in seinen Reihen. In Tirol, eventuell auch Budapest oder bei den Bavarian Open in Oberstdorf bestehen dazu im Februar genügend Gelegenheiten.

Außer den fünf Topplätzen mit drei Medaillen – auch Kira Gutzat wurde in der Jugend Vierte – landeten noch vier weitere ECR-Starter zwischen Rang fünf und zwölf. Anne-Sophie Schlegel kostete im Nachwuchs U 18 B Nervenflattern in der Kür eine bessere Platzierung als Rang acht. Katharina Kurz blieb als Zwölfte in der Marold-Klasse mit knapp unter 100 Punkten im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Milena Sardarian zeigte erstmals im Wettkampf einen Doppel-Axel und landete zwei Plätze hinter Jana Schwegler auf Rang sechs. DM-Debütant Leon Krajczyk absolvierte als Fünfter zwei fehlerfreie Programme.

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