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Samstag, 24. Februar 2018 1

Eishockey

Der Eisbären-„Wundermann“ ist zurück

Der neue Trainer Igor Pavlov will mit dem Michelangelo-Prinzip helfen. GmbH fällt Entscheidung für Schnabl und Sommerer.
Von Claus-Dieter Wotruba

Wieder Eisbär: Igor Pavlov trainiert zehn Jahre nach seinem ersten Engagement wieder die Eisbären in Regensburg. Foto: Andreas Nickl

Regensburg.Selten war es so uninteressant, gegen wen die Eisbären Regensburg am Wochenende spielen – obwohl der Auftakt zu einem neuen Saisonabschnitt, der sieben Wochenende dauernden Meisterrunde der Eishockey-Oberliga Süd, ansteht. „In den letzten 48 Stunden haben sich die Ereignisse überschlagen“, übertrieb Geschäftsführer Christian Sommerer nicht. Vor allem die Vorstellung des neuen Trainers Igor Pavlov – wie stets, wenn es wichtig wird, in den Räumen von Sponsor Rewag verkündet – überstrahlte alles. Die Frage ist: Kann der 53-Jährige kommen, die Hand auflegen und in Peiting am Freitag (19.30 Uhr) und zuhause gegen Deggendorf am Sonntag (18 Uhr) sofort ändern, dass die Eisbären trotz aller Probleme sofort auch gegen besser platzierte Teams siegen?

Christian Sommerer bleibt auch in der Saison 2018/19 als Geschäftsführer für die wirtschaftliche Seite bei den Eisbären verantwortlich. Foto: Nickl

Der russische Forscher Iwan Petrowitsch Pawlow hatte mit seinem empirischen Experiment vor über 110 Jahren belegt, dass der Speichelfluss eines Hundes schon vom Geräusch der Schritte des Besitzers ausgelöst wurde, noch ehe das Futter in Sicht war – und den Nobelpreis dafür bekommen. Einen ähnlichen Pavlovschen Impuls würden sich die GmbH-Gesellschafter um Geschäftsführer Christian Sommerer natürlich wünschen – mindestens ein Publikumspreis wäre sicher.

Wundersame Serie von 2008

Der neue Mann kennt aus alten Zeiten viel üblere Situationen. Als Igor Pavlov seinen Dienst zu Zweitliga-Tagen der Eisbären im Januar 2008 antrat, war die Mannschaft Letzter und machte mit 25 von 30 Punkten aus den letzten zehn Spielen eines der größten Wunder der Regensburger-Sportgeschichte perfekt. Das bedeutete Platz zehn und den sportlichen Klassenerhalt, der danach durch die Insolvenz Makulatur war. Natürlich war Pavlovs erstes Gastspiel in Regensburg bei der Vorstellung ein Thema. „Das war damals eine Extremsituation. Wir mussten Unmögliches versuchen“, sagte Pavlov, „und es scheint, als gäbe es nichts Unmögliches. Die Erinnerung daran ist sehr intensiv.“ Aus jenen Tagen kennt Pavlov auch ein aktuelles Problem bestens: Verteidigermangel. Damals gelang die Serie mit nur noch vier, darunter zwei höchst maladen Defensivspielern! Die schlechte Nachricht des Rückblicks auf 2008: In den ersten vier Spielen unter Igor Pavlov gab es damals null Punkte.

Eine Einschätzung von MZ-Experte Claus Wotruba zu den Eisbären-Personalentscheidungen finden Sie hier.

Kommentar

Einen Versuch ist es wert

Die Eishockeyfans in Regensburg wünschen sich manchmal mehr Reaktion. Diesmal war es eine Ruhe vor dem Sturm. Passend zum Sturmtag von „Friederike“ wirbelten...

Diesmal ist die Lage nicht so aussichtslos, aber ein Stimmungsumschwung tut nach wie vor Not. Das Rezept sei einfach, verkündete der neue Eisbären-Coach: „Physischer Topzustand und mentale Stärke. Systeme kann man ändern. Es gibt genügend erfahrene Spieler im Kader. Die sollten das kapieren.“ Pavlov nimmt das Prinzip des berühmten Künstlers Michelangelo zum Vorbild: „Er wurde auch gefragt, wie er aus einem einfachen Stein so etwas machen konnte, und sagte: Alles, was nicht Erfolg bringt, muss weg.“

„Ein relativ präzises Bild“

Zunächst hatten so manche Indizien darauf hingedeutet, dass Ken Latta der Nachfolger von Beppi Heiß sein könnte. Latta beerbte gestern Milan Mazanec in Weiden, Pavlov kam nach Regensburg. Der Russe, der zuletzt als Berater von „Klubs im Dynamo-System“ tätig war, traf am Mittwochabend nach „20, 30 Stunden Verhandlung seit Sonntag“ (Sommerer) um 22 Uhr aus Moskau ein und fühlte sich dank diverser Videos noch vor dem ersten Training gut informiert. „Ich habe ein relativ präzises Bild“, sagte Pavlov, der in Regensburg zunächst alleine leben wird. „Meine Frau hat einen guten Job in Moskau. Sie kommt in zwei Wochen für ein paar Tage. Nächste Saison schauen wir.“

Die Eisbären verpflichten Igor Pavlov: Lesen Sie hier einen Text von der Pressekonferenz.

Mit Pavlov wurde Stefan Schnabl als sportlicher Leiter installiert, der einst unter Pavlov auch Co-Trainer gewesen war. „Er ist ein Regensburger Urgestein, hat unglaublichen Einblick im Nachwuchs in Deutschland und ist eine absolute Vertrauenperson für uns. Er ergänzt Igor gut“, erklärte GmbH-Sprecher Christian Volkmer. Und auch Christian Sommerer, der Ende November nach der Trennung von Stefan Liebergesell übernommen hatte, wird in der nächsten Saison Geschäftsführer bleiben. Nach „Gesprächen mit mehreren Bewerbern“ sei er gefragt worden, ob er bleiben wolle, sagte Sommerer. „Wir haben festgestellt, dass es bei dem Geflecht in Regensburg schwer für einen Außenstehenden ist, reinzukommen und es zu durchdringen.“

Einst Igor Pavlovs Co-Trainer, jetzt als sportlicher Leiter an der Seite des neuen Eisbären-Trainers: Stefan Schnabl. Foto: Nickl

Alle Nachrichten rund um die Eisbären des EV Regensburg finden Sie hier.

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