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Eisbären
Montag, 16. Juli 2018 29° 8

Eishockey

EVR-Rührung und viele Lacher

Der Saisonabschluss der Eisbären hatte zwei Höhepunkte: den Abschied von Kevin Schmitt und die gefeierten DNL-Junioren
Von Claus-Dieter Wotruba

Abschied mit Applaus Kevin Schmitt arbeitet ab 1. Mai als Ingenieur und spielt in der Landesliga Eishockey für den ERSC Amberg. Foto: Brüssel
Abschied mit Applaus Kevin Schmitt arbeitet ab 1. Mai als Ingenieur und spielt in der Landesliga Eishockey für den ERSC Amberg. Foto: Brüssel

Regensburg.Erst erhoben sich Kapitän Peter Flache, Nikola Gajovsky, Peter Holmgren und das Team von ihren Plätzen. Kurz darauf standen alle im mit 500 Fans bestens gefüllten Saal des Regensburger Antoniushauses und klatschten. Auf der Bühne stand einer im Mittelpunkt, der da sonst selten steht und war gerührt. „Ich bin kurz vor den Tränen, obwohl ich sonst nicht so einer bin“, sagte Schmitt, der Verteidiger, genauer gesagt Ex-Verteidiger der Eisbären vom EV Regensburg.

Hier finden Sie ein Porträt zu Nikola Gajovsky, dem Spieler der Saison 2017/18.

Die offizielle Verabschiedung des stets so unspektakulär und zuverlässig auftretenden 24-Jährigen, der ab 1. Mai in einem Ingenieursbüro in Amberg seine Karriere im Berufsleben beginnt, war einer der Höhepunkte der Abschlussfeier des Eishockey-Oberligisten. „Ich hätte gerne noch mehrere Jahre hier gespielt und wäre mit den Eisbären aufgestiegen. Das hätte Regensburg verdient. Aber vor allem jeden Tag eine Stunde einfach ins Training zu pendeln, schaffe ich bei einem Vollzeitjob nicht mehr“, hatte Schmitt erklärt, der künftig für den ERSC Amberg in der Landesliga spielt. „Ganz kann ich noch nicht vom Eishockey lassen – und da habe ich fünf Minuten zu Fuß zum Stadion.“

Peter Holmgren und Co. demonstrierten Fannähe. Foto: Brüssel
Peter Holmgren und Co. demonstrierten Fannähe. Foto: Brüssel

Der wahre Grund der Feier

Der zweite höchst beifallsträchtige Moment der rund zweieinhalbstündigen Veranstaltung war schon von Trainer Igor Pavlov angekündigt worden: „Der wahre Grund für diese Feier sind die DNL-Jungs.“ Das Nachwuchsteam hatte im Endspurt den Klassenerhalt in der höchsten deutschen Liga gesichert und gehört zu den Top-acht-Teams in Deutschland im Nachwuchs. „Wir sind seit sechs Jahren dabei – und immer noch da“, sagte Nachwuchs-Cheftrainer Stefan Schnabl mit stolzem Blick auf das Team, stellte alle vor, holte von Oberliga-Helfer Philipp Vogel bis zum Busfahrer und zwei Edelfans, „die immer dabei sind“, jeden auf die Bühne und dankte auch Igor Pavlov, der trotz der Oberliga-Playoffs keine Abstellungen für sein Team eingefordert hatte. „Das werde ich dir nicht vergessen“, sagte Schnabl.

Kleiner Star: Bosas-Sohn Herkus eroberte die Bühne. Foto: Brüssel
Kleiner Star: Bosas-Sohn Herkus eroberte die Bühne. Foto: Brüssel

Als sportlicher Leiter wird Schnabl im Duett mit Pavlov das neue Team zusammenbasteln. „Igor wird immer das letzte Wort haben. Seine erste Frage ist immer nach dem Alter – und wenn einer älter als 28 ist, wird’s schon schwierig. Und für mich ist es einfach: Wenn er sagt, den nehmen wir, dann wird das passen“, gab Schnabl einen Ein- und Ausblick. „Ich weiß, ich lehne mich wieder aus dem Fenster. Aber ihr dürft euch auf eine junge, hungrige Mannschaft freuen, die euch alle begeistern wird. Wir werden ein gutes Jahr haben. Das ist 1000 Prozent sicher.“ Übrigens wurde am Rande bekannt, dass das Eisbären-Torwarttrio entgegen der Pavlovschen Ankündigungen (wir berichteten) noch nicht komplett ist. „Jakub Urbisch hat schon lange woanders unterschrieben“, sagte Geschäftsführer Christian Sommerer.

Dreieinhalb Minuten verhandelt

Den ersten Schwung jener jungen, hungrigen Truppe 2018/19 brachte der DNL-Auftritt auf die Bühne: Mit den Stürmern Matteo Stöhr, Nico Kroschinski und Davide Vinci wechseln drei 19-, 20-jährige Youngster aus dem DNL-Team in den Oberliga-Kader. „Das war eine Sache von dreieinhalb Minuten mit jedem. Die haben gesagt: Super, megagut, haben unterschrieben und amen“, erklärte Schnabl das Prozedere.

Zur neuen Saison im Oberligateam unter Vertrag stehen Matteo Stöhr, Davide Vici, Nico Kroschinski (von links) Foto: Brüssel
Zur neuen Saison im Oberligateam unter Vertrag stehen Matteo Stöhr, Davide Vici, Nico Kroschinski (von links) Foto: Brüssel

Jenseits Applauseinheiten im Antoniushaus sorgten die Protagonisten der wechselvollen Saison in den kurzen Zwiegespächen mit Stadionsprecher Claus Pirkenseer für so manche Schmonzette. Igor Pavlov hatte zum Start schon gezeigt, dass er nicht nur ein harter Hund sein kann, sondern auch Entertainer-Qualitäten hat. „Das war eine zehnminütige Schreibübung mit Lineal“, schilderte er seinen Start, als er auf einer Mannschaftsliste mit falschen Nummern die fehlenden Spieler in einer Saison der 1000 Verletzungen strich. „Da habe ich innerlich gelacht, mit was ich mich alles beschäftigen muss.“ Und er erklärte am Beispiel Gajovsky, wie das Team gar nicht genug vom Training bekommen konnte. „Er wollte immer noch eine halbe Stunde machen, weil er den Passwinkel berechnen muss, wie Bosas kommt“, sammelte Pavlov Lacher. „Ich habe gesagt: Niko, du musst nicht stehen, du musst dich bewegen.“

Wahlergebnis und Trikotversteigerung

  • Die Top Ten

    bei der Wahl zum „Spieler der Saison“ bei den Eisbären bildeten Nikola Gajovsky als Nachfolger von Yannick Drews (22,73 Prozent), Arnoldas Bosas (20,98); Peter Holmgren (10,14); Korbinian Schütz (7,34); Peter Flache (5,94), Philipp Vogel, Xaver Tippmann und Kevin Schmitt (je 5,24) sowie Jakub und David Felsoci (3,85 bzw. 3,50).

  • 21 Spieler bekamen

    bei der 20. Wahl zum „Spieler der Saison“ seit 1999 Stimmen der Fans. Außerdem platziert sind in der Rangliste Benjamin Kronawitter (2,80 Prozent); Felix Schwarz, Franz Mangold und Lukas Heger (je 1,05); Sebastian Wolsch, Jason Pinizzotto, Tomas Gulda und Jonas Leserer (je 0,70); Justin Schrörs, Petr Gulda und Yannik Baier (je 0,35).

  • Die Erlöse

    der Trikotversteigerung: Bosas 340; Holmgren 280; Flache 260; Gajovsky 230; Kronawitter, Pinizzotto je 200; Schmitt 190; Mangold 170; Tausch 160; Heger, Leserer je 150, Schütz 140; Tippmann, T. Gulda je 110; P. Gulda, Vogel, Baier, Maier je 100; Urbisch 90; J. Felsoci 80; Eckl, Schwarz, D. Felsoci, Alt, Schrörs, Wolsch je 70 (Mindestgebot)

Peter Holmgren verkündete Privates („Am 22. Mai werden wir Papa, ein Mädchen“) und stellte eine der wenigen Fragen übers Mikrofon an Yannik Baier. Der hatte mit großer Fan-Beteiligung – fast 300 füllten den Fragebogen aus – seine Bachelorarbeit zu den Auswirkungen des Marken-Relaunches zurück zu den Eisbären geschrieben. Holmgren wollte Baiers Note wissen, die der nicht nennen wollte. Holmgren forderte den Zeitungsmann auf: „Schreib, dass es eine 1,0 war.“ Und der wohl scheidende Arnoldas Bosas witzelte auf Englisch: „Die Fans hier sind okay, äh ich meinte perfekt.“ Fragen nach Vertragsverhandlungen etc. hatte Geschäftsführer Christian Sommerer übrigens von Anfang an für tabu erklärt: „Nicht zum jetzigen Zeitpunkt.“

Bei der Trikotversteigerung erzielte das Shirt von Arnoldas Bosas den höchsten Preis. Foto: Brüssel
Bei der Trikotversteigerung erzielte das Shirt von Arnoldas Bosas den höchsten Preis. Foto: Brüssel

Hier finden Sie eine interaktive Grafik mit allen Leistungsdaten aller Eisbärenspieler 2017/18.

Außerdem spielten: 17 Spiele: Nicolas Sauer (2 Tore, 2 Vorlagen, 6 Strafminuten); 14 Spiele: Fabian Birner; 12 Spiele: Nico Kroschinski (1 Vorlage, 10 Strafminuten); 8 Spiele: Michael Fichtl

(2 Vorlagen, 6 Strafminuten); 8 Spiele: Steven Maier; 7 Spiele: Matteo Stöhr (1 Vorlage, 4 Strafminuten); 4 Spiele: Jan Stellmann; 2 Spiele: Davide Vinci, Felix Linden; 3 Spiele: Filip Reisnecker (1 Tor); 1 Spiel: Leon Zitzer

Alle Nachrichten rund um die Eisbären des EV Regensburg finden Sie hier.

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