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Eishockey

Paukenschlag: Eisbären feuern Beppi Heiß

Der Trainer des Eishockey-Oberligisten wird mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Der Nachfolger soll morgen präsentiert werden.
Von Heinz Gläser

Letzter Einsatz als Eisbären-Coach: Am Sonntagabend im Spiel gegen Landshut stand Beppi Heiß noch an der Bande. Foto: Andreas Nickl
Letzter Einsatz als Eisbären-Coach: Am Sonntagabend im Spiel gegen Landshut stand Beppi Heiß noch an der Bande. Foto: Andreas Nickl

Regensburg.Nächster, wenn auch nicht mehr ganz unerwarteter Paukenschlag bei den Eisbären: Was einst im Wonnemonat Mai als Wunschlösung für beide Seiten begann, hat sich rund neun Monate später zumindest aus Vereinssicht als Missverständnis erwiesen. Per Pressemitteilung verkündete der Regensburger Eishockey-Oberligist am Mittwochmittag die Trennung von Cheftrainer Beppi Heiß.

Der Nachfolger des 54-Jährigen soll an diesem Donnerstag um 10 Uhr offiziell vorgestellt werden. Laut Eisbären-Geschäftsführer Christian Sommerer waren am Mittwochnachmittag noch drei Kandidaten in der engeren Auswahl. „Wir wollten in dieser Situation einen neuen Impuls setzen“, skizziert Sommerer im Gespräch mit unserem Medienhaus die Beweggründe, die zur Freistellung von Heiß führten.

Erste Namen möglicher Nachfolger kursieren bereits. Ein Kandidat könnte Ken Latta sein. Der Kanadier trainierte zuletzt die Rostock Piranhas und einigte sich mit dem Verein am Dienstag auf eine Vertragsauflösung aus persönlichen Gründen. Den 55-Jährigen soll es wieder in den Süden Deutschlands ziehen, wo er nach seiner aktiven Karriere in Peiting einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden hatte. Keine Rolle in den aktuellen Überlegungen der Eisbären soll dagegen eine Rückkehr von Ex-Coach Doug Irwin spielen.

Schwerer Stand

Die Gerüchte, dass der Rückhalt des Trainers in den Reihen der Eisbären-Gesellschafter schwindet, hatten sich in der vergangenen Woche verdichtet. Beim Regensburger Publikum hatte Heiß zuletzt ohnehin einen schweren Stand – was vor allem der mageren Heimbilanz geschuldet war. „Heiß-raus“-Rufe waren schon im Dezember in der Donau-Arena zu hören.

Trotzdem hatte in den vergangenen Tagen wenig für eine Trennung gesprochen. „Beppi Heiß steht nicht mehr und nicht weniger als vorher zur Debatte“, hatte Sommerer noch am Montag, einen Tag nach der 2:4-Niederlage zum Vorrundenabschluss gegen Landshut, eine sibyllinische Formulierung benutzt. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Eisbären bereits erste Kontakte zu möglichen Heiß-Erben geknüpft.

„Auch im Hinblick auf die kommende Saison war dieser Schritt jetzt notwendig, um frühzeitig die Weichen zu stellen. Der neue Trainer wird ab Beginn seiner Tätigkeit die sportlichen und konzeptionellen Planungen für den künftigen Kader der Eisbären übernehmen“, heißt es in der Pressemitteilung des Klubs. Christian Sommerer präzisiert: „Uns stellte sich einfach die Frage, ob es noch Sinn macht, mit Beppi auch nächste Saison weiterzumachen.“ Die Antwort auf diese Frage fiel offenkundig negativ aus.

Beppi Heiß darf seine Sachen packen. Foto: Arsito / Melanie Feldmeier
Beppi Heiß darf seine Sachen packen. Foto: Arsito / Melanie Feldmeier

Folglich zogen die Eisbären vorzeitig die Reißleine. Der neue Mann an der Bande soll nicht nur kurzfristig als Feuerwehrmann für die anstehende Meisterrunde und die Playoffs einspringen, sondern bereits ein Team für die kommende Spielzeit formen.

Als Tabellensiebter waren die Eisbären, die sich vor der Saison höhere Ziele gesetzt hatte, in die am Freitag mit dem Spiel in Peiting beginnende Meisterrunde eingezogen. „Realistisch ist für uns noch Platz sechs“, sagt Sommerer. Was dann in den Playoffs möglich ist, werde man sehen. Zudem wolle man den frustrierten Fans endlich wieder „attraktives Eishockey anbieten“. Gefordert seien nach der Trainerentlassung primär die Spieler: „Sie können sich mit Leistung für eine Weiterbeschäftigung empfehlen“, so Christian Sommerer, der nach der Trennung von Stefan Liebergesell Ende November als Übergangsgeschäftsführer eingesprungen war.

Der geschasste Coach macht derweil aus seinem Herzen keine Mördergrube. „Ich wünsche den Eisbären, dass künftig Leute an den Hebeln sitzen, die vom Eishockey eine Ahnung haben“, kommentiert Beppi Heiß sarkastisch seine Entlassung. Er verabschiedet sich am Mittwochabend von den Spielern, das Training leitet Co-Trainer Chris Heid. Heiß betont, dass er mit sich im Reinen ist: „Ich hab’ jeden Tag alles für die Mannschaft gegeben.“

Die Freistellung habe ihn „völlig überrascht“, sagt Heiß: „Dafür gab’s zumindest mir gegenüber keine Anzeichen und keinerlei Andeutungen.“ Er sei nach wie vor der Meinung, dass das von ihm ausgegebene Ziel – Platz vier nach der Meisterrunde – jederzeit erreichbar gewesen wäre. Doch dann habe ihm die in der Tat unglaubliche Verletzungsmisere einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zuletzt standen die Regensburger ohne sieben Stammspieler und mit nur noch drei gelernten Verteidigern auf dem Eis. Trotzdem hätten „die Moral und der Kampfgeist jederzeit gestimmt.“

Sein Name fällt, wenn es um mögliche Nachfolger geht: Kenneth Latta (hier als Coach des ESV Kaufbeuren) Foto: Eibner
Sein Name fällt, wenn es um mögliche Nachfolger geht: Kenneth Latta (hier als Coach des ESV Kaufbeuren) Foto: Eibner

In dieser schwierigen Situation hätte der Verein handeln und personell mit neuen Spielern nachbessern müssen, kritisiert Heiß: „Aber es war keine Führung da, es gab keine Entscheider, die reagieren hätten können.“

Gespräche über Verlängerung

Ausschlaggebend für den Schritt war wohl der Zeitpunkt. Vor Weihnachten hätten die Eisbären mit ihm erste Gespräche über eine mögliche Vertragsverlängerung geführt, dann habe man einvernehmlich das Thema bis Mitte Januar vertagt, berichtet Heiß. Als es nun soweit war, hatten die Eisbären jedoch nicht mehr genug Zutrauen, mit Heiß die Wende zum Besseren schaffen zu können. Bestätigt sehen sich derweil alle Skeptiker, die die deutsche Eishockey-Ikone Beppi Heiß wegen dessen geringer Erfahrung als Cheftrainer – mit einer einzigen Station in Peiting von 2012 bis ’14 – von Beginn an kritisch beäugt hatten.

„Ich werde jetzt Abstand suchen“, kündigt Heiß an und fügt hinzu: „Ich wünsche meinen Burschen alles Gute!“ Sollten wieder alle Mann an Bord sein, könne das Team in den Playoffs trotz allem weit kommen, prophezeit Heiß. Zumindest in diesem Punkt decken sich die Wünsche des Ex-Trainers und der Eisbären-Gesellschafter.

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