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Eishockey

Der junge Fänger im Kasten des EVR

Der 17-jährige Maximilian Ledutke aus Mitterfecking steht im Kasten des Nachwuchs-Eliteteams. Sein Blick geht in die DEL.
Von Martin Rutrecht

Maximilian Ledutke gilt als Torwarthoffnung beim EVR. Foto: Brüssel
Maximilian Ledutke gilt als Torwarthoffnung beim EVR. Foto: Brüssel

Mitterfecking.Maximilian Ledutke versinkt. Aus den Kopfhörern dröhnt AC/DC, ansprechbar ist er nicht, beim Anziehen lässt er sich Zeit, bis zu einer halben Stunde. „Ich brauche mein Ritual vor den Spielen“, sagt der 17-jährige Eishockey-Torhüter aus der DNL-Truppe des EVR. Dazu zählt, dass der Mitterfeckinger bereits eine halbe Stunde vor dem Treffpunkt an der Halle sein will. „Ich kann’s nicht haben, wenn es eng wird.“ Ein Schluck Kaffee, eine Runde durch die leeren Gänge – das sind seine Gewohnheiten. Der FOS-Schüler fängt beim Eissportverein Regensburg in der höchsten deutschen Nachwuchsliga. Über den EVR möchte er es weit bringen.

„Als ich erstmals einen Keeper sah, dachte ich: Wow, was für eine geile Ausrüstung!“

Maximilian Ledutke

Dass er Torwart werden will, hat sich bei Ledutke früh eingebrannt. „Ich war als kleiner Bub Schlittschuhlaufen in der Donau-Arena, als mir ein Keeper entgegen kam und ich dachte: Wow, was ist das für eine geile Ausrüstung!“, erzählt der Mitterfeckinger. Auch als kleiner Besucher von Spielen war er „fasziniert von der Schnelligkeit der Torhüter und dem coolen Outfit“. In der Kelheimer Region gibt es kaum Möglichkeiten, Eishockeysport auszuüben. So begann der junge Bub zunächst mit Inlinehockey beim SV Saal.

Der 17-Jährige war schon dritter Keeper bei einem DEL2-Spiel von Bayreuth. Foto: Ledutke
Der 17-Jährige war schon dritter Keeper bei einem DEL2-Spiel von Bayreuth. Foto: Ledutke

Sofort übernahm er die Rolle im Kasten. Weil in Saal die Inliner-Sparte bald versiegte, probierte es Ledutke beim TSV Bernhardswald. Dort begegnete er dem früheren EVR-Keeper Bastian Niedermeier, der als Fitnesstrainer arbeitete. „Er hat mich gefragt, ob ich es in Regensburg auf Eis probieren möchte“, so der Youngster. Niedermeier gab ihm auch die ersten Schoner. Vom ersten Training an war der Junge „begeistert“. Er stieg bei den Kleinstschülern ein, wie sich die Altersstufe der jüngsten Schützlinge nennt.

Oberliga-Keeper schulen ihn

Ledutke durchlief die Knaben- und Schüler-Mannschaft und wurde in letzterer schon in der Bundesliga eingesetzt. Vor allem lernte der Feckinger intensives Training kennen. „Wir arbeiten jeden Tag.“ Eine Sommer-Auszeit gibt es kaum. „Im Gegenteil, da dauert eine Einheit mit zwei Stunden sogar länger als im Winter.“ Auch abseits der Halle wird geschuftet: Auf Rollern laufen, Athletik- und Krafttraining. Zu Hause feilt er mit Dehnübungen an der Beweglichkeit. „Am Spagat arbeite ich noch“, lächelt er.

Im DNL-Team konkurriert der Mitterfeckinger (weißer Helm) mit einem Österreicher und einem Italiener. Foto: Brüssel/Archiv
Im DNL-Team konkurriert der Mitterfeckinger (weißer Helm) mit einem Österreicher und einem Italiener. Foto: Brüssel/Archiv

Mit 16 Jahren folgte der Ritterschlag: Ledutke durfte ins DNL-Team rücken. Die Deutsche Nachwuchsliga vereint die besten nationalen Teams und Zukunftshoffnungen. „Berlin, Köln, Mannheim – die DNL ist das Größte für einen Nachwuchsspieler“, strahlt der junge Torwart. Er selbst lernt von den EVR-Keepern Peter Holmgren und Justin Schrörs, die Trainingseinheiten übernehmen. Zuvor genoss Ledutke die Ausbildung unter einem tschechischen Coach und kurz unter Peppi Heiß.

„Ich hole mir lieber blaue Flecken, als einen Puck reinzulassen.“

Maximilian Ledutke

Zu seinem Job als Torhüter hat er eine kompromisslose Einstellung. „Angst vor dem Puck habe ich nie. Das tut nicht weh. Und ich hole mir lieber blaue Flecken, als dass ich ihn reinlasse.“ Die Keeper sind zwar gut geschützt, „aber an der Seite der Schiener kannst du schon mal einen Puck heftig drauf kriegen“. Das Adrenalin schießt ein, „wenn du einen Unhaltbaren rauspflückst oder einen Sieg rettest“. Der Kopf spiele eine wichtige Rolle. „Ich bin immer motiviert und positiv.“

Deutsche Torhüter wie Stanley-Cup-Sieger Philipp Grubauer zählen für den jungen Mann zu den Vorbildern. Foto: Nick Wass/dpa
Deutsche Torhüter wie Stanley-Cup-Sieger Philipp Grubauer zählen für den jungen Mann zu den Vorbildern. Foto: Nick Wass/dpa

Auf seinem Posten in der DNL-Truppe hat Ledutke internationale Konkurrenz: der ebenfalls 17-jährige Paul Hofer kommt aus Italien, Raphael Fössinger (19) aus Österreich. „Ich würde sagen, wir sind alle auf einem ähnlichen Niveau. Wir wechseln uns im Tor auch ab“, sagt der Mitterfeckinger. Die Jungs verstehen sich untereinander „super“, ergänzt er, „wir haben uns zum Beispiel das DEL-Finale angeguckt.“

Schläger gehen öfters zu Bruch

Eine solche Mannschaft sei ohnehin „wie eine zweite Familie“. „Wir spielen samstags und sonntags, da hockt man stundenlang zusammen.“ Individuell will freilich jeder vorwärts kommen. Max Ledutke hat schon einen Bank-Einsatz im Oberliga-Team. Nachwuchscoach Stefan Schnabl rief den Youngster im Vorjahr in der Vorbereitungszeit an. „Er wollte mich als Backup für ein Testspiel gegen Crimmitschau, weil zwei Torhüter verletzt fehlten. Seine erste Frage war: Bist du alt genug?“ Auf ähnliche Weise kam der Feckinger gar zu einem Platz auf der Kaderliste von Bayreuth in der DEL2. „Die brauchten einen dritten Keeper.“

An der Bande

  • Ausrüstung:

    Die Kosten für das volle Equipment eines Eishockey-Keepers taxiert Maximilian Ledutke auf 3000 Euro.

  • Vorbilder:

    Marc-André Fleury ist Ledutkes Favorit. Auch deutsche Keeper wie Stanley-Cup-Sieger Philipp Grubauer schätzt er.

Solche Episoden will Ledutke nicht überbewerten. „Ich habe einen langen Weg vor mit. Ich möchte beim EVR mal in der ersten Mannschaft fangen.“ Ob er nach dem Abschluss des Wirtschaftszweiges an der FOS ganz auf Eishockey setzt, wägt der junge Keeper noch ab. „In die DEL zu kommen wäre riesig, die NHL wäre ein Traum“, sagt er. In der Ruhe liegt seine Kraft. Auch wenn er geduldig vor jeder Partie seinen Torwartschläger umwickelt und ihn „nie mit der Schaufel auf den Boden stellt“. Bei den Schlägern hat der 17-Jährige einen etwas erhöhten Verschleiß. „Komischerweise gehen die oft kaputt bei mir, obwohl ich sie nie aufs Eis oder das Torgestänge haue.“

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