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Eishockey

Eisbären: Heiter im strengen Nordwind

Die Regensburger Eisbären ziehen nach ihrem frühen Playoff-Aus eine Saisonbilanz. Coach Pavlov richtet den Blick nach vorne.
Von Heinz Gläser

Trotz allem gut gelaunt (von links): Moderator Claus Pirkenseer, Eisbären-Geschäftsführer Christian Sommerer, Trainer Igor Pavlov und Moderatorin Valerie Fischer Fotos: Brüssel
Trotz allem gut gelaunt (von links): Moderator Claus Pirkenseer, Eisbären-Geschäftsführer Christian Sommerer, Trainer Igor Pavlov und Moderatorin Valerie Fischer Fotos: Brüssel

Regensburg.An der Frankenstraße in Regensburg warb dieser Tage noch eine Plakatwand für die Playoff-Spiele der Eisbären. Indes, dieses Kapitel war für den Eishockey-Oberligisten weit vor der Zeit abgeschlossen. Die traditionelle Saisonabschlussparty am Donnerstagabend mit den Fans stand noch unter dem Eindruck des ebenso bitteren wie sang- und klanglosen 0:3-Ausscheidens in der ersten K.o.-Runde gegen den Nord-Oberligisten Herne. Die Stimmung vor rund 600 Besuchern im Marina-Forum war phasenweise trotzdem heiter bis ausgelassen, der emotionale Grundton blieb jedoch gedämpft.

„Ihr wollt hier hören: Was war da los am Ende der Saison?“, stellte Trainer Igor Pavlov die zentrale Frage an den Beginn seiner Analyse. Er formuliere zunächst eine launige Antwort („Zack! Starker nördlicher Wind hat uns einfach weggeweht“), ging aber dann selbstkritisch ins Detail.

Fundament gelegt

„Wir hatten keine richtige Playoff-Reife. Unsere Mannschaft ist jung, sie hatte leider zur wichtigsten Phase nicht die optimale sportliche Form. Es tut mir leid: Wir wollten tatsächlich aufsteigen, aber wir haben es nicht geschafft“, bedauerte Pavlov. Der 54-Jährige verwies zwar auf einige Verletzte, wollte dies aber ausdrücklich nicht als Ausrede verstanden wissen. Sein Fazit lautete: „Wir waren nicht gut genug, unser Anzug war zu dünn.“ Zugleich richtete Pavlov den Blick nach vorne. Für die kommende Saison hätten die Eisbären „ein gutes Fundament gelegt: 75 bis 80 Prozent waren richtig gut, jetzt kümmern wir uns um die restlichen 25 Prozent. Es bleibt uns nichts übrig, als positiv nach vorne zu schauen.“ Unter dem Beifall der Anhänger fügte er hinzu: „Oder gibt es eine Alternative?“ Mit den am Donnerstag verkündeten Vertragsverlängerungen von Tomas Gulda (ein Jahr) und Andre Bühler (drei Jahre) haben die Eisbären die Akteure 18 und 19 an sich gebunden. Die Personalien passen zu dem von Pavlov ausgegebenen Motto: „Stabilität plus Qualität.“

„Zack! Starker nördlicher Wind hat uns einfach weggeweht.“

Igor Pavlov

Zuvor hatte Eisbären-Geschäftsführer Christian Sommerer die Saison aus struktureller Sicht Revue passieren lassen. Er verwies auf Angebote wie Eisradio und das reaktivierte Eisbären-TV sowie auf die 50/50-Aktion, die dem Eishockeynachwuchs im Stammverein EVR finanziell zugutekommt. Darüber hinaus engagieren sich die Eisbären weiterhin stark im sozialen Bereich, was sich unter anderem in der Aktion „Fuck Cancer!“ niederschlug.

Zum Saisonabschuss wurde der Eisbär der Saison gekürt::

Wahlergebnis

Constantin Ontl war erstmal sprachlos

Die Fans wählen den jungen Außenstürmer überraschend zum „Eisbären der Saison“: „Der Pokal bekommt einen besonderen Platz.“

Mit dem Team Bananenflanke Regensburg besteht seit langem eine Zusammenarbeit, diese wird nunmehr ausgedehnt. Die Eisbären avancieren zum offiziellen Sponsor und werden auf den Bananenflanke-Trikots mit ihrem Logo präsent sein. Moritz Bauer, der Vorsitzende des innovativen Fußballprojekts speziell für Kinder mit geistiger Beeinträchtigung, bedankte sich für die „coole Aktion“ und nahm aus Sommerers Händen eine Eisbären-Spende in Höhe von 500 Euro entgegen. „Das Geld ist toll, aber das Zeichen ist noch viel, viel schöner“, mit diesen Worten lobte Bauer die Entscheidung des Vereins. Christian Sommerer und Co. hatten auf die Coverversion des Titels „Über den Woken“ von anonymen Urhebern reagiert, die den Playoff-Trailer der Eisbären auf die Schippe nahm und „in der zweiten Strophe eine massive Beleidigung sowie Diskriminierung gegenüber beeinträchtigten Menschen“ enthielt. „Darauf haben wir reagiert und eine Spende an Bananenflanke gemacht, da wir nicht davon ausgehen, dass sich der oder die Urheber dafür entschuldigen werden“, erklärte Sommerer.

Eine Bildergalerie zur Saisonabschlussfeier sehen Sie hier:

Saison-Abschluss der Regensburger Eisbären

Stadionsprecher Claus Pirkenseer und die bei den Eisbären für Hospitality und Social Media zuständige Valerie Fischer moderierten die knapp dreistündige Veranstaltung im Marina-Forum, bei der traditionell die Trikotversteigerung den meisten Raum einnahm. Laut Sommerer war es angesichts des unerwartet frühen Zeitpunkts „extrem schwer, eine geeignete Location zu finden“. Freibier des Sponsors Bischofshof sowie die Gratis-Verköstigung durch „Happy Time Catering“ waren sozusagen eine kleine Entschädigung für den Playoff-Frust in dieser Spielzeit. Die Mannschaft gönnt sich derweil als kleines Trostpflaster einen gemeinsamen Trip nach Prag. Äußerungen auf der Bühne deuteten darauf hin, dass es bei dieser Gelegenheit hoch hergehen dürfte. Quasi zur Einstimmung dienten ein angedeuteter Striptease von Verteidiger Philipp Vogel und die vier Liegestützen, die Stürmer Erik Keresztury mit Moderatorin Fischer auf seinem Rücken vorführte.

Schweißtreibende Vorbereitung

Sehr bald, nämlich bereits Ende April will Igor Pavlov seine Schützlinge wieder um sich versammeln und die schweißtreibende Saisonvorbereitung einläuten. Am 15. und 16. April werden die Eisbären beim Bischofshof-Brauereifest präsent sein. Als Schauplatz der offiziellen Saisoneröffnungsfeier ist Ende August das Hahn-Zelt auf der Regensburger Dult vorgesehen.

Sprüche zum Saisonabschluss

  • Peter Flache:

    Der Eisbären-Kapitän ging mit zweimal angerissenem Innenband im Knie stark gehandicapt in die Playoffs gegen Herne. Auf Claus Pirkenseers Frage, ob seine Spritzigkeit darunter gelitten habe, juxte der 37-Jährige: „Ich bin ehrlich gesagt nie richtig spritzig“.

  • Xaver Tippmann:

    Der Verteidiger (r.) ersteigerte das Trikot des Teamkollegen Philipp Vogel und gab sich selig: „Für mich geht damit ein Traum in Erfüllung!“ Team-Kassenwart Lars Schiller (l.) sammelt interne Strafen ein und enthüllte: „ Matteo Stöhr war unser Hauptsponsor in diesem Jahr.“

  • Leopold Tausch:

    Bei Igor Pavlovs Ankündigung, bereits Ende April wieder in die Saisonvorbereitung einzusteigen, ging unüberhörbar ein leises Stöhnen durch den Mannschaftskreis. Der Stürmer nimmt’s angeblich gelassen: „Ich find’s super! Sommertraining ist doch wichtig...“

  • Jonas Leserer:

    Der 32-Jährige ging als Standby-Torhüter in seine 27. Spielzeit bei den Eisbären bzw. beim EVR. „Johnny“ ist für die gute Stimmung unverzichtbar. Seine sportliche Bilanz lautete: „Ich habe mein Saisonziel erreicht, denn ich stand kein einziges Mal auf dem Spielfeld.“

Wie individuell unterschiedlich die Gefühlslagen sein können, wurde in einzelnen Aussagen deutlich. Youngster Fabian Herrmann, eben erst 17 Jahre alt geworden, freute sich: „Für mich persönlich hätte die erste Saison nicht besser laufen können.“ Aus Philipp Vogel dagegen sprach auf die Frage nach seinem Fazit eher Ernüchterung: „Mein Hauptziel habe ich nicht erreicht. Wir wollten ja aufsteigen.“

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