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Sonntag, 25. Februar 2018 -3° 1

Eishockey

Eisbären: Zeit der Ausreden ist vorbei

Igor Pavlov, der Coach des Regensburger Eishockey-Oberligisten, spart beim Fan-Treffen nicht mit klaren Aussagen.
Von Heinz Gläser

Basteln bereits gemeinsam Kader für die kommende Spielzeit: Eisbären-Coach Igor Pavlov (l.) und der sportliche Leiter Stefan Schnabl Foto: Brüssel

Regensburg.Das Sonthofener Modell wäre zur Nachahmung empfohlen. Die Allgäuer schicken sich gerade an, ähnlich wie in der vergangenen Saison nach einem schwachen Start das Feld von hinten aufzurollen, um sich pünktlich zu den anstehenden Playoffs in der Eishockey-Oberliga in Bestform zu präsentieren. „Am Ende wird die Ente fett“, sagte Heiko Vogler, der Trainer des ERC, am Sonntagabend nach dem 4:1-Sieg in der Regensburger Donau-Arena. So ähnlich hatte das auch sein Trainerkollege Beppi Heiß formuliert, als er noch Übungsleiter der Regensburger Eisbären war.

Das ist nun auch schon wieder sechs Spiele her. Am Montagabend baten die Eisbären zum zweiten Fan-Treffen in dieser Spielzeit. Das erste am 11. Dezember hatte noch ganz unter dem Eindruck des misslungenen Saisonstarts und der Trennung von Geschäftsführer Stefan Liebergesell gestanden. Drei Stunden lang wurde damals Klartext geredet, machten die Fans ihrer Frustration Luft. Mittlerweile ist auch Beppi Heiß von seinen Aufgaben entbunden, und am Montagabend reichten 65 Minuten, um die aktuelle Lage zu diskutieren.

Überraschend milde

Das Fanvolk im Antoniushaus war erstaunlich milde bis vorsichtig optimistisch gestimmt. Der neue Eisbären-Coach Igor Pavlov genießt offensichtlich einen großen Vertrauensvorschuss bei den Anhängern, und er will diesen auch zurückzahlen. „Ich kriege das bis zur Playoff-Runde hin. Auf jeden Fall!“, rief der 53-Jährige den knapp 100 Anhängern zu – und erntete großen Applaus. Nach einer bislang äußerst mageren Saison soll zum Ende hin die Ente wirklich noch einmal fett werden.

Eine interaktive Tabelle der Meisterrunde in der Eishockey-Oberliga Süd finden Sie hier.

Seit Beginn der Meisterrunde ist Pavlov im Amt, fünf der sechs Partien unter seiner Regie gingen verloren, einzig der 6:4-Derbysieg am vergangenen Freitag gegen die Blue Devils Weiden half, den siebten Tabellenplatz zu zementieren. „Die ersten vier Spiele waren für mich ziemlich chaotisch“, sagte Pavlov und fügte hinzu: „Die Jungs waren sehr, sehr nervös. Und die Gegner merken, in welchem Zustand die Eisbären Regensburg kommen.“

Ohne auch nur mit einem Wort die Arbeit seines Vorgängers zu kritisieren, stellte Pavlov fest: „Der physische und psychische Zustand der Mannschaft war nicht so gut.“ Die Gründe dafür seien ganz eindeutig in der Überbelastung zu suchen, die wiederum durch die unglaubliche Verletzungsmisere bedingt gewesen sei. Pavlov: „Die Spieler haben sich todmüde gelaufen.“

Die Eisbären-Spitze stand den Fans im Regensburger Antoniushaus Rede und Antwort. Foto: Christian Brüssel

Doch der Deutsch-Russe grub in seiner Analyse tiefer und stellte mit Blick auf das bisherige Abschneiden sich und den Zuhörern Fragen wie diese: „Ist das überhaupt ein Team? Wollen die Spieler alles geben?“ Statt Antworten zu bekommen, höre er ständig Ausreden. Damit soll nun Schluss sein.

Bei der Begegnung in Weiden habe er bewusst mit acht Juniorenspielern „richtig durchgemischt“. Die EVR-Talente aus der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL) seien „willig und motiviert“. „Die wollen“, lobte Pavlov. Und sie bauen damit den seiner Ansicht nach dringend nötigen Druck auf die etablierten Eisbären-Akteure auf: „Die merken jetzt, es gibt doch Konkurrenz. Und sie kapieren langsam: So kampflos und lustlos darf man sich nicht präsentieren.“ Pavlovs Ansagen deuten darauf hin, dass bei den Eisbären nun ein strenges Regiment herrscht. Bei den leidgeprüften Fans kamen seine Ausführungen entsprechend gut an.

Eine Karte mit den Eisbären-Gegnern der Meisterrunde finden Sie hier.

Applaus brandete auch auf, als die Vertragsverlängerung mit Torhüter Peter Holmgren bis 2020 verkündet wurde. „Wir freuen uns, dass sich Peter für zwei weitere Jahre bei den Eisbären entschieden hat. Die Vertragsverhandlungen waren sehr unkompliziert und professionell. Er ist ein wichtiger Teil der Mannschaft und fühlt sich hier in Regensburg mit seiner Familie sehr wohl. Daher war es für uns klar, dass wir Peter gerne längerfristig an uns binden möchten“, begründete Geschäftsführer Christian Sommerer den Schritt. Coach Pavlov sieht den 30 Jahre alten Deutsch-Schweden als seine Nummer eins. Backup-Goalie Justin Schrörs müsse sich durch Leistung im Training aufdrängen. „Die Saison ist bis jetzt nicht optimal gelaufen. Aber es gibt hier sehr gute Voraussetzungen für die Zukunft. Ich bin sehr optimistisch“, sagte Holmgren. Er ist nach Nikola Gajovsky, Sebastian Alt und Leopold Tausch der vierte Spieler für die kommende Spielzeit bei den Eisbären.

Die Nummer eins bleibt weitere zwei Jahre bis 2020: Peter Holmgren hat seinen Vertrag bei den Eisbären verlängert. Foto: Andreas Nickl

„Im Sommer geboren“

Überhaupt: die kommende Saison! Ohne unter die laufende bereits endgültig einen Strich zu machen, drehen sich doch viele Gedanken um die Spielzeit 2018/19. Igor Pavlov und der neue sportliche Leiter Stefan Schnabl basteln bereits am Kader. „Eishockeyspieler werden im Sommer geboren“, sagte Pavlov. Entsprechend wird er auch nach Saisonende laufend vor Ort sein, um die Weichen für eine bessere sportliche Zukunft zu stellen. „Igor bringt eine unglaubliche Erfahrung und Professionalität mit“, lobte Sommerer.

Die wirtschaftliche Situation der Eisbären ist derweil im Lot, wie Christian Sommerer beteuerte. Zwar werde man wegen einiger unvorhergesehner Ausgaben für den Zeitraum zwischen April und Dezember keine Rücklagen bilden können, die berühmte schwarze Null werde aber auf jeden Fall eingehalten und übertroffen. Knapp 400 Zuschauer mehr als die kalkulierten 1800 pro Spiel strömten bislang in die Regenburger Donau-Arena.

„Wir könnten Mitte Februar komplett sein und noch mal richtig durchstarten“, weckte Schnabl Hoffnungen auf eine Genesung des noch verletzten Verteidiger-Quartetts. Doch Pavlov warnte: „Diese Spieler brauchen Zeit, bis sie uns helfen können.“

Alle Nachrichten rund um die Eisbären des EV Regensburg finden Sie hier.

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