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Eishockey

Regensburg feiert seine Party-Eisbären

60 Minuten plus Nachspielzeit auf der Dult: Die EVR-Eishockeyspieler stemmten, kraxelten, tranken und schuhplattelten.
Von Claus-Dieter Wotruba

Besser auf dem Eis als beim Schuhplattln: Den Eisbären Erik Keresztury, Leopold Tausch und Richard Divis (von links) half auch professionelle Anleitung nichts. Foto: Christian Brüssel
Besser auf dem Eis als beim Schuhplattln: Den Eisbären Erik Keresztury, Leopold Tausch und Richard Divis (von links) half auch professionelle Anleitung nichts. Foto: Christian Brüssel

Regensburg.Constantin Ontl hängt auf halber Strecke fest und animiert per Handzeichen das volle Hahn-Zelt auf der Regensburger Herbstdult. Ja, er braucht diese Anfeuerung – dringend! 20 ist der Neuzugang vor drei Wochen geworden, aber das musste er noch nie machen – obwohl er als Bad Tölzer ein waschechter Bayer ist. „Maibaumaufstellen ja, aber doch nicht raufklettern“, sagte der neue Stürmer der Eisbären vom EV Regensburg. Weil ein Fan (der selbst an der Aufgabe verzweifelte) ihm den Vorzug vor Jonas Franz und Erik Keresztury gab, feierte Constantin Ontl Premiere – und bewältigte seine Aufgabe mit Bravour in von Trainer Igor Pavlov höchstselbst handgestoppten 68 Sekunden.

Sehen Sie hier ein Video zur Teampräsentation der Eisbären auf der Regensburger Herbstdult.

Eisbären stellen auf der Dult ihr Team vor

„Ja, diese legendäre Stoppuhr von Igor, die kennen sie alle“, witzelte Claus Pirkenseer, sonst Stadionsprecher und Teambetreuer, diesmal gemeinsam mit Valerie Fischer und Korbinian Held einer der Moderatoren der offiziellen Teampräsentation. Die Mannschaft hatte mit drei Testspielsiegen gegen Kitzbühel (zweimal) und Deggendorf bei 18:6 Toren erste gute Laune auf dem Eis versprüht und für gute Laune auf den Rängen gesorgt. „Es gibt heute kein Bierverbot von Igor“, sagte Pirkenseer. Der Trainer drückte nach ersten intensiven Trainingswochen gnädig die Augen zu, auch wenn am Dienstagmorgen um 9.30 Uhr schon die nächste Eiseinheit rief.

Der Anheizer: „Ich bin hier der Alleinunterhalter, was ist los? Ritchie (zu Sturmkollege Divis, d. Red.), komm rauf und tanze“, sagte Leopold Tausch. Foto: Brüssel
Der Anheizer: „Ich bin hier der Alleinunterhalter, was ist los? Ritchie (zu Sturmkollege Divis, d. Red.), komm rauf und tanze“, sagte Leopold Tausch. Foto: Brüssel

Alle versprühten sie jetzt auf der Dultbühne allerbeste Laune. Pavlov selbst hatte mit einem Torwartschläger das erste Fass Bier angezapft und erlebte Neues. „So warm und herzlich, so etwas habe ich noch nie mitgemacht“, sagte der Eisbären-Coach. Und Erik Keresztury wunderte sich nur noch. Der neue Deutsch-Ungar in Eisbären-Diensten kennt zwar den Karneval aus Düsseldorfer Tagen, aber Lederhose, ein bayerisches Volksfest und eine Teampräsentation dieser Natur – nein, das war ihm neu. Vielleicht stachelte genau das den 22-jährigen Neuzugang zur wagemutigsten Aussage des Abends an. „Ich bin gekommen, um in die DEL 2 aufzusteigen“, sagte Keresztury. „Und am liebsten würde ich eine perfekte Saison spielen, in der wir kein einziges Spiel verlieren.“

Gulda gewinnt Duell mit Heider

„Wir sind schon sehr eng miteinander“, sagte Peter Flache, der alte Kapitän der Mannschaft, der zum Abschluss der Veranstaltung als neuer Kapitän verkündet wurde und das selbst noch nicht gewusst hatte. „Die drei Siege bedeuten nicht viel, auch voriges Jahr haben wir gegen DEL-2-Mannschaften gewonnen. Aber der Unterschied ist, wie wir spielen. Wille, Kampfgeist und Leidenschaft sind da.“

Mutmacher Peter Flache: „Wenn wir so weiterspielen, dann werden wir Erfolg haben“, sagte der alte und neue Kapitän. Foto: Brüssel
Mutmacher Peter Flache: „Wenn wir so weiterspielen, dann werden wir Erfolg haben“, sagte der alte und neue Kapitän. Foto: Brüssel

Wie gut die Chemie im Team stimmt, das zeigten auch die Überraschungs-Spielchen mit der Anhängerschaft. Youngster Matteo Stöhr gewann gegen Eisbären-Fan Sven den ersten Wettbewerb – unter lautstarken Sprechchören der Mannschaftskollegen hatte er im Maßkrugstemmen mit links die Nase vorn. Dann bestand Constantin „Consti“ Ontl seine Probe – unter vollstem Einsatz und mit aufgeschürften Armen. Das tschechische teaminterne Biertrinkerduell – zumindest auf der Bühne – gewann Tomas Gulda souverän und leerte die halbe Maß in einem Zug deutlich schneller als ein neuer Verteidigungspartner Petr Heider.

Der Sprachschüler. Ein Schluck Bier half Petr heider erst beim Englisch auf die Sprünge, dann folgte ein deutscher Satz: „Es freut mich, dass ich kann spielen hier.“ Foto: Brüssel
Der Sprachschüler. Ein Schluck Bier half Petr heider erst beim Englisch auf die Sprünge, dann folgte ein deutscher Satz: „Es freut mich, dass ich kann spielen hier.“ Foto: Brüssel

Nur beim Schuhpattln half selbst die Anleitung von einem Profi vom „Neidaffer Plattlclub“ (aus Neudorf bei Luhe) wenig, der neuerdings in Regensburg sein Zuhause hat, zufällig auf der Dult vorbeikam und prompt ins Programm eingebaut wurde. „Es ist ganz einfach“, sagte der Plattl-Coach, aber für Leopold Tausch, Erik Keresztury und das Tschechen-Duo Nikola Gajovsky/Richard Divis geht Eishockeyspielen eben doch leichter.

Neu-Papa Peter Holmgren (links Moderator Korbinan Held) hat gar keine großen Schlafdefizite: Töchterchen Luisa, dreieinhalb Monate „hat das Schlafen von mir. Sie schläft genauso viel wie ich.“ Foto: Brüssel
Neu-Papa Peter Holmgren (links Moderator Korbinan Held) hat gar keine großen Schlafdefizite: Töchterchen Luisa, dreieinhalb Monate „hat das Schlafen von mir. Sie schläft genauso viel wie ich.“ Foto: Brüssel

In drei Drittel aufgeteilt kamen die 24 anwesenden Spieler in Zweier-, Dreier-, Vierergrüppchen oder auch alleine wie Torwart Peter Holmgren und Peter Flache auf die Bühne. Rund 60 Minuten plus Nachspielzeit wurde gewitzelt und auch erste Analysen abgegeben. Dazwischen spielten „Trixi und die Partylöwen“ und ergänzten das Programm der Regensburger Party-Eisbären musikalisch.

Stöhr hatte es „nicht gecheckt“

Kurz und knackig wurden die Eisbärenspieler ihre Aussagen los. Matteo Stöhr, der Schütze des Saisoneröffnungstores gegen Kitzbühel, meinte: „Ich habe gar nicht gecheckt, dass das so etwas Besonderes ist.“ Jonas Franz hatte sich selbst bei eben jenem Auftakt-7:2 mit einem Treffer zum 22. Geburtstag selbst beschenkt: „Top, oder?“, fragte er rhetorisch. Youngster Andre Bühler, 19 und Allgäuer, der sich via DNL an das Oberligateam herankämpfen will, freute sich derweil: „Cool, dass die Lederhose gesponsert ist. Ist wieder eine neu dazugekommen.“

Zum Schluss jagte Nikola Gajovsky, der vor drei Jahren an selber Stelle zum selben Anlass sein Maibaumkletterduell damals gegen Jeff Smith verloren hatte, seinen neuen Partner zur Kletteraufgabe. „Ich verstehe nicht“, sagte Richard Divis treuherzig schauend. Es half wenig. Divis ging und hing am Baum: Erst ein Anschubtrupp mit Felix Schwarz, Maibaum-Bezwinger Ontl und Tomas Gulda brachte den neuen Eisbären-Torjäger auf den Weg und am Ende doch nach 90 Sekunden bis an die Glocke. Irgendwie war auch das ein wenig sinnbildlich. Wie hatte doch Kapitän Flache so schön gesagt: „Keiner ist wichtiger als der andere.“ Auch an lustigen Abenden können wegweisende Worte gesprochen werden.

Einen Text zur wirtschaftlichen Strategie der Eisbären finden Sie hier hier.

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