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Schock: Regensburger Eisbären sind pleite

Bernhard Schmeilzl: „Irgendwann muss man sagen, es geht nicht mehr. Nach langen, sehr intensiven dreieinhalb Stunden hat die Gesellschafterversammlung am Montagabend beschlossen, Insolvenzantrag zu stellen.“

Am Dienstagmittag um 12 Uhr war die Eishockey-Welt in Regensburg nicht mehr in Ordnung: Nach zweiwöchigem Krisenmanagement verkündete der als externer Analysator von der Eisbären-GmbH installierte Wirtschaftsanwalt Bernhard Schmeilzl das Aus für den bisherigen Zweitliga-Standort.

Am 16. März 2008 hatten 4500 Zuschauer in der Donau-Arena am Ende einer sportlich katastrophalen Saison die Eisbären Regensburg nach dem 1:0-Sieg über die Bietigheim Steelers gerade so gefeiert, als ob es ein Abschied für immer wäre. Ihr Instinkt hatte sie nicht getrogen. Für Niklas Hede, Sven Gerike, Ervin Masek und Co. wird es keine Eishockey-Zweitliga-Zukunft mehr in Regensburg geben. Der vorzeitige sportliche Klassenerhalt wurde in der Nacht zum Dienstag Makulatur, als die Gesellschafterversammlung der Eisbären-Betriebs GmbH angesichts eines von Wirtschaftsanwalt Bernhard Schmeilzl auf 1,09 Millionen Euro veranschlagten Schuldenbergs dessen dringendem Rat folgte, die Insolvenz zu beantragen. „Eine neue Saison hätten wir finanzieren können, aber die Altschulden waren auch wegen der Verärgerung etlicher Gläubiger nicht zu schultern.“ Schmeilzl wird wohl den Gang zum Gericht übernehmen, weil Geschäftsführer Markus Schrör ja nicht mehr im Amt ist.

Nicht nur für den deutschen Jahrhundertspieler Erich Kühnhackl („das muss ich erst einmal verdauen“) war das „ein herber Schock für das Eishockey generell.“ Bitter für die Fans: Nach einer Saison, die es eigentlich gar nicht mehr hätte geben dürfen, hatten sie über die Leistung eines Teams wieder Freude an ihrem Sport gefunden. Unter dem neuen Trainer Igor Pavlov legte der EVR einen fantastischen Saison-Schlussspurt hin. Die Atmosphäre war wie einst unter dem kongenialen Duo Kühnhackl/Lala. Vergessen da das Scheitern vor zwei Jahren in den Play-Offs an DEL-Aufsteiger EHC Straubing, vergessen die Fehlplanungen um Peter Draisaitl und Wayne Hynes, die die Eisbären sportlich weit zurück warfen und sie finanziell in den Abgrund stürzten.

Auf Einzelschicksale wie etwa das von Stürmer Alex Feistl, der seine Liebe zum Eishockey vor allem deshalb in Regensburg auslebte, weil er sie gut mit seiner Ausbildung zum Techniker für Heizungs- und Klimatechnik verbinden konnte, nimmt solche Entwicklung keine Rücksicht. In der Zwickmühle stecken auch Spieler wie Gerike oder Hede, die ihre familiäre Zukunft in der Domstadt sahen und sich auch schon stark in die Nachwuchsarbeit beim Stammverein EV Regensburg eingebracht hatten. „An sportlichen Angeboten mangelt es nicht“, sieht Gerike andere Team-Mitglieder weniger betroffen.

Die Eishockey-Anhänger aber, die sich über den Abschied aus dem Freiluft-Kultstadion an der Nibelungenbrücke mit der Hoffnung auf bessere sportliche Perspektiven und weniger gefährliche finanzielle Gratwanderungen in der Donau-Arena trösteten, sind nunmehr völlig desillusioniert.

Warum auch immer. Die 2. Bundesliga ist für Regensburg anscheinend ungesund. Unter Frischluft und mit rein ehrenamtlicher Führung geriet der EV Regensburg schon 1980 an der Nibelungenbrücke in schwerste finanziellen Turbulenzen. Spätere, wieder höchst ambitionierte Oberliga-Jahre, endeten im Konkurs 1992. Dass der sportliche Neuaufbau damals rasch gelang, lag an der Neustart-Möglichkeit in der Bayernliga und einem überragenden russischen Nationalspieler German Wolgin. Dass es danach stets auf des Messers Schneide weiter ging, lag auch an der nur aus Amateuren bestehenden Führung: Die Probleme, die aus den immer Probleme der die Vereine stetig stärker knebelnden Steuergesetze nie überrissen.

Der Umzug in die Donau-Arena 1999 schien die Basis für eine Aufwärtsentwicklung zu legen. Der Zweitliga-Aufstieg 2001 nach einem Playoff-Krimi mit dem heutigen DEL-Club Duisburger Füchse passte dazu, selbst wenn die Regensburg-typischen Geburtswehen bei der Gründung der Eisbären-Betriebs-GmbH ebenso wenig Gutes verhießen. Nicht nur, dass Jiri Ehrenberger, der viel aufgebaut hatte, nach fünfeinhalb Jahren gehen musste und sein Nachfolger Ignaz Berndaner glücklos war. Die Regensburger waren auch in der Ära Kühnhackl/Lala nie zufrieden, die GmbH und der Hauptverein im Dauerclinch.

Das ist für die nächste Zeit ja ausgestanden, ein Neubeginn wohl in der Landesliga vorgezeichnet. Noch träumen manche von der Oberliga, in der pikanterweise der 1, EV Weidenaus dem allerletzten Loch pfeift. Wer aber soll auf die Schnelle eine neue GmbH gründen, deren Lizenzantrag selbst vor dem relativ laxen Prüfungsverfahren der Eissport-Betriebsgesellschaft (ESBG) bestehen könnte?

„Irgendwann muss man sagen, es geht nicht mehr. Nach langen, sehr intensiven dreieinhalb Stunden hat die Gesellschafterversammlung am Montagabend beschlossen, Insolvenzantrag zu stellen“, sagte Schmeilzl und untermauerte dies mit Zahlenmaterial. Zwar sei eine Finanzierung einer neuen Zweitliga-Saison mit Zusagen über „650000, 750000 Euro“ so gut wie gesichert gewesen, doch das aktuell „negative Eigenkapital von 1 Million und 90000 Euro“ wäre eben „nicht mehr zu stemmen“, weil sich selbst „bei optimistischster Betrachtung“ eine Summe von 750000 bis 800000 Euro an Minusbetrag ergebe. Ursache für das existenzkostende Minus sei vor allem die Saison 2006/07, in der allein ein Fehlbetrag von 850000 Euro zu verbuchen war.

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