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Eishockey

Sven Gerike geht nach Salzburg


Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Sven Gerike
Sven Gerike Foto: MZ-Archiv

Sven Gerike entwickelt gerne. Als sich niemand sonst anbot, entwickelte er den am Boden liegenden EV Regensburg nach dem Konkurs der Eisbären aus der Landesliga heraus zu einem Oberliga-Verein mit beispielhaftem Nachwuchs-Unterbau. Am 5. August 2012 hatte es sich ausentwickelt: Die EVR-Führung um Vorstand Christian Köcher entließ den 35-Jährigen. Die Nummer 19, die neun Jahre das Regensburger Eishockey mitprägte, entwickelt sich nun woanders.

Der ehemalige deutsche Bundestrainer George Kingston erinnerte sich des einstigen Junioren-Nationalspielers Gerike und nahm den von Nachwuchsnationaltrainer Jim Setters eingefädelten Kontakt auf. Nach Ablauf des EVR-Vertrages am 30. September bricht der 35-Jährige peu à peu seine Zelte ab in Regensburg und baut sie in Salzburg in einer Organisation anderer Dimension auf.

Ein neues Trainingszentrum

Red Bull verleiht dem Sport Flügel. Fußball, Eishockey, Formel 1: Das Faible von Robert Mateschitz ist bekannt. Gerade wird an einem Trainingszentrum für den Fußball- und Eishockey-Nachwuchs gebaut, das, wenn es 2014 fertig ist, eines der modernsten Europas sein soll. „Red Bull hat zwei Eishockey-Modelle laufen: Ein österreichisches und eine internationale Akademie im Anschluss, in dem Spieler aus allen möglichen Nationen internationale Erfahrung sammeln sollen“, sagt Gerike. „Das sind zwei Riesenideen, die seit ein paar Jahren laufen, aber noch nicht so funktionieren.“

Sven Gerike soll als Mitglied im Trainerstab im Nachwuchs mithelfen, die Effektivität der Projekte, in die Millionen fließen, zu steigern. Etwas, das Sven Gerike imponiert. „In Zeiten, in denen man sich nach dem Lockout NHL-Spieler leisten könnte, denkt man weiter daran, etwas zu entwickeln.“ Das ist es, was einem Gerike gefällt. Gescheitert, nein gescheitert sei die Idee, für die er und seine Mitstreiter in Regensburg gekämpft hätten, auch hier nicht.

Im Gegenteil: „Wir haben bewiesen, dass es funktioniert. Außerhalb von Regensburg wurden wir ausschließlich positiv angesprochen. Schließlich hatten wir vor ein paar Jahren keinen Nachwuchs-Nationalspieler. Jetzt sind es zehn: Die oder die jetzigen DNL-Spieler fragst du mal, ob die Idee gescheitert ist.“

Unterschwellige Unterstellungen

Gerike sieht manches inzwischen relativ, auch mit dem Blick auf das gesamte deutsche Eishockey. „Man muss sich mal vorstellen, dass Kanada mehr Schiedsrichter hat als wir Aktive. Oder dass der drittgrößte Verein in Helsinki mit seinen 2500 Nachwuchsspielern mehr aufbieten kann als die bayerischen Klubs zusammen.“ Und dennoch: Die Regensburger Arbeit habe wegen der Intensität, des Knowhows mit einem Einzugsgebiet weit über Regensburg „für Aufsehen gesorgt. Aber nicht wegen der Zugehörigkeit zur dritten Liga in einem B-Klassenland im Eishockey. Und für jedes Talent, das du verlierst, bekommst du zwei, drei neue. Wenn du unten breiter wirst, wirst du oben auch höher.“ Eine Philosophie, mit der etwa die befreundeten Baseballer junge Spieler nach oben, sprich zu einem Profivertrag in Nordamerika, brachten.

Andere sahen das anders. Wohlgelitten war Sven Gerike nach seinem Machtkampf mit Christian Köcher, aber auch mit Martin Ancicka, zuletzt beim EVR nicht mehr. Gerike sieht das bei aller Emotionalität längst gelassener. „Die Geschichte wird nun mal von den Siegern geschrieben“, sagt er, registriert aber verwundert angesichts eines offiziell 30 Prozent günstigeren Team-Etats unterschwellige Unterstellungen, er habe zu viel verdient: „Da will ich mich nicht mehr äußern. Es geht nicht um mich, sondern den Verein. Es ist ja auch alles nachzulesen, was war. Und ich weiß, dass im Sport die Zeit nie vorwärts, sondern immer rückwärts läuft. Irgendwann ist deine Zeit eben gekommen. Die Frage ist vielleicht nur: Warum so?“

Dennoch: Sven Gerike hat Frieden geschlossen mit dem EVR-Ende. „Ich habe dadurch jetzt eine Riesenchance und bin nicht gram.“ Auch, wenn er so liebend gerne eine zehnte EVR-Saison, ein Jubiläumsjahr gespielt hätte. „Aber auch neun Jahre sind besonders genug“, sagt Gerike. Er vermisst vor allem sein Schülerteam. „Mir fehlen sie alle. Sie waren wie eigene Kinder“, sagt der Mann, der Eishockey lebt und liebt – und seinen Abschied geahnt hat. „Ich wusste es in Duisburg. Da hat einer der Physios eine Abschiedsrede gehalten, ich bin raus und war eine halbe Stunde für mich.“

Das Fazit eines Viertels im Leben von Sven Gerike fällt gut aus. „Wenn ich sehe, was ich verloren habe und was dazugewonnen, dann ist es so viel mehr Positives“, sagt Gerike. „Es war die geilste Zeit meines Lebens mit all ihren Höhen und Tiefen. Ich habe unglaublich viel gelernt. Wenn ich es in einem Wort sagen müsste, würde ich ehrlich nur eines sagen: Danke für das, was ich erleben durfte.“

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