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Montag, 16. Juli 2018 29° 8

Eishockey

Vom EVR in die beste Liga der Welt

Der 16-Jährige Filip Reisnecker wurde in Regensburg aufgepäppelt. Jetzt hat er in Kanada eine ganz große Eishockey-Chance.
Von Claus-Dieter Wotruba

  • Filip Reisnecker macht sich nach seinem Aufbaujahr beim EV Regensburg Ende August auf nach Nordamerika. Foto: Brüssel
  • Stefan Schnabl und Co. sind stolz auf den Weg von Filip Reisnecker – auch wenn er im DNL-Team eine Lücke reißt. Foto: Brüssel

Regensburg.Nordamerika! Das ist der Kontinent, der elektrisiert im Eishockey. Draft! Das ist das Stichwort, das Talente euphorisiert. Jahr für Jahr entsteht aus den Daten von Scouts und Spielerberatern eine Rangliste, aus der sich die Klubs nach ihren Wünschen bedienen. Filip Reisnecker hat auf dieser Liste etwas geschafft, was vor ihm beim EV Regensburg so noch keinem gelang: Der 16-Jährige wurde an Position 19 in der ersten Runde im Talente-Draft der Junioren als erster Deutscher gezogen. Ende August geht’s für Filip Reisnecker auf in die große, weite Eishockeywelt nach Kanada, zu den Missisauga Steelheads.

Sechs Deutsche von Nummer 19 bis 114

  • Sextett:

    Sechs deutsche Spieler wurden im Nachwuchsdraft gezogen: EVR-Talent Filip Reisnecker ist der Jüngste davon. Außerdem waren Alexander Dersch (Landshut), manuel Alberg (Köln), Taro Jentzsch (Salzburg), Moritz Seider und Tim Fleischer (beide Mannheim) Teil des Drafts.

  • Platzierung:

    Reisnecker war an Nummer 19 der ersten Runde der höchstgezogene Deutsche. Es flogten Dersch (28), Alberg (45), Jentsch (85/2. Runde), Seider (105) und Fleischer (114).

Vor einem Jahr sah es ganz und gar nicht danach aus. Reisnecker, der „mit fünf sechs Jahren damals bei meinem Vater in Weiden“ die ersten Schritte auf dem Eis machte und auch im Städtchen Tremosnar nahe Pilsen bei einem Klub in Mama-Nähe ausgebildet wurde, fand sich damals in Mannheim in der Vorbereitung nicht zurecht. „Ich habe nach einem Verein gesucht und fand, dass Regensburg das Beste für mich wäre“, erzählt der Nachwuchsspieler. „Das ging schnell. Stefan Schnabl kannte mich aus der Schülermannschaft und gab mir viel Eiszeit.“

Gleich ein erstes Oberliga-Tor

In Regensburg wurde Filip Reisnecker wieder aufgepäppelt. „Wir waren es, durch die er wieder zurück in die U-Nationalmannschaft kam“, sagt Schnabl, der Nachwuchs-Cheftrainer und sportliche Leiter der Oberliga-Mannschaft, in der Reisnecker auch erste drei Einsätze hatte – und dabei gegen Selb prompt ein Tor erzielte. „Auch wenn das meine Planungen für die DNL-Mannschaft jetzt natürlich schon durcheinanderbringt: Aber wenn ein Spieler selbst international in den Fokus gerät, dann ist das etwas, auf das man stolz sein kann“, sagt Schnabl.

Den Sprung traut er seinem Ex-Schützling zu, der seit zwei Monaten mit dem DEL-Team der Straubing Tigers das Sommertraining absolviert. „Er hat Qualitäten, die wenige haben, zum Beispiel einen unglaublichen Direktschuss“, urteilt der Trainer, weiß aber auch: „Defensiv und von der Arbeitsmoral muss er den Weg dort mitgehen.“ Das sieht Martin Ancicka genauso. Die Regensburger Eishockey-Legende fädelte den Deal mit ein. Der Spielerberater arbeitet in Nordamerika mit dem Russen Igor Larionow, einem der besten Spieler aller Zeiten, zusammen. „Filip muss kapieren, dass es auf dem Niveau, wo er jetzt spielen wird, nicht ist wie in der DNL. Von der Quantität der Qualität ist es drüben ganz anders als hier. Er kann Erfolg haben, aber er muss sich durchbeißen wollen“, sagt Ancicka.

Eine Geschichte über den jungen DNL-Torwart Max Ledutke und seine Ziele finden Sie hier.

Filip Reisnecker hat sich das vorgenommen: „Ich muss viele Sachen verbessern.“ Auch, dass er erstmals so weit entfernt von zu Hause ist, stört das Talent nicht: „Wenn man etwas erreichen will, muss man etwas investieren“, sagt der 16-Jährige, der nebenbei noch drei Jahre lang eine tschechische Fernschule absolviert, „wenn ich mal da bin“.

Einer von zwei Ausländern

Die Ontario Hockey League (OHL) gilt als „beste Juniorenliga der Welt“ (Ancicka), in der sich auch aktuelle deutsche NHL-Spieler wie Tom Kühnhackl, Philipp Grubauer oder Tobias Rieder einst ihre ersten Sporen verdienten. Ancicka erzählt, in Missisauga, einer 700 000-Einwohnerstadt westlich von Toronto, hätte man Filip Reisnecker „unbedingt als einen von zwei Ausländern gewollt. Ich habe x-mal mit dem Manager dort telefoniert“, berichtet er.

Als Spätgeborener des Jahrgangs 2001 (12. Dezember) hat Filip Reisnecker zwei Jahre Zeit. „Dann geht er potenziell zum großen Draft. Und die Möglichkeit, sich für die NHL zu zeigen, ist besser als hier in Deutschland“, sagt Ancicka. Die Chance ist da.

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