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Eishockey

Ice Tigers: Auswärtssieg soll jetzt her

Nach dem 2:2-Ausgleich in der Halbfinal-Serie wollen die Ice Tigers in Berlin nachlegen – die Chancen stehen nicht schlecht.
Von Daniel Frasch

Die Ice Tigers-Spieler bejubelten ihren verdienten 4:1-Sieg im vierten Spiel der Halbfinal-Serie gegen Berlin. Fotos: Eibner-Pressefoto
Die Ice Tigers-Spieler bejubelten ihren verdienten 4:1-Sieg im vierten Spiel der Halbfinal-Serie gegen Berlin. Fotos: Eibner-Pressefoto

Nürnberg.Ein wahres Wechselbad der Gefühle erlebten die 7672 Zuschauer in der ausverkauften Nürnberger Arena Mittwochabend: Doch am Ende einer dramatischen und erneut hart geführten Partie stand ein 4:1-Heimsieg, mit dem sich die Franken eindrucksvoll zurückmeldeten und die Halbfinalserie gegen die Eisbären Berlin ausglichen (2:2).

Tempo, Intensität, Aggressivität und spielerische Klasse: Spiel vier der Serie hatte alles, was ein Playoff-Spiel bieten kann. Neben der starken, weil sehr kompakten Defensivleistung der Franken, waren insbesondere die Angreifer Dane Fox, John Mitchell und Leo Pföderl für den Erfolg verantwortlich, die allesamt für die Hausherren trafen. Für den entscheidenden Treffer zum 2:1 sorgte mit Marius Möchel jedoch ein gebürtiger Nürnberger.

Goldrichtig gestanden

45 Spielminuten waren absolviert, vier Minuten zuvor hatte Berlins Louie-Marc Aubry den Berliner Ausgleich erzielt, als Möchel goldrichtig stand und einen Abpraller von Eisbären-Torhüter Petri Vehanen über die Linie drückte. Eine Genugtuung für den 26-Jährigen, der seit 2014 wieder für seine Heimatstadt aufläuft. Zuletzt kam Möchel nämlich nicht mehr über die Rolle des hart arbeitenden, offensiv aber kaum in Erscheinung tretenden Angreifers der vierten Reihe hinaus.

Nachdem ihn Trainer Rob Wilson in Spiel drei noch auf die Tribüne verbannte, beorderte der Kanadier den 1,90-Meter großen Linksschützen im vierten Vergleich zurück in das Team. Möchel dankte es seinem Coach und brachte Nürnberg auf die Siegerstraße.

„Niemand hat etwas gewonnen oder verloren.“ Rob Wilson, Trainer der Thomas Sabo Ice Tigers
„Niemand hat etwas gewonnen oder verloren.“ Rob Wilson, Trainer der Thomas Sabo Ice Tigers

„Wir haben gut gespielt und müssen das jetzt fortführen. Wir fahren nach Berlin und wollen den Sieg nach Nürnberg holen. Wir müssen viel Druck ausüben und zum richtigen Zeitpunkt die Tore machen“, blickte Möchel im Anschluss an die Partie bei Telekom Sport voraus auf das bevorstehende fünfte Duell an diesem Freitagabend (19.30 Uhr).

Wie lange der Mann das Tigers-Trikot mit der Rückennummer 77 jedoch noch tragen wird, ist fraglich. Sein Vertrag läuft nach Ende der aktuellen Saison aus, zuletzt wurde Möchel immer wieder mit Ligakonkurrent Grizzlys Wolfsburg in Verbindung gebracht. Ein Wechsel aus der Geburtsstadt nach Niedersachsen dürfte ihm keinesfalls leicht fallen, wäre aufgrund der nicht zufriedenstellenden, sportlichen Situation aber nachvollziehbar.

Weitaus weniger glücklich über die dargebotene Vorstellung der eigenen Mannschaft zeigte sich Gäste-Trainer Uwe Krupp. „Wir müssen uns zuhause steigern. Ich bin heute nicht zufrieden mit der Art, wie wir gespielt haben“, stellte der Stanley Cup-Gewinner von 1996 klar. Sein Kapitän André Rankel pflichtete ihm bei und fand noch deutlichere Worte: „Nürnberg hat sehr gut und diszipliniert gespielt. Aber alles in allem waren wir heute einfach nicht gut genug, das muss man so sagen. Daran werden wir arbeiten.“

„Wir müssen uns zuhause besser präsentieren.“ Uwe Krupp, Trainer der Eisbären Berlin
„Wir müssen uns zuhause besser präsentieren.“ Uwe Krupp, Trainer der Eisbären Berlin

Apropos Rankel: Der siebenmalige Deutsche Meister bildet mit Louis-Marc Aubry und Marcel Noebels die bislang gefährlichste Angriffsreihe der Berliner. Sobald dieses Trio die Eisfläche betritt, muss Nürnbergs Defensive Schwerstarbeit verrichten.

Beim 4:1-Heimsieg gelang ihr das zwar über weite Strecken sehr gut, aber eben nicht über die volle Distanz: Der 1:1-Ausgleich (41.) mitten in der Berliner Drangphase ging erneut auf das Konto von Aubry, der damit in neun Playoff-Spielen herausragende 15 Scorerpunkte sammelte (acht Tore). Berlins Topscorer in den kommenden Partien bestmöglich aus dem Spiel zu nehmen, wird ein Schlüssel für den Nürnberger Erfolg sein.

In der Fremde gefordert

Von vier absolvierten Partien gewannen beide Teams je zwei – sowohl Nürnberg als auch Berlin demonstrierten bislang ihre Heimstärke. Der Haken: Will Nürnberg erstmals nach 2007 wieder ins Finale einziehen, muss mindestens ein Auswärtssieg her.

Berlin hat ob der besseren Platzierung in der Hauptrunde Heimvorteil und würde in einem entscheidenden siebten Spiel vor eigener Kulisse auflaufen. Es sei denn, die Franken finden zurück zu der Kaltschnäuzigkeit, die sie im Viertelfinale gegen Köln demonstrierten und holen sich Freitag den ersten Halbfinalsieg in der Fremde.

Wissenswertes rund um die Ice Tigers im Info-Block:

Daten und Fakten

  • Treffsicher:

    Leo Pföderl sammelte in zehn Playoff-Partien zwölf Punkte (acht Tore) und ist hinter Berlins Louis-Marc Aubry Playoff-Topscorer.

  • Tiefenentspannt:

    Mit einer Fangquote von 93,3 Prozent weist Niklas Treutle die beste Statistik aller Torhüter auf. In Spiel vier wehrte Treutle 33 Schüsse ab.

  • Gesteigert:

    In zehn Playoff-Spielen erzielten die Franken sieben Überzahltore – eine Quote von 23 Prozent. Nach 52 Hauptrundenspielen lag die Powerplay-Bilanz nur bei 14 Prozent.

Dass es sich dabei keinesfalls um ein unmögliches Unterfangen handelt, zeigte bereits Duell Nummer drei vergangenen Montag. Nach einem 1:3-Rückstand drehten die Franken auf, kamen zurück und waren drauf und dran, die Partie für sich zu entscheiden. Dass sie am Ende doch mit 4:3 an Berlin ging, war vor allem den individuellen Fehlern von Marco Pfleger, Patrick Buzas und Torhüter Niklas Treutle geschuldet.

Gelingt es den Tigern diese abzustellen, ist ein Sieg in der Mercedes-Benz-Arena zweifellos möglich. Das zeigten bereits die beiden Hauptrunden-Partien, die Nürnberg in Berlin gewann. „Jetzt ist es eine Best-of-Three-Serie. Bis jetzt hat noch niemand etwas gewonnen oder verloren“, drückte Nürnbergs Coach Rob Wilson vorsorglich auf die Euphorie-Bremse.

Um die Wichtigkeit des bevorstehenden Duells weiß der 49-Jährige nur zu gut. Der Gewinner von Spiel fünf hat nicht nur das Momentum, sondern auch auch den Matchpuck auf seiner Seite.

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