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Donnerstag, 19. April 2018 26° 1

Eishockey

Ice Tigers erwartet Duell auf Augenhöhe

Nürnbergs nächster Playoff-Gegner heißt Berlin. Wie beide Teams im Vergleich miteinander abschneiden, verrät die Analyse.
von Daniel Frasch

Ab Donnerstag treffen Nürnberg (schwarz) und Berlin in den Playoffs aufeinander. Die Franken gewannen alle vier Hauptrundenpartien – wenn auch sehr knapp. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto

Nürnberg.Nach 2016 und 2017 stehen die Nürnberg Ice Tigers zum dritten Mal in Folge im Playoff-Halbfinale. Dort treffen die Franken ab Donnerstag (19.30 Uhr) auf die Eisbären Berlin. Wie die Vorzeichen stehen, zeigt die Analyse.

Torhüter: Junger Goalie trifft auf den ältesten der Liga

Torhüter. Im Viertelfinale beendete Nürnbergs Trainer Rob Wilson die Rochade auf der Torhüterposition und schenkte Niklas Treutle das Vertrauen. Nach anfänglichen Unsicherheiten in den ersten beiden Begegnungen fand der gebürtige Nürnberger zurück zu alter Stärke und war mit einer Fangquote von 93 Prozent ein Erfolgsgarant für das Erreichen des Halbfinals. Wie bereits in der Hauptrunde bestach der 26-Jährige dabei durch stoische Ruhe gepaart mit blitzschnellen Reflexen. Eine weitere Stärke Treutles: Er hält viele Scheiben fest und lässt kaum Nachschüsse zu. Ihm gegenüber steht mit Petri Vehanen der älteste Torhüter der DEL. Der 40-Jährige bestreitet seine vierte Saison in Berlin und kann auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. 2010 wurde der finnische Routinier zum Torhüter des Jahres in der KHL gekürt, 2011 feierte er mit Finnland den Weltmeistertitel.

Niklas Treutle ist die Nummer eins bei den Ice Tigers. Foto: Eibner

Fazit: Vorteil Nürnberg. Die größere Erfahrung spricht für Vehanen, die bessere Form hat jedoch Treutle. Zudem verfügen die Franken mit Andreas Jenike über gleichwertigen Ersatz.

Abwehr: Zwei Monster-Defensiven unter sich

Mit 126 Gegentreffern kassierten die Franken in 52 Hauptrunden-Partien die wenigsten aller DEL-Klubs, dicht gefolgt von den Eisbären Berlin (131). Ähnlich liest sich die Statistik der bestrittenen Playoff-Partien: Während die Franken im Schnitt 2,5 Gegentore hinnehmen mussten, kassierten die Eisbären 2,8. Wie bereits in der vorherigen Saison müssen die Ice Tigers in den Playoffs erneut auf Milan Jurcina verzichten. Auch die Eisbären werden von Verletzungssorgen geplagt und mussten im Viertelfinale mit Constantin Braun und Blake Parlett gleich zwei Stammverteidiger ersetzen. In der Offensive setzten bei den Berlinern bislang Kai Wissmann (fünf Punkte), Michael Dupont (vier) und Danny Richmond Akzente (vier), bei Nürnberg stachen offensiv mit Patrick Köppchen (vier) und Tom Gilbert (vier) die Routiniers heraus.

Milan Jurcina wird den Ice Tigers auch gegen Berlin fehlen. Er ist nach wie vor verletzt. Foto: Eibner/Laegler

Fazit: Ausgeglichen. Beide Mannschaften verfügen über solide, kompakte Abwehrreihen. Berlins Abwehr ist flinker, Nürnberg robuster.

Sturm: Last des Toreschießens ist breit verteilt

Der große Vorteil der Franken im Vergleich zu den vorangegangen Jahren ist die Tiefe des Kaders. Gegen Köln veränderte Wilson immer wieder seine Sturmreihen und konnte schließlich vier gleichwertige, torgefährliche Formationen aufbieten. Die Last des Toreschießens verteilt sich auf mehrere Schultern, in sechs Viertelfinalspielen trafen zehn Spieler. Dane Fox (drei) und Leo Pföderl (vier) erzielten die meisten Treffer, John Mitchell und Philippe Dupuis (je vier) glänzten als Vorlagengeber. Noch nicht rund lief es dagegen bei der einstigen Paradereihe um Yasin Ehiz, Steven Reinprecht und Patrick Reimer (Foto). Insbesondere der Kapitän hat nach erst zwei Vorlagen noch Luft nach oben. Ähnlich ausgeglichen agierte Berlin, bei denen elf verschiedene Spieler 24 Treffer erzielten. Louis-Marc Aubrey machte neun Punkte (vier Tore).

Bei Nürnbergs Patrick Reimer ist punktemäßig noch Luft nach oben. Foto: Eibner

Fazit: Ausgeglichen. Beide Offensivabteilungen verfügen über Tempo und Talent und vereinen spielerische Klasse mit kompromisslosem, hartem Körperspiel.

Trainer: Die Gehirne beider Mannschaften

Mit Nürnbergs Rob Wilson und Berlins Uwe Krupp treffen zwei charismatische und DEL-erfahrene Trainer aufeinander. Beide bestreiten die dritte Saison als Cheftrainer ihrer Klubs, Krupp war zuvor bereits drei Jahre als Trainer der Kölner Haie tätig. Insbesondere Wilson gilt als außergewöhnlich akribischer Arbeiter, der nichts dem Zufall überlässt und sich und seine Mannschaft auf jede Eventualität vorbereitet. Er präferiert ein kompaktes, defensiveres System und legt großen Wert auf Details, wie beispielsweise das Bullyspiel. Das gefällt nicht jedem. Von manchen Kölner Haien gab es nach deren Niederlage giftige Worte über die Spielweise der Nürnberg Ice Tigers zu hören. Erfolgreicher war sie aber ohne Zweifel.

Uwe Krupp ist der Trainer der Eisbären Berlin. Foto: Reinelt/Eibner-Pressefoto

Fazit: Ausgeglichen. Wilson und Krupp sind hervorragende Analytiker, die nicht zuletzt deswegen Respekt und Ansehen innerhalb ihrer Mannschaften genießen.

Special Teams: Ausgeglichen in der Harmlosigkeit

Das Manko beider Halbfinalisten war bis dato das Überzahlspiel. Sowohl Nürnberg als auch Berlin boten sich im Viertelfinale 18 Powerplay-Situationen, beide Klubs trafen dabei nur drei Mal ins Schwarze (16,7 Prozent). Zum Vergleich: Der amtierende Meister München nutzte bislang 24 Prozent seiner sich ihm bietenden Überzahlsituationen. Fast identisch gestalten sich auch die Erfolgsquoten im Unterzahl: In 75,8 Prozent der Fälle blieb Berlin in numerische Unterlegenheit ohne Gegentreffer, die Nürnberger Bilanz weißt 75 Prozent aus.

Nürnberg hatte bislang selten im Powerplay etwas zu jubeln in den Playoffs. Bei Berlin sieht das nicht anders aus. Foto: Eibner

Fazit: Ausgeglichen.

Prognose: Eng, enger, am engsten

Vieles spricht für eine enge, hart umkämpfte und lange Halbfinalserie zwischen den Franken und den Berlinern. Bereits die Ergebnisse der Hauptrunde, in denen Nürnberg alle vier Partien gewann, waren stets knapp. Eine Partie endete nach Verlängerung, zwei erst nach Penaltyschießen. Es werden Duelle auf Augenhöhe, in denen erneut Kleinigkeiten wie Passgenauigkeit und taktische Disziplin über mehrere Spiele hinweg den Unterschied ausmachen werden.

Es werden enge Spiele zwischen Nürnberg und Berlin. Foto: KOCH/Eibner-Pressefoto

Kantersiege sind nicht zu erwarten. Nürnbergs drei Auswärtssiege in Köln machten auch deutlich: Der Heimvorteil der Berliner muss nicht zwingend ein Nachteil für die Franken sein.

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