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Draisaitls Ex-Coach trainiert Nürnberg

Mit Frank Fischöder holen die Nürnberg Ice Tigers den erfolgreichsten Nachwuchscoach des Landes als Kleinendorst-Nachfolger.
Von Christian Rupp

Ice Tigers Sportdirektor André Dietzsch (l.) und Trainer Frank Fischöder
Ice Tigers Sportdirektor André Dietzsch (l.) und Trainer Frank Fischöder Foto: Christian Rupp/Christian Rupp

Nürnberg.„Wir freuen uns sehr darüber, dass wir mit Frank Fischöder einen sehr erfolgreichen deutschen Trainer und ausgewiesenen Fachmann für die Ausbildung und Weiterentwicklung der Spieler für den Standort Nürnberg gewinnen konnten. Von seiner Expertise werden nicht nur die Profis, sondern auch unser Nachwuchs profitieren“, ist Ice-Tigers-Sportdirektor André Dietzsch überzeugt.

Großes Vetrauen der Ice Tigers

Das Vertrauen in den 48-jährigen Coach ist groß: Fischöder wurde mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet, was für Eishockey-Verhältnisse eine lange Laufzeit bedeutet. „Für Frank ist das nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Mit der Leidenschaft, wie er die Dinge angeht, sind die drei Jahre eine logische Konsequenz, weil wir auch über eine Philosophie reden. Es ist ein Prozess, der nur langfristig geht. Die Ausbildung und Entwicklung von Spielern gehen nur über einen gewissen Zeitraum. Der Nachwuchs sehr wichtig und ein großer Baustein in unserer Ice-Tigers-Familie.“

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Mit der Entwicklung von jungen Talenten kennt sich Fischöder bestens aus. Schon seit der Saison 2001/02 war Fischöder als Nachwuchstrainer bei den Jungadlern Mannheim aktiv. Er arbeitete viele Jahre erfolgreich in verschiedenen Junioren-Mannschaften der renommierten Talentschmiede und konnte 16 Meistertitel feiern. Zusätzlich war der gebürtige Dortmunder auch für den Deutschen Eishockey-Bund als Nachwuchstrainer in der U 17 und U 18 aktiv.

„Ich verlasse eine Familie, in der ich 19 Jahre gelebt habe.“

Frank Fischöder

„Ich verlasse eine Familie, in der ich 19 Jahre gelebt habe“, so Fischöder, der unter anderem aktuelle NHL-Größen wie Top-Scorer Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) und Dominik Kahun (Buffalo Sabres) oder künftige NHL-Spieler wie Marc Michaelis (Vancouver Canucks)., Moritz Seider (Detroit Red Wings) und Tim Stützle (wird 2020 wohl früh in der 1. Runde gedraftet) unter seinen Fittichen hatte. „Es war leicht mit solchen Spielern zu arbeiten“, berichtet Fischöder.

Leon Draisaitl trainierte einst unter Frank Fischöder
Leon Draisaitl trainierte einst unter Frank Fischöder Foto: Rolf Vennenbernd/picture alliance/dpa

„Ich bin von Sätzen wie ‚Ich habe diesen Spieler gemacht‘ nicht überzeugt. Derartige Ausnahmespieler machen sich selbst. Ich würde nicht sagen, dass mein Anteil daran jetzt so groß ist, außer, dass ich sie begleiten durfte und ihnen das, was ich zu bieten habe, mit in die Waagschale geworfen habe. Letzten Endes sind die Jungs schon immer brutal hart in ihrer Arbeit gewesen, auf dem Eis und daneben. Es ist schön, mit ihnen gearbeitet zu haben, es war eine gigantische Erfahrung.“

Über den neuen Ice Tigers-Coach

  • Offensiv und aggressiv:

    Die Spielphilosophie des neuen Trainers beschreibt Frank Fischöder wie folgt: „Ich bin ein großer Freund von Spielern, die Kreativität mitbringen und dafür auch Freiräume brauchen. Ich glaube daran, dass offensives und läuferisches Spiel das ist, was es in der Zukunft braucht. Natürlich nicht blind. Eine gewisse Grunddisziplin kommt natürlich auch dazu.“

  • Mannschaft reagiert positiv:

    Co-Trainer Manuel Kofler und die Mannschaft wurden bereits am Donnerstag über die Personalentscheidung pre Videokonferenz informiert. „Es wurde von allen sehr positiv und offen aufgenommen“, so André Dietzsch. „Alle freuen sich auf das, was kommt.“

  • Wiedersehen mit Bender & Ramoser:

    Mit Verteidiger Tim Bender und Stürmer Joachim Ramoser sind zwei Spieler im Ice-Tigers-Kader, die bereits in der Jugend unter Fischöder spielten. „Ich kenne einige Spieler noch aus vergangenen Zeiten und freue mich sehr, meine Gedanken mit ihnen zu teilen und einen Weg zu finden, um erfolgreich zu spielen“, so Fischöder.

Als das Angebot aus Nürnberg kam, musste Fischöder nicht lange überlegen: „Es gab keine anderen Angebote – ich habe das erste angenommen“, lacht der 48-Jährige. „Die Entscheidungsfindung war sehr schnell. Für mich war wichtig, dass ich eine faire und richtige Chance bekomme. Für mich ist nicht selbstverständlich, dass ein Nachwuchstrainer die Möglichkeit bekommt, eine DEL-Mannschaft zu trainieren und dann sofort auch das Vertrauen für so einen langen Zeitraum geschenkt bekommt. Jetzt liegt es an uns als Team, uns so aufzustellen, dass wir eine erfolgreiche Zukunft haben.“

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Vor der Umstellung von Nachwuchs- auf Männer-Eishockey ist dem neuen Mann nicht bange: „Am Ende des Tages arbeiten wir mit Menschen. Die Spieler, die ich früher vor 18, 19 Jahren in der DNL hatte, sind heute gestandene Nationalspieler“, so Fischöder, der sich genau bei diesen ehemaligen Weggefährten Rat einholte: „Ich habe mich sehr intensiv mit einigen DEL-Spielern ausgetauscht. Ich bereite mich in der Regel gut auf das vor, was ich tue, informiere mich gut, unterhalte mich sehr lange und intensiv, diskutiere auch kontrovers mit dem Umfeld, in das ich reingehe und mache mir ein klares Bild. Ich glaube, dass ich gut vorbereitet bin. Ich bin sehr offen, arbeite gerne und viel. Ich sehe da kein größeres Problem.“

Es gibt keinen Plan B

Fischöder tritt in Nürnberg die Nachfolge von Kurt Kleinendorst an, der aus familiären Gründen nicht aus den USA zurückkehren wird und in Rente geht. Fischöder wäre bei einem Verbleib Keinendorsts auch der Wunschkandidat für das nächste Jahr gewesen. Nun startet er früher und sieht sich nicht als Plan B: „Wenn ich mit einem Trainer zusammengearbeitet habe, der unschlüssig ist, der mit der Familie in Kontakt ist und Nürnberg als Organisation sagt ‚Ich lasse dich nicht fallen‘, dann spricht das für die Ice Tigers und auch für mich in der Entscheidung, dass ich sage: ‚Da kannst du hingehen. Das ist eine Familie, die kümmern sich umeinander‘. Das ist etwas Positives. Jeder würde sich wünschen, wenn ein Arbeitgeber diese Geduld hätte. Für mich ist das kein Plan B, sondern ein Plan A.“

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Dabei wird dem neuen Coach der bisherige Co-Trainer Manuel Kofler (40) zur Seite stehen. Über eine Ergänzung des Trainerstabs für die Bereiche Skills, Athletik und Torwart denken die Ice Tigers nach. Fischöder jedenfalls brennt für die neue Aufgabe: „Die Vorfreude ist riesig!“

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