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Eishockey

Ice Tigers: Die Titel-Mission startet

Nürnberg will endlich DEL-Meister werden. Erster Gegner auf dem angepeilten Weg dorthin ist ab Mittwoch Köln – eine Analyse.
Von Thorsten Drenkard und Daniel Frasch

Coach Rob Wilson (2.v.r.) und seine Nürnberger Spieler stellen sich auf eine harte und intensive Playoff-Serie gegen die Kölner Haie ein. Fotos: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto
Coach Rob Wilson (2.v.r.) und seine Nürnberger Spieler stellen sich auf eine harte und intensive Playoff-Serie gegen die Kölner Haie ein. Fotos: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto

Die Torhüter: Das stärkste Torhüter-Duo trifft auf den Torwart des Jahres der Vorsaison

Mit Andreas Jenike und Niklas Treutle verfügen die Franken über das stärkste und konstanteste Torhüter-Duo der DEL. Jenike, der seit 2010 für die Ice Tigers spielt, entwickelte sich in den vergangenen Jahren zum Toptorhüter und sicheren Rückhalt. In 31 Partien wehrte der 29-Jährige 92 Prozent aller Schüsse ab.

Andreas Jenike
Andreas Jenike

Noch besser waren die Werte von Teamkollege Treutle. Mit einer Fangquote von 94,3 Prozent und einem Gegentorschnitt von 1,9 setzte der gebürtige Nürnberger Maßstäbe in der Hauptrunde. Die Frage wird sein, ob Trainer Rob Wilson am Rotationsprinzip festhält, oder ob er einem von beiden das Vertrauen schenkt.

Bei den Haien steht mit Gustav Wesslau der Torhüter des Jahres 2017 zwischen den Pfosten. Der Schwede wurde nach langer Verletzungspause rechtzeitig fit und bestach in den vergangenen drei Hauptrunden-Partien mit herausragenden Leistungen. Von 118 Schüssen auf sein Gehäuse wehrte er 113 ab.

Fazit: Vorteil Nürnberg. Zwar ist Wesslau der talentierteste Torwart der Liga, einen gleichstarken Ersatz haben die Haie jedoch nicht. Die Tiger hingegen können auf zwei gleichstarke Schlussmänner zurückgreifen.

Die Defensive: Nürnberg hat den besten Abwehrverbund, Köln hat mit Ehrhoff und Eriksson die Stars

Mit 126 Gegentoren in 52 Hauptrundenspielen stellten die Nürnberg Ice Tigers die sicherste Defensive der gesamten Liga. Die Routiniers Tom Gilbert (627 NHL-Einsätze) und Milan Jurcina (451) bringen große, internationale Erfahrung auf das Eis.

Brett Festerling und Patrick Köppchen stellen seit vielen Jahren zuverlässig ihr Können unter Beweis. Nicht zu vergessen Oliver Mebus: Der größte Spieler der Liga (2,06 Meter) ist aufgrund seiner enormen Reichweite vor allem in Unterzahlspiel eine wichtige Komponente für die Nürnberger.

Für Akzente in der Offensive der Franken sorgt Taylor Aronson (6 Tore, 24 Vorlagen). Der US-Amerikaner, der seine erste Saison in Deutschland spielt, überzeugte auf Anhieb und durfte sich über eine frühzeitige Vertragsverlängerung bei den Franken freuen.

Hier sehen Sie Video-Interviews mit Patrick Reimer, Rob Wilson und Niklas Treutle:

Nürnberg Ice Tigers starten in die Playoffs

Bei den Kölner Haien sticht vor allem Christian Ehrhoff heraus. Der 35-jährige Ex-NHL-Star spielte eine starke Hauptrunde und sammelte insgesamt beachtliche 31 Scorerpunkte. Von Shawn Lalonde trennten sich die Rheinländer Ende Februar aus disziplinarischen Gründen, der Ex-Nürnberger Frederik Eriksson fehlte zuletzt verletzt und ist angeschlagen.

Fazit: Vorteil Nürnberg. Kompaktheit und taktische Disziplin in der Defensive können die Serie mit entscheiden.

Die Offensive: Die Angriffsreihen beider Teams können jederzeit ein Spiel entscheiden

Seit langer Zeit verfügen die Franken wieder über drei gleichstarke, torgefährliche Angriffsreihen. Zu den vorhandenen Stützen um Patrick Reimer, Yasin Ehliz, Steven Reinprecht, David Steckel Leo Pföderl und Phil Dupuis verpflichtete Nürnbergs Sportdirektor Martin Jiranek mit Ex-NHL-Spieler John Mitchell und Dane Fox echte Verstärkungen.

Steven Reinprecht
Steven Reinprecht

Vor allem das kanadische Trio um Fox, Dupuis und Brandon Segal überzeugte und steuerte in der Hauptrunde stolze 43 Treffer bei. Hoffnung macht zudem die Rückkehr der einstigen Paradereihe um Reimer, Ehliz und Reinprecht: Verletzungsbedingt konnten sie nur 14 von 52 Hauptrundenspielen gemeinsam bestreiten – jetzt sind alle drei Stürmer zurück auf dem Eis.

Zudem verpflichteten die Ice Tigers kurz vor Ende der Hauptrunde noch den Dänen Patrick Bjorkstrand, der die sportliche Tiefe in den Offensivreihen der Nürnberger weiter erhöht.

Nicht weniger Qualität besitzt der Angriff der Haie aus Köln. Die Ex-Augsburger Justin Shugg und Ben Hanowski etablierten sich zu festen Stützen in den Reihen der Rheinländer, Philip Gogulla und Ryan Jones beweisen seit Jahren ihre Extraklasse auf DEL-Eis. Herausragender Mann in der Hauptrunde war jedoch Felix Schütz. Der deutsche Nationalspieler sammelte 46 Scorerpunkte und war damit der viertbeste Angreifer der höchsten Deutschen Spielklasse.

Fazit: Ausgeglichen. Beide Mannschaften sind in jedem Spiel in der Lage, drei oder mehr Tore zu erzielen und großen Druck auf die gegnerische Defensive auszuüben.

Das Über- und Unterzahlspiel: Mit einem Mann mehr zeigt Nürnberg zu wenig

Das Powerplay ist seit Beginn der Spielzeit das große Sorgenkind der Franken. Die Erfolgsquote bei numerischer Überlegenheit betrug nach der Hauptrunde lediglich magere 14,4 Prozent – Rang zwölf. Nur die Mannschaften aus Ingolstadt und Schwenningen spielten in Überzahl noch schwächer.

Rob Wilson ließ nichts unversucht, stellte regelmäßig seine Powerplay-Formation um und änderte mehrmals das System – der Erfolg jedoch blieb aus. Bester Nürnberger Torschütze im Powerplay war Dane Fox mit sechs Treffern. Auch das Überzahlspiel der Haie war nach 52 Hauptrunden-Partien ausbaufähig, mit 18 Prozent jedoch deutlich erfolgreicher als das der Franken.

Die Profi-Spiele der Nürnberger und Kölner in der NHL und DEL:

Zufriedenstellend fiel das Nürnberger Unterzahlspiel aus: Mit 85 Prozent Erfolgsquote hielten sich die Franken zumeist schadlos. Den Liga-Topwert liefern jedoch die Haie, die 90 Prozent aller Unterzahlsituationen ohne Gegentor überstehen.

Fazit: Vorteil Köln. Insbesondere die „Special-Teams“ geben in den Playoffs den Ausschlag über Sieg oder Niederlage. Im Schnitt kassierten Nürnbergs Spieler pro Begegnung elf Strafminuten – gegen Köln müssen die Franken die Strafzeiten reduzieren.

Die Trainer: Ein vom Erfolg besessener trifft auf einen alten Bekannten der Ice Tigers

Rob Wilson bestreitet seine dritte Saison als Cheftrainer in Nürnberg. Im Vorjahr wurde der Coach der Franken zum DEL-Trainer des Jahres gekürt. Der Kanadier mit britischem Pass ist besessen vom Erfolg, wie er bereits in der MZ-Gespräch im November des Vorjahres unumwunden zugab. „Ich will so sehr gewinnen, dass es über das hinaus geht, was man sich vorstellen kann“, beschrieb Wilson damals seine enorme Gier nach Erfolg.

Rob Wilson
Rob Wilson

Bei den Kölner Haien schwingt mit Peter Draisaitl ein alter Bekannter des Deutschen Eishockey das Zepter. Für den ehemalige Kölner Angreifer, der 2012 auch ein halbes Jahr Chefcoach der Franken war, ist Köln bereits die elfte Trainerstation. Unter dem gebürtigen Tschechen stabilisierten sich die Haie und qualifizierten sich am letzten Spieltag der Hauptrunden noch direkt für das Viertelfinale der diesjährigen Playoffs.

Fazit: Ausgeglichen. Zwar verfügt Kölns Peter Draisaitl über mehr Trainer-Erfahrung, die Liga und ihre Akteure hingegen kennt Wilson besser.

Die Prognose: Der Heimvorteil könnte zum entscheidenden Vorteil für Nürnberg werden

Wer die Franken aufgrund der 23 mehr gesammelten Punkte in der Hauptrunde in der Favoritenrolle sieht, irrt. Mit den Ice Tigers und den Haien treffen zwei gleichstarke Teams aufeinander, die beide über enorme individuelle Qualität verfügen. Kleinigkeiten werden über Sieg und Niederlage entscheiden.

Möglicher Vorteil der Franken ist das Heimrecht. Sollte es zum alles entscheidenden siebten Spiel kommen, stiege dieses in der heimischen Arena. Mit 59 Punkten sammelte keine andere Mannschaft zuHause mehr Zähler als das Team von Trainer Rob Wilson.

Daten und Fakten zur Viertelfinal-Serie im Info-Block:

Wissenswertes rund um die Playoff-Serie

  • Gespielt wird

    nach dem Modus Best-of-Seven, soll heißen: Wer zuerst vier Spiele gewinnt, zieht ins Halbfinale ein.

  • Los geht es

    für Nürnberg Mittwochabend um 19.30 Uhr in Nürnberg mit dem ersten Spiel der diesjährigen Viertelfinal-Serie.

  • Gleich am Donnerstag

    spielen beide Teams in Köln (19.30 Uhr), am Sonntag steht die dritte Partie in Nürnberg an (16.30 Uhr).

  • Spiel vier ist

    am Dienstag in Köln (19.30 Uhr). Ob die Partien fünf, sechs oder sieben gespielt werden müssen, wird man spätestens dann sehen.

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