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Eishockey

Ice Tigers im Freudentaumel

Die Nürnberger Reimer, Ehliz und Pföderl haben in Pyeongchang ein Stück deutsche Eishockey-Geschichte mitgeschrieben.
Von Daniel Frasch

Die Ice Tigers Patrick Reimer (r.) und Yasin Ehliz (l.) haben mit der Nationalmannschaft Außergewöhnliches erreicht. Foto: AFP PHOTO / Jung Yeon-je
Die Ice Tigers Patrick Reimer (r.) und Yasin Ehliz (l.) haben mit der Nationalmannschaft Außergewöhnliches erreicht. Foto: AFP PHOTO / Jung Yeon-je

Nürnberg.Ein Wunder, ein Traum, eine Sensation. Die Begriffe, die im Anschluss an das Eishockeyfinale der olympischen Winterspiele in Pyeongchang fielen, wiederholten sich. Es war ein Eishockey-Krimi, dessen Drehbuch nicht dramatischer hätte geschrieben werden können. Die deutsche Eishockey Nationalmannschaft hatte den Favoriten aus Russland im olympischen Finale am Rande einer Niederlage, am Ende jedoch unterlag die Auswahl von Bundestrainer Marco Sturm mit 4:3 nach Verlängerung.

Mit dem überraschenden Gewinn der Silbermedaille sorgten Deutschlands Eishockeyspieler für weltweites Erstaunen und erspielten sich dank aufopferungsvoller Hingabe den Titel „Olympiasieger der Herzen.“ Einen großen Anteil am besten Abschneiden in der Geschichte des deutschen Eishockeysports hatten mit Patrick Reimer, Yasin Ehliz und Leonhard Pföderl auch drei Spieler der Nürnberg Ice Tigers. Pföderl, der in den Partien gegen Schweden (4:3 n.V.), Kanada (4:3) und Russland nicht mehr zum Einsatz kam, steuerte im Achtelfinale gegen die Schweiz (2:1 n.V.) einen Treffer bei. Reimer sorgte im Viertelfinale für die Entscheidung und schoss Deutschland gegen den amtierenden Weltmeister Schweden ins Halbfinale. Ohne eigenen Treffer blieb Ehliz, der 25-Jährige glänzte jedoch erneut als nimmermüder Arbeiter und Vorlagengeber.

Wechselbad im Finale

Im Finale rückten die Nürnberger Angreifer in den Fokus, für sie geriet die Partie zum Wechselbad der Gefühle. Erst avancierte Ehliz zum Unglücksraben, als er die Scheibe im eigenen Drittel leichtfertig vertändelte und somit die 1:0-Führung für Russland ermöglichte. Doch die deutsche Auswahl, allen voran Ehliz, kam stark zurück und bot den Russen entschlossen die Stirn. Nach der zwischenzeitlichen 2:1-Führung für Russland hatte es die deutsche Auswahl vor allem Nürnbergs Nummer 42 zu verdanken, noch einmal in die Partie zurückzufinden. Sowohl der 2:2-Ausgleich durch Dominik Kahun als auch der 3:2-Führungstreffer durch Jonas Müller resultierten aus dem Einsatz von Ehliz, der die russischen Verteidiger vehement unter Druck setzte und somit die deutsche Aufholjagd einleitete.

Mehr zur Vertragsverlängerung der Ice Tigers mit Brandon Segal erfahren Sie hier:

Ice Tigers verlängern mit Segal

  • Personalplanung:

    Im Schatten Olympischen Winterspiele treiben die Ice Tigers ihre Personalplanungen voran: Der kanadische Stürmer Brandon Segal hat seinen Vertrag in Nürnberg um eine weitere Saison verlängert.

  • Statistik:

    Brandon Segal spielt aktuell seine dritte Saison im Trikot der Ice Tigers, nachdem er im Sommer 2014 vom damaligen KHL-Klub Medvescak Zagreb nach Nürnberg wechselte. Insgesamt hat der Rechtsschütze bislang 173 DEL-Spiele absolviert und dabei 47 Mal getroffen sowie 46 weitere Tore vorbereitet.

„Gerade habe ich sehr gemischte Gefühle. Es ist unglaublich, was wir hier in den vergangenen Wochen geleistet haben. Es dauert ein, zwei Wochen, bis ich kapiere, was hier passiert ist,“ sagte Ehliz im Anschluss an die Partie. Ungläubig blickte der gebürtige Bad Tölzer an sich herab, fasste die Silbermedaille in beiden Händen und ergänzte: „Wir haben ein abartiges Turnier gespielt. Ich bin stolz auf die Mannschaft. Es sind unglaubliche Erinnerungen, die ich mit nach Hause nehmen werde. Ich bin stolz, ein Teil dieser Mannschaft sein zu dürfen.“

Kommentar

Macht diesmal mehr daraus!

Eine deutsche Mannschaft in einem Finale eines großen Eishockey-Turniers? Beinahe Olympiasieger? Es klingt sooooo unwirklich. 2010 war man schon einmal...

Anders sah zu diesem Zeitpunkt die Welt für Patrick Reimer aus. Der Ice Tigers-Käpitän wurde zur tragischen Figur, nachdem er in der Verlängerung zwei Strafminuten wegen hohen Stocks aufgebrummt bekam. Die spielstarken Russen nutzten schließlich die 4:3-Überzahlsituation und sicherten sich die Goldmedaille. „Mein Schläger rutscht am Schaft ab und geht ins Gesicht. So etwas kann passieren. Dass es das olympische Finale entscheidet, ist bitter. Ich würde es gerne rückgängig machen“, kommentierte Reimer unter Tränen die spielentscheidende Situation.

Thomas Sabo reiste eigens an

Kurze Zeit später wich jedoch auch beim Nürnberger Routinier der Schmerz über das verlorene Endspiel der Freude über das Erreichte. „Wer hätte gedacht, dass wir soweit kommen? Dass wir Russland an den Rand einer Niederlage bringen? Diese Silbermedaille ist mehr als geil,“ resümierte der 35-Jährige, Arm in Arm mit seinem Nürnberger Klub-Boss Thomas Sabo. Der fränkische Schmuckhändler war kurzerhand nach Südkorea gereist, um seine Schützlinge vor Ort zu unterstützen.

Für Mittwochabend kündigten die Ice Tigers bereits an, ihre „drei Olympia-Helden gebührend zu empfangen und zu feiern“. Dann beginnt mit der Partie gegen die Düsseldorfer EG (19.30 Uhr) die Schlussphase der DEL-Hauptrunde, in der die Franken Tabellenplatz zwei verteidigen wollen, um in der kommenden Saison an der Champions Hockey League teilzunehmen. Mit Gegnern aus Schweden, Finnland und der Schweiz konnten Nürnbergs Olympioniken bereits gute Erfahrungen sammeln.

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