MyMz

Eishockey

Ice Tigers in der emotionalen Achterbahn

Erst siegen die Nürnberger an einem doppelt emotionalen Abend gegen München, wenig später setzt es wieder einen Rückschlag.
von Daniel Frasch

Steven Reinprecht und seine Familie waren Zentrum einer sehr emotionalen Zeremonie, bei der Reinprechts Trikotnummer 29 unter das Hallendach gezogen wurde. Fotos: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto
Steven Reinprecht und seine Familie waren Zentrum einer sehr emotionalen Zeremonie, bei der Reinprechts Trikotnummer 29 unter das Hallendach gezogen wurde. Fotos: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto

Nürnberg.Es hätte die langersehnte Wende werden sollen: Nach der emotionalen und hervorragend inszenierten Verabschiedung von Ex-Angreifer Steven Reinprecht und dem anschließenden 4:1-Heimsieg Freitagabend über den EHC Red Bull München brachen die Nürnberg Ice Tigers nach Niederbayern auf, um dort die erhoffte Aufholjagd zu starten. Lange Zeit sah es so aus, als könnten die Ice Tigers den zweiten Doppel-Erfolg der Saison feiern. Am Ende aber fehlten den Nürnbergern 69 Sekunden am Straubinger Pulverturm, aus der zwischenzeitlichen 5:3-Führung resultierte schließlich noch eine 5:6-Niederlage nach Penaltyschießen.

„Wir haben zwei Punkte aus der Hand gegeben. Einen Punkt auswärts zu holen ist nicht schlecht, aber auf der anderen Seite ist es bitter, wenn man die drei Punkte verliert“, sagte Trainer Martin Jiranek einmal mehr im Anschluss an die Partie Sonntagabend.

Nicht zum ersten Mal in der laufenden Saison verspielte seine Mannschaft einen sicher geglaubten Vorsprung im Schlussabschnitt. Die 3:1-Führung gegen Ingolstadt am vierten Spieltag, die 3:1-Führung gegen Krefeld Mitte Oktober, der 2:0-Vorsprung gegen Düsseldorf vor neun Tagen: Wiederholt ging den Franken im letzten Drittel die Puste aus.

Wieder ohne vier Stammspieler

Lange Zeit machten sie in Nürnberg das anhaltende Verletzungspech und den damit einhergehenden körperlichen Verschleiß verantwortlich. Zu viel Eiszeit für die Leistungsträger führte dazu, dass den Franken regelmäßig die Kräfte schwanden und sie die Partien zum Ende hin noch verloren.

Auch in Straubing fehlten den Ice Tigers mit den Angreifern Brandon Buck und Eugen Alanov sowie den Verteidigern Brett Festerling und Milan Jurcina vier Stammspieler. Den Ausfall des Quartettes für die Pleite verantwortlich zu machen, wäre allerdings zu einfach. Die Ice Tigers verpassten es, frühzeitig das Duell zu entscheiden und hatten mit 40 Prozent eine unterirdische Unterzahlquote – ausgerechnet gegen die bis dato schlechteste Überzahlmannschaft der Liga.

Drei Tore kassierte Nürnberg, als es mit einem Mann weniger agieren musste, beim 5:5 kurz vor Schluss standen den Franken sechs Straubinger Feldspieler gegenüber. „Straubing hat am Ende viel Druck auf unser Tor gemacht. Wir müssen analysieren, wer seinen Mann vor dem Tor verloren hat“, ärgerte sich Jiranek, sprach seiner Mannschaft aber auch ein Lob aus: „Wir sind auf einem guten Weg und müssen so ein Spiel zu Ende bringen. Im Großen und Ganzen haben wir 50 Minuten gut gespielt.“

Auch wenn die Wende vorerst ausblieb, so gab es in den vergangenen beiden Partien Faktoren, die den fränkischen Fans Mut machen dürfen. Allen voran die Leistungssteigerung der beiden Angreifer Leo Pföderl und Phil Dupuis. Pföderl, der vor einigen Wochen aufgrund schwacher Auftritte von Jiranek vorübergehend zum Zuschauen verdonnert wurde, strahlte zuletzt deutlich mehr Präsenz aus und tat das, was er am besten kann: Tore schießen. In den vergangenen drei Partien traf der Bad Tölzer vier Mal ins Schwarze, insgesamt erzielte er in 27 Partien acht Treffer. Zu wenig für einen Spieler seiner Klasse, dennoch ist ein deutlicher Formanstieg zu sehen.

Gleiches gilt für Sturmkollege Dupuis. Der Kanadier mit dem feinen Händchen bereitete in den vergangenen zwei Begegnungen vier Tore vor und demonstrierte dabei seinen ausgeprägten Blick für den besser positionierten Mitspieler. Mit 13 Vorlagen führt der 33-Jährige die interne Statistik an, dafür weist er mit einem Wert von Minus neun auch den schlechtesten Wert aller Ice Tigers-Akteure auf.

Es geht langsam aufwärts

Trotz des ärgerlichen Ausgangs in Straubing kann man den Franken in der jüngsten Vergangenheit eine Leistungssteigerung attestieren. Gelingt es ihnen, an die zuletzt gezeigten Leistungen anzuknüpfen und die Konzentration über die gesamte Spielzeit aufrecht zu erhalten, ist dem Team um Kapitän Patrick Reimer eine Aufholjagd im Kampf um Platz zehn zuzutrauen.

Immerhin verringerten die Tigers den Rückstand von elf auf neun Zähler, zudem sind in 25 Hauptrundenpartien noch immer 75 Punkte zu vergeben. Drei von ihnen wollen die Franken im Heimspiel Donnerstagabend (19.30 Uhr) gegen Bremerhaven holen. An das 1:2 vor rund einem Monat erinnert sich Nürnbergs Trainer Martin Jiranek nur ungern.

Weitaus angenehmer sind seine Gedanken an die Begegnung des fünften Spieltags, als die Ice Tigers in der ersten Partie unter seiner Leitung mit 6:2 auf eigenem Eis triumphierten. Damals betrug der Vorsprung der Tiger auf Bremerhaven fünf Zähler. 22 Spieltage später stehen die Vorzeichen anders, Bremerhaven sammelte in der Zwischenzeit 18 Punkte mehr.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht