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Eishockey

Ice Tigers: Schnelle Rückkehr zum Alltag

Nach einem anstrengenden Spengler Cup müssen die Thomas Sabo Ice Tigers bereits an diesem Mittwoch bei Meister München ran.
Von Daniel Frasch

Oliver Mebus (l.) und seine Ice Tigers unterlagen Team Kanada. Foto: Gian Ehrenzeller/SPENGLER CUP/Keystone/dpa
Oliver Mebus (l.) und seine Ice Tigers unterlagen Team Kanada. Foto: Gian Ehrenzeller/SPENGLER CUP/Keystone/dpa

Nürnberg.Vier Spiele in vier Tagen. Dieses Pensum, was in anderen Sportarten schlicht unvorstellbar ist, absolvierten die Ice Tigers kurz nach Weihnachten. Während sich die übrigen DEL-Klubs in der Liga in der heißen Phase um die Playoff-Plätze befanden, duellierten sich die Franken im winterlich-märchenhaften Davos in der Schweiz mit europäischen Spitzenteams und spielten einzig um Prestige. Mehr gibt es beim ältesten Eishockey-Vereinsturnier der Welt nämlich nicht zu holen. Oder vielleicht doch?

Sah man sich die vier Partien gegen Gastgeber HC Davos, Team Kanada und Metallurg Magnitogorsk an, kommt man schnell zu einem anderen Entschluss. Die Ice Tigers schrieben mit ihrer ersten Spengler Cup-Teilnahme ein Stück Eishockey-Geschichte. Das Turnier, das vom Chirurgen Carl Spengler ins Leben gerufen wurde, um die Jugend der durch den Ersten Weltkrieg verfeindeten Nationen in sportlichen Kontakten wieder zusammenzuführen, ist mehr als ein Sportevent. Es ist ein jährliches Zusammenkommen all derer, die diesen rasanten Sport leidenschaftlich betreiben. Und derer, die ihm von den Tribünen aus frönen, aber nicht weniger lieben.

Nur kurz enttäuscht

Nach dem verlorenen Halbfinale (2:4) gegen das mit Ex-NHL-Spielern bestückte Team Kanada herrschte allenfalls kurze Enttäuschung. Noch während der üblichen Zeremonien auf dem Eis hellten die Mienen der Unterlegenen auf. Vielleicht weil sie froh waren, dass die immensen Strapazen von vier Partien binnen vier Tagen ein Ende hatten. Wahrscheinlicher jedoch, weil sich die Ice Tigers beim Blick durch die mit 6300 Zuschauern ausverkaufte Vaillant Arena in Davos bewusst waren, nun selbst ein Teil Eishockey-Geschichte zu sein.

„Wer Eishockey schaut, schaut auch den Spengler Cup. Wir sind fasziniert und genießen die Zeit. Es ist unglaublich“, versicherte auch Ice Tigers-Boss Thomas Sabo im Interview mit den Ausrichtern. Die Franken waren Teil des Turniers, an dem bereits die Eishockey-Legenden Sergei Fedorov, Ryan Smith und Patrick Kane teilnahmen. Eine Chance, die sich Eishockey-Profis in den zeitlich überschaubaren Karrieren nur äußerst selten bietet. Die Franken nutzten diese Chance und betrieben nicht nur Werbung in eigener Sache, sondern repräsentierten den deutschen Eishockey-Sport sehr ordentlich.

Ein Ausrufezeichen gesetzt

Der 2:3-Auftaktniederlage gegen den HC Davos folgte eine deutliche 2:6-Niederlage gegen die favorisierten Kanadier. Wiederum nur 24 Stunden später setzte die Mannschaft um Kapitän Patrick Reimer jedoch ein Ausrufezeichen und schlug den russischen KHL-Meister von 2014 und 2016, Metallurg Magnitogorsk, mit 3:1 – Halbfinaleinzug. Die erneute Niederlage (2:4) gegen das Mutterland des Eishockeys war auch der Ermüdung geschuldet. Die Beine waren offensichtlich schwer, die Luft auf 1560 Metern über dem Meeresspiegel wurde zunehmend dünner.

Das Turnier zeigte aber auch: Nürnbergs Eishockeyprofis sind an einem guten Tag in der Lage, mit internationalen Topteams mitzuhalten. Allen voran die Angreifer Patrick Reimer, Brandon Buck und Leo Pföderl spielen auf internationalem Topniveau mit. Pföderl, der Bad Tölzer, dessen Zukunft bei den Franken über die Saison hinaus noch immer ungeklärt ist, wurde verdientermaßen ins Allstar-Team des Turniers gewählt.

Selbstvertrauen, welches die Ice Tigers mit in die Liga nehmen können – und auch müssen. Denn bereits Mittwochabend (19.30 Uhr) ist die Mannschaft von Trainer Martin Jiranek beim amtierenden Deutschen Meister, dem EHC Red Bull München, gefordert.

Eine Partie, in die die auf Rang elf platzierten Ice Tigers sicherlich nicht als Favoriten starten. Dass dem Tabellenzweiten dennoch beizukommen ist, bewiesen die Nürnberger vor rund drei Wochen beim 4:1-Heimsieg eindrucksvoll. Vor ausverkauftem Haus feierten die Fans nicht nur den Abschied der Nürnberger Legende Steven Reinprecht, sondern konnten auch eine befreit aufspielende Nürnberger Mannschaft bejubeln.

Nichtsdestotrotz ist München auch in der laufenden Saison der Topfavorit auf den Titel – es wäre der Vierte in Folge. Zu stark besetzt ist der Kader von Trainer Don Jackson, der bislang von Ex-Ice Tiger John Mitchell (neun Tore, 22 Assist) angeführt wird.

Auch Yasin Ehliz kommt immer besser in Tritt: Der Nationalspieler, der bei seiner Rückkehr an alter Wirkungsstätte vor rund drei Wochen über die komplette Spielzeit üblen Anfeidungen ausgesetzt war, sammelte bereits fünf Scorerpunkte (drei Tore, zwei Aissist) und scheint sich allmählich im Münchener Starensemble akklimatisiert zu haben.

In der Landeshauptstadt zu punkten ist für Nürnberg dennoch wichtig, nicht zuletzt, weil die Krefeld Pinguine ihre Schwächephase überwunden haben und den Vorsprung auf die Franken vorrübergehend wieder auf neun Zähler ausbauten. So schön er auch war: Der Spengler Cup ist Geschichte. Die Zeit des Prestiges ist vorbei, der DEL-Alltag hat die Ice Tigers wieder.

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