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Sonntag, 22. Juli 2018 28° 8

Eishockey

Ice Tigers: Unwürdiges Ende der Saison

Nürnberg verliert in einem hitzigen Spiel gegen Berlin und ist raus aus den Playoffs – die Referees spielen tragende Rollen.
Von Thorsten Drenkard

Die Spieler versammelten sich enttäuscht auf dem Eis. Foto: Daniel Karmann/dpa
Die Spieler versammelten sich enttäuscht auf dem Eis. Foto: Daniel Karmann/dpa

Nürnberg.Nachdem das Saison-Aus endgültig besiegelt war, standen Thomas Sabo die Tränen in den Augen.

Der Hauptgesellschafter der Ice Tigers, der dem Nürnberger Profi-Eishockey seit fast zehn Jahren seinen Namen leiht, sein Geld überweist und sein Herzblut schenkt, gab an diesem Sonntag einem ganzen Verein, seinen Spielern und Fans ein Gesicht. Es war ein aufrichtig trauriger Thomas Sabo, der dort oben auf der Tribüne der Nürnberger Arena zu sehen war.

Am Ende jubelte Berlin über den Finaleinzug. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto
Am Ende jubelte Berlin über den Finaleinzug. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto

Kein Wunder, denn kurz zuvor waren seine Ice Tigers vor 7672 Besuchern im Playoff-Halbfinale gegen die Eisbären Berlin ausgeschieden, hatten Spiel sechs zu Hause knapp 2:3 und damit die gesamte, mitreißende Serie mit 2:4 verloren. Der Traum, den sie kollektiv in Nürnberg Jahr für Jahr vom ersten Meistertitel träumen, er war wieder einmal zerplatzt. Eine über weite Strecken starke Spielzeit ging bitter zu Ende – auch, weil die Schiedsrichter an diesem Nachmittag eine desolate Leistung zeigten.

Bevor die Unparteiischen aber erstmals in ihre Pfeifen bliesen, wurde es in der Arena mucksmäuschenstill.

Hier lesen Sie einen Kommentar zur Saison der Ice Tigers:

Kommentar

Eine enttäuschend-erfolgreiche Saison

Wer leidenschaftlich und hingebungsvoll liebt, der macht sich verletzbar.

Spieler der Nürnberg Ice Tigers und Berliner Eisbären sowie die Fans gedachten des kanadischen Eishockey-Nachwuchsteams der Humboldt Broncos, das am Wochenende mit dem Bus auf dem Weg zu einem Spiel verunglückte – 15 Tote forderte die Tragödie in der kanadischen Provinz Saskatchewan.

Nach der Schweigeminute dauerte es aber nicht lange, bis aus tausenden fränkischen Kehlen erboste Aufschreie durch die Arena hallten: Es war noch keine Minute gespielt, da ließ der Berliner James Sheppard sein Bein stehen, gegen das ein schwungvoller Nürnbergs Dane Fox mit seinem Knie knallte und auf dem Eis landete.

Klare Fehlentscheidung

Ein offensichtlicher Kniecheck, den aber die Schiedsrichter Daniel Piechaczek und André Schrader nicht regelkonform mit einer Fünf-Minuten-Strafe plus Spieldauerdisziplinarstrafe für den Berliner ahndeten – stattdessen gab es zwei Minuten, was die Fans lautstark erboste und bei Coach Rob Wilson für Unverständnis sorgte.

Dane Fox musste nach einem Knie-Check schon nach einer Minute vom Eis – und kehrte nicht mehr zurück. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto
Dane Fox musste nach einem Knie-Check schon nach einer Minute vom Eis – und kehrte nicht mehr zurück. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto

Zu allem Überfluss musste Fox, gestützt von Betreuern, das Eis verlassen – und kehrte an diesem Nachmittag auch nicht mehr zurück. Eine genaue Diagnose der Verletzung steht noch aus, es dürfte keine Kleinigkeit sein.

Ebenso wenig wie bei Teamkollege Tom Gilbert, der Fox nur kurze Zeit später nachfolgen sollte, nachdem ihn Frank Hördler in die Bande gerammt hatte. Hierfür gab es gar keine Strafe, dafür konnte Nürnbergs Topscorer unter den Verteidigern (sieben Vorlagen) ebenfalls nicht mehr mittun. Erneut eine haarsträubende Fehlentscheidung der Referees. Damit war der Ton für eine hitzige Partie mit etlichen schmutzigen Fouls vorgegeben.

Der Check James Sheppards gegen Dane Fox im Video:

Eishockey wurde im brodelnden Rund des Stadions aber auch noch gespielt – und das temporeich und mit aufopferungsvollem Einsatz.

Der erste Jubel dieser intensiven Partie gehörte den Gastgebern, als Yasin Ehliz in einer 4:3-Überzahl nach einem Mebus-Schuss den Abpraller entschlossen durch die Beine von Berlins Keeper Petri Vehanen stocherte (7.).

Kurz darauf besorgten ausgerechnet Hördler und Sheppard, die beide bei korrekter Regelauslegung hätten längst unter der Dusche sein müssen, den Ausgleich: Sheppard passte in der neutralen Zone den Puck zu Hördler, der vom rechten Bullykreis wenig aussichtsreich abzog.

Doch der Puck fand seinen Weg durch die Schoner von Nürnbergs Torwart Nicklas Treutle (9.). Ein Treffer, den der bis dato starke Playoffs spielende Keeper nur zu gerne zurück gehabt hätte. Zu allem Überfluss war im Vorfeld dieses Kontertores David Steckel von Berlins Sean Backmann mit einem Crosscheck in die Bande gefällt worden. Der Pfiff blieb aus, Berlin traf.

David Steckels check gegen Berlins Jonas Müller im Video:

Steckel war es dann, der sich Mitte des zweiten Drittels entschloss, das Gesetz des fragwürdigen Handelns selbst in die Hand zu nehmen: Der ehemalige NHL-Spieler katapultierte sich in Berlins Jonas Müller, der mit dem Gesicht voran in die Spielfeldumrundung krachte – ein rücksichtsloses Foul, dass die Unparteiischen mit einer fünfminütigen Strafe ahndeten und den Ice Tigers-Spieler in die Kabine schickten.

So korrekt dieser Pfiff, so unverständlich war sie freilich aus Sicht der Nürnberger. „Aufhören! Aufhören!“ und „Ohne Schiri habt ihr keine Chance!“ hallte es von den Rängen, Gegenstände flogen auf die Eisfläche.

Die Franken überstanden die Strafe und gingen erneut durch Leo Pföderl – wen sonst – in Führung (35.). Mit einem Handgelenkschuss jagte der Gaißacher den Puck durch die Schoner Vehanens zu seinem zehnten Playoff-Tor. Es sollte der letzte Treffer der Ice Tigers in dieser Saison gewesen sein.

Rob Wilson, Trainer der Ice Tigers: „ Beide Teams haben mit viel Integrität gespielt. Beide Teams haben hart und wie Männer gespielt. Ich bin richtig stolz auf mein Team. Wir haben Dane Fox und Tom Gilbert innerhalb von zwei Wechseln verloren, aber trotzdem nie den Glauben verloren. Ich denke, die Serie hätte ein siebtes Spiel verdient gehabt.“ Foto: Eibner
Rob Wilson, Trainer der Ice Tigers: „ Beide Teams haben mit viel Integrität gespielt. Beide Teams haben hart und wie Männer gespielt. Ich bin richtig stolz auf mein Team. Wir haben Dane Fox und Tom Gilbert innerhalb von zwei Wechseln verloren, aber trotzdem nie den Glauben verloren. Ich denke, die Serie hätte ein siebtes Spiel verdient gehabt.“ Foto: Eibner

Denn kurz darauf glichen die Gäste durch Jamison MacQueen aus (38.). An einem guten Tag hätte Treutle dessen Schuss ins lange Eck aus spitzem Winkel wohl gehalten – an diesem denkwürdigen Nachmittag tat er es nicht.

Im Schlussabschnitt waren beide Teams darauf bedacht keine Fehler zu machen – das ging bis zur 57. Spielminute gut, dann traf erneut Schiedsrichter Piechaczek eine folgenschwere Entscheidung: Hinter dem Nürnberger Tor kreuzte er den Laufweg von Taylor Aronson, der dadurch den puckführenden Nicholas Petersen nicht angreifen konnte. Der Berliner passte vors Tor, wo Mark Olver aus kurzer Distanz einschoss (57.) Eine ebenso groteske wie passende Szene für dieses Spiel.

Uwe Krupp, Trainer der Eisbären: „Was wir hier in den letzten sechs Spielen gesehen haben, war Werbung fürs Eishockey. Es war eine Serie, in der Eishockey im Vordergrund stand. Mein kompletter Respekt geht an Rob, den Nürnberger Trainerstab und die komplette Mannschaft. Beide Mannschaften haben in jedem Spiel hart gearbeitet.“ Foto: Reinelt/Eibner-Pressefoto
Uwe Krupp, Trainer der Eisbären: „Was wir hier in den letzten sechs Spielen gesehen haben, war Werbung fürs Eishockey. Es war eine Serie, in der Eishockey im Vordergrund stand. Mein kompletter Respekt geht an Rob, den Nürnberger Trainerstab und die komplette Mannschaft. Beide Mannschaften haben in jedem Spiel hart gearbeitet.“ Foto: Reinelt/Eibner-Pressefoto

In der Folge attackierte Nürnberg noch einmal, nahm Treutle aus dem Tor, traf aber nicht mehr – dann war die Saison für Nürnberg vorbei.

Selten ging ein Entscheidungsspiel für die Ice Tigers unglücklicher, enttäuschender und, aufgrund der gravierenden Fehler der Referees, unwürdiger zu Ende. Es war zum Heulen für all jene, die es mit den Franken halten – und dennoch war das dritte Halbfinal-Aus in Folge keine Katastrophe oder gar Tragödie.

Frag nach bei den Hinterbliebenen der Humboldt Bronocs.

Gut zu wissen

  • Trotz des Ausscheidens

    im Playoff-Halbfinale, dürfen die Thomas Sabo Ice Tigers in der kommenden Saison das fränkische Eishockey auf europäischer Ebene repräsentieren.

  • Grund dafür ist

    , dass die Adler Mannheim ebenfalls in ihrer Halbfinal-Serie gegen München rausgeflogen sind. Dadurch ist zumindest ein Saisonziel der Ice Tigers erreicht.

  • Die Thomas Sabo

    Ice Tigers spendeten 10 000 Euro der Spieleinnahmen an die Humboldt Broncos, deren Nachwuchsteam am Wochenende bei einem Unfall verunglückte.

Wissenswertes rund um die Ice Tigers und das Spiel:

Alles rund um die Nürnberg Ice Tigers lesen Sie hier.

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  • RH
    Roswitha Herzig
    09.04.2018 08:08

    Thorsten Drenkard: Was ist mit dem Genitiv? Ich bin dafür, dass es Journalisten nicht erlaubt ist, ihn abzuschaffen. ....gedachten dem (?) kanadischen Eishockey-Nachwuchsteam der Humboldt Broncos, das.....

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