MyMz

Eishockey

Ice Tigers: Wilson geht, Gaudet kommt

Nach drei Jahren als Cheftrainer wird der Vertrag mit Rob Wilson in Nürnberg aufgelöst. Kevin Gaudet heißt sein Nachfolger.
Von Thorsten Drenkard

Trainer Kevin Gaudet kommt aus Bietigheim. Foto: Rene Weiss/Eibner
Trainer Kevin Gaudet kommt aus Bietigheim. Foto: Rene Weiss/Eibner

Nürnberg.Rob Wilson beginnt seine Antworten auf Journalisten-Fragen gerne mit drei Worten. „You know what?!“, sagt der 49-Jährige meist am Anfang seine Ausführungen. „Weißt Du was?!“, fragt er rhetorisch in die Runde, um dann zu seinen fast immer trefflichen, nicht selten unterhaltsamen, stets aufrichtigen Antworten anzusetzen.

Es ist nicht auszuschließen, dass der Anglo-Kanadier auch mit jenem Satz startete, als er die verdutzten Verantwortlichen der Thomas Sabo Ice Tigers von seiner überraschenden Entscheidung in Kenntnis setzte. Denn, „you know what?!“, Rob Wilson, seit drei Jahren Chef-Coach hinter der Tiger-Bande, ist nicht mehr Trainer des Nürnberger DEL-Teams.

Wilson-Abgang ein Paukenschlag

Ein Paukenschlag, mit dem sie bei den Ice Tigers nicht gerechnet hatten. Wilson verlässt jenen Verein, den er in den vergangenen drei Spielzeiten stets ins Playoff-Halbfinale führte, sein Vertrag wird aufgelöst. Den Trainer des Jahres der Saison 2016/17 zieht es zurück in die kanadische Heimat – der Familie wegen, wie die Ice Tigers in einer Pressemitteilung verraten.

Hier lesen Sie ein Porträt über Rob Wilson und Mike Flanagan.

Nürnbergs Sportdirektor Martin Jiranek: „Es hat uns schwer getroffen, dass Rob mit dem Wunsch der Vertragsauflösung an uns herangetreten ist. Er möchte eine einmalige Gelegenheit, die sich ihm kurzfristig geboten hat, nutzen, um sich um seine Familie zu kümmern und seinen Kindern ein guter Vater zu sein. Rob war für uns ein ausgezeichneter Trainer, der in den letzten drei Jahren äußerst erfolgreich gearbeitet hat. Wir wünschen ihm und seiner Familie von Herzen alles Gute für die gemeinsame Zukunft.“

Hier sehen Sie ein Video über die Coaches Rob Wilson und Kevin Gaudet:

Ice Tigers: Rob Wilson geht, Kevin Gaudet kommt

Wilson wird in der kanadischen Provinz Ontario das Juniorenteam in Peterborough übernehmen, in jener Stadt, in der seine Töchter Jessica und Lynsay studieren beziehungsweise zur Schule gehen. Als das Angebot des dortigen Eishockeyvereins der Petes vor ein paar Tagen kam, konnte Wilson schlichtweg nicht ablehnen – andernfalls hätten seine Töchter wohl nie mehr mit ihm geredet.

Das abrupte Ende der fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Wilson und dem Verein ist den Ice Tigers nicht leicht gefallen, schließlich bedeutet sein Abgang eine tiefe Zäsur – und einen enormen Verlust einer imposanten Persönlichkeit, wie es sie selten gibt.

Der Kanadier lebt und liebt das Eishockey – wenn es ginge auch 25 Stunden am Tag. Im MZ-Interview hat er einmal gesagt, dass er so sehr erfolgreich sein und gewinnen wollen, dass „es über das hinausgeht, was man sich vorstellen kann. Ich will unbedingt gewinnen, unbedingt!“ Das lebte der Trainer in Dienst der Ice Tigers täglich vor. Immer hundertprozentig, immer mit Empathie, immer mit Humor.

Wilsons plötzlichem Wunsch nach einer Auflösung des Vertrags habe der Verein „schweren Herzens entsprochen“, so Jiranek, der aber sogleich einen Nachfolger präsentieren kann.

Sportdirektor Martin Jiranek hat schon einen Nachfolger für Wilson gefunden. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto
Sportdirektor Martin Jiranek hat schon einen Nachfolger für Wilson gefunden. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto

Der Kanadier Kevin Gaudet wird ab der kommenden Saison die Ice Tigers coachen. Der 54-Jährige kommt vom DEL2-Meister Bietigheim Steelers nach Nürnberg und erhält einen Vertrag für die kommende Saison. Gaudet übernahm die Bietigheim Steelers im November 2011 und führte das Team zu drei Meisterschaften in den vergangenen sechs Spielzeiten.

In den Jahren 2013 und 2015 wurde er jeweils zum „Trainer des Jahres“ gewählt. Zuvor stand Gaudet unter anderem für die Vienna Capitals und die Hannover Scorpions als Cheftrainer hinter der Bande.

„Es hat uns schwer getroffen, dass Rob mit dem Wunsch der Vertragsauflösung an uns herangetreten ist.“

Martin Jiranek

Martin Jiranek: „Wir freuen uns, Kevin Gaudet als neuen Cheftrainer begrüßen zu dürfen. Er hat die Erfahrung und die Leidenschaft, die Ice Tigers anzuführen und an den Erfolg der letzten Jahre anzuknüpfen. Kevin kennt die DEL und hat in den letzten Jahren konstant erfolgreich gearbeitet. Wir freuen uns auf die neue Saison mit Kevin Gaudet als Cheftrainer und Mike Flanagan als Co-Trainer.“

Der Spieler Jiranek kennt den Trainer Gaudet noch bestens aus den rauen Anfangszeiten der DEL. Damals, Mitte der 90er-Jahre, als die Ice Tigers noch im zugigen Lindestadion dem Puck nachjagten, gerieten die Partien mit den vom Kanadier trainierten Wedemark beziehungsweise Hannover Scorpions mitunter zu Strafzeiten geschwängerten Rock‘n‘Roll-Nummern.

Das sagen die IceTIgers-Spieler über den Trainer Rob Wilson:

Beim Training der Ice Tigers in Nürnberg

Den Scorpions und ihren Spielern brachten die Tiger-Fans eine leidenschaftliche Abneigung entgegen („Joe West hat die Schweinepest!“). Das lag zum einen daran, dass Joe West, Len Soccio und David Haas einerseits regelmäßig die Grenzen des Regelbuchs überschritten, andererseits aber auch unter Coach Kevin Gaudet zumeist sehr gut spielten.

Erst vor eineinhalb Wochen feierte der kanadische Trainer seinen rauschenden Abschied von den Bietigheim Steelers, wo er sieben Jahre lang erfolgreich arbeitete (sechs Finalteilnahmen, drei Titel) und zuletzt mit dem Team die Meisterschaft in der DEL2 gewann.

Rob Wilson ist nicht mehr Trainer der Thomas Sabo Ice Tigers. Foto: Eibner
Rob Wilson ist nicht mehr Trainer der Thomas Sabo Ice Tigers. Foto: Eibner

Gaudet musste Bietigheim letztlich verlassen, weil die Verantwortlichen rund 300.000 Euro für die nächste Saison einsparen wollen, wie eine Münchner Zeitung jüngst berichtete. Ein erfahrener Erfolgs-Coach wie Gaudet passte da nicht mehr ins Vereinsbudget.

Eigentlich, so hatte er weiterhin verraten, werde er wohl bis November oder Dezember warten müssen, „bis die ersten Trainer gefeuert werden“, um abermals hinter der Bande stehen zu können.

Da hatte er nicht mit dem Anruf von Sportdirektor Jiranek gerechnet – und plötzlich ging alles ganz schnell.

Weitere Sportmeldungen aus der Region finden Sie hier.

Alles rund um die Ice Tigers können Sie hier nachlesen.

Kommentar

Ein Glücksfall für die Ice Tigers

Es wird auch ohne Rob Wilson bei den Ice Tigers weitergehen, natürlich. Wie es immer weitergeht, wenn Trainer, Spieler oder Sportdirektoren sich verabschieden...

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht