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Interview

Zweifel bei Ice Tigers fehl am Platz

Geschäftsführer Wolfgang Gastner glaubt an die Wende der Mannschaft. Im Interview erklärt er, welche Gründe dafür sprechen.
Von Daniel Frasch

Ice-Tigers-Geschäftsführer Wolfgang Gastner (links) mit Thomas Sabo Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto
Ice-Tigers-Geschäftsführer Wolfgang Gastner (links) mit Thomas Sabo Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto

Nürnberg.Herr Gastner, Ihr Büro in der Arena ist verwaist. Wo erreiche ich Sie gerade?

Ich befinde mich im Zug nach Köln und bin auf dem Weg zu einer Veranstaltung der Deutschen Eishockey Liga.

Termine, um die Sie sich erst seit diesen Sommer kümmern müssen. Haben Sie sich bereits in der neuen Position des Geschäftsführers eingelebt?

Ja, mittlerweile hab ich mich sehr gut eingelebt. Je länger die Saison dauert, desto besser finde ich mich in die Position hinein. Auch, was das Krisenmanagement betrifft.

Gutes Stichwort: Die Ice Tigers stehen nach 22 Spieltagen nur auf Rang elf und liegen bereits 13 Punkte hinter dem letzten direkten Playoffplatz sechs. Wie gehen Sie persönlich mit der schwachen Saison um?

Ich persönlich vertraue der Mannschaft weiterhin. In der Tat ist es so, dass zur Zeit international viele Topmannschaften straucheln, so ist es auch bei uns. Auf dem Papier sind wir definitiv ein Team für die Top sechs, auch wenn wir bislang unsere eigenen Erwartungen und die der Fans nicht erfüllen konnten. Wir müssen durch dieses Tal des Misserfolgs und uns an Erfolgserlebnissen wie dem Sieg gegen Wolfsburg (5:1) hochziehen. Ich bin weiterhin der festen Überzeugung, dass diese Mannschaft am Ende der Saison Playoffs spielen wird.

Erfahren Sie unter anderem, wie Wolfgang Gastner die Liebe zum Eishockey entdeckt hat:

Mehr über Wolfgang Gastner

  • Eishockey-Fan:

    Wolfgang Gastners Liebe zum Eishockeysport entflammte während eines USA-Aufenthalts in Boston. Heute ist der 43-Jähriger bekennender Fan des NHL-Teams der Vegas Golden Knights.

  • Entertainer:

    Bereits während seines Studiums war Gastner im Uni-TV zu sehen. Später moderierte er das Ice Tigers Magazin im Lokalsender Frankenfernsehen.

  • Ice Tigers:

    Zwischen 2004 und 2018 war Gastner Pressesprecher. Im Sommer 2018 übernahm er das Amt des scheidenden Geschäftsführers Christoph Sandner. Zum Antritt sagte der 43-Jährige: „Mein Herz hängt seit knapp zwei Jahrzehnten an den Ice Tigers. Den eingeschlagenen, erfolgreichen Weg nun als Geschäftsführer maßgeblich mitbestimmen zu können, macht mich sehr stolz.“

Worin sehen Sie die Gründe der bisherigen sportlichen Talfahrt?

In erster Linie hatten wir Pech. Die meisten Spiele haben wir mit einem Tor Unterschied verloren. Diese Spiele hätten wir auch gewinnen können. Wenn wir abgeschossen und chancenlos gewesen wären, würde sich die Fehlersuche einfacher gestalten. Bestes Beispiel war die Partie gegen Schwenningen: Das Ergebnis lautete 0:2, ich persönlich sah aber einen 5:1-Sieg für uns - eigentlich. Hinzu kommt das große Verletzungspech in dieser Saison. Das sind keine Ausflüchte, sondern Erklärungen. Deswegen sind Siege wie gegen Wolfsburg wichtig, um das Selbstbewusstsein zurückzubringen.

Auffallend viele Spieler verletzten sich bereits zu Beginn der Saison. War das wirklich nur Pech, oder wurden Fehler in der Trainingssteuerung gemacht?

Das war auch einer der Gründe, warum wir uns so schnell von Trainer Kevin Gaudet getrennt haben. Das war ein extrem hartes Training unter ihm. Ich persönlich halte es nicht für sinnvoll, einen Profisportler schon in der Vorbereitung im Kraftraum bis zur absoluten Erschöpfung trainieren zu lassen. Denn wenn ich übertrainiert bin, passieren solche Muskelverletzungen wie bei Brandon Segal oder Dane Fox nunmal.

„Wir sind entspannt“

Die erhoffte Verbesserung blieb aber auch unter Gaudets Nachfolger, Martin Jiranek, aus. Die Teilnahme an den Playoffs ist ernsthaft gefährdet. Warum bleiben Sie trotzdem gelassen?

Wir sind entspannt, weil alles im direkten Kontakt und ständigen Austausch mit Martin geschieht. Ganz ehrlich: Wenn ich den Eindruck hätte, dass Martin die Mannschaft nicht mehr erreicht, würden wir handeln. Auch ein Martin Jiranek würde das dann spüren. Aber die Stimmung in der Mannschaft ist gut, wir haben keine Grüppchenbildung. Es gibt derzeit keine Trainerdiskussion bei uns. Wir sind der Meinung, dass Martin auf dem richtigen Weg ist.

Wie erklären Sie sich den deutlichen Leistungsabfall eines langjährigen Leistungsträgers wie Leo Pföderl?

Das hat mehrere Gründe. Zum einen kann es immer mal passieren, dass ein Spieler eine schwächere Saison spielt als in den Vorjahren. Zum anderen fehlen Leo die Sturmpartner, die in den vergangenen Jahren wichtig waren für sein Spiel - allen voran David Steckel. Drittens könnten auch die Spekulationen um seinen angeblichen Wechsel dazu führen, dass er im Kopf nicht ganz frei ist.

Wie ist der aktuelle Stand in der Causa Pföderl?

Fakt ist: Bei uns hat Leo keinen neuen Vertrag unterschrieben. Er selbst äußert sich nicht dazu, und auch sein möglicher neuer Verein hat sich noch nicht geäußert.

Beim Blick auf den Zuschauerschnitt (4628) der laufenden Saison dürfte sich Ihre Freude ebenfalls in Grenzen halten ...

Wir hatten vor der Saison mit ca. 5500 Zuschauer pro Partie kalkuliert. Jetzt steht die Weihnachtszeit bevor, da wird es erfahrungegmäß immer voller in der Arena. Wir haben den Zuschauerschnitt nach der Mannschaft auf dem Papier geplant. Das steht noch nicht in Einklang mit den gezeigten Leistungen. Kopfschmerzen bereitet uns die Entwicklung aber nicht.

„Es ist etwas Besonderes“

Trübt die bisherige enttäuschende Saison Ihre Vorfreude auf den bevorstehenden Spengler-Cup in Davos?

Nein, überhaupt nicht. Der Spengler Cup ist großartig, es ist etwas Besonderes, da dabei zu sein. Ich war vor wenigen Wochen bereits in Davos und kann sagen: Es ist ein wahnsinnig tolles Stadion, eine unglaubliche Organisation. Sowohl die Mannschaft, als auch alle Offiziellen der Ice Tigers feuen sich sehr darauf.

So wie sicherlich auch auf die Begegnung mit dem Deutschen Meister EHC Red Bull München am 7. Dezember. Dann kommt es auch zum Wiedersehen mit Ex-Ice Tiger Yasin Ehliz.

Absolut. Wir werden eine volle Hütte haben, außerdem hat die Vergangenheit gezeigt, dass die Ice Tigers gegen Spitzenteams wie Mannheim oder München eigentlich immer Topleistungen in der Arena abgerufen haben. Darauf hoffen wir auch diesmal. Außerdem findet die „Retirement-Zeremonie“ für Steven Reinprecht statt. Dann ziehen wir sein Trikot mit der Rückennummer 28 für immer unter das Hallendach. Es wird ein klasse Event und ein richtig toller Eishockey-Abend.


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