MyMz

Wagnis

Erfolgreiche Bewerbung für die Rad-Bundesliga

Die Regensburger Studentin Luisa Beck (21) strampelt demnächst an der Seite von Olympia-Kandidatinnen und einer finnischen „Sportlerin des Jahres“.
Von Martin Rutrecht, MZ

Luisa Beck, hier im Dress des RSC Kelheim, greift heuer mit einer prominent besetzten Equipe in der Bundesliga der Frauen an. Foto: privat

Ihrlerstein. Sie setzte sich hin, schrieb Bewerbungen –und landete in der Bundesliga. An netten Formulierungen lag’s weniger, vielmehr waren es ihre Referenzen, die der 21-jährigen Luisa Beck aus Regensburg das Tor zur Radsport-Equipe „Team Rothaus Vita Classica“ öffneten. Mit der Mannschaft aus dem Breisgau – der Sitz ist Bad Krozingen bei Freiburg – wird die Studentin heuer die Frauen-Bundesliga bestreiten und stößt damit in die nationale Spitze der Cyclistinnen vor. Ihre Teamkolleginnen starteten zum Teil schon bei Olympischen Spielen oder sind auf dem Weg nach London.

Vom Mountainbike aufs Rennrad

Mehrere Bundesliga-Teams schrieb Beck an, die „Rothaus“-Mannschaft meldete sich. „Sie ist genau die richtige Ergänzung für uns“, sagt der sportliche Leiter Mark Schneider, im Badischen Radsportverband Landestrainer für die U-17- und U-19-Juniorinnen. Dass die Breisgauer anriefen, lag vornehmlich an erstaunlichen Erfolgen der Ihrlersteinerin, die erst seit 2009 im Radsportgeschehen mitmischt.

Die Lehramtsstudentin für Mathematik und Sport an Realschulen stieß aus der Mountainbike-Szene zu den Rennrad-Pedaleurinnen. Im ATSV Kelheim hatte sie Handball gespielt. Sie entdeckte, dass ihr das Straßenpflaster liegt. „Die Wettkämpfe sind spannender als im Mountainbiken“, findet sie. Schon 2009, ihrem Premierenjahr, gewann sie ein Rennen in Strullendorf und wurde in Viechtach Dritte. Im Vorjahr trat die 21-Jährige als Solistin ab und zu in der Bundesliga an. „Da ist das Tempo um einiges höher.“ Dennoch gelang es ihr, zumindest im Hauptfeld im Ziel mitzuhalten. Bei bayerischen Konkurrenzen lachte sie in Ingolstadt und Töging vom Podest.

Jetzt steht sie vor einer „neuen Herausforderung“. „Alleine bist du in der Bundesliga verloren. Mich reizt es, in einer Mannschaft zu fahren und Erfahrung zu sammeln.“ Bei ihrem Heimatverein RSC Kelheim war an ein Damen-Team nicht zu denken. „Es gibt zu wenig Frauen, die den Radsport ernsthaft betreiben.“ In Bayern findet sich keine einzige Bundesliga-Truppe.

Daher musste Beck auf Teams in anderen Bundesländern zugehen. Eine Reaktion hatte die Ihrlersteinerin nicht unbedingt erwartet. „Man muss etwas Glück haben, um den Fuß in die Tür zu bekommen.“ Ihr Glück war – so widersprüchlich es klingt – die Stärke des Breisgauer Teams. „Wir haben mehrere Fahrerinnen, die auf die Olympischen Spiele 2012 hinarbeiten. Wegen Nationalkaderlehrgängen oder anderen Verpflichtungen sind sie zu den Bundesliga-Rennen eher selten da“, sagt Teamleiter Schneider.

Ergo sind Lücken aufzufüllen. Aufgrund der ansprechenden Auftritte von Beck in ihren ersten Radsport-Jahren sehen die Badener Potenzial bei der 21-Jährigen. „Ich denke, sie wird einen Leistungssprung machen“, sagt Schneider. Eine Bereicherung sei sie auf alle Fälle. „Sie ist für alle Bundesliga-Rennen gesetzt.“

Trainingslager in der Toskana

Dass auf dieser Ebene ein anderer Wind weht, zeigte die Vorbereitung. Zwei Mal wurde Beck zu einem Lehrgang nach Freiburg gerufen, zehn Tage strampelte sie sich auf Mallorca ab. In der Faschingswoche bricht die Crew zu einem Trainingslager in der Toskana auf. Danach ist in Freiburg ein erstes Testrennen angesetzt. „Im Vorjahr kam ich auf rund 14000 Radkilometer, heuer dürften es 2000 mehr werden“, rechnet Beck vor. Langlauf- oder Kraft-Einheiten kommen dazu. In den Semesterferien oder in der prüfungsfreien Zeit sei das höhere Trainingspensum kein Problem, „schwierig wird es, wenn’s an der Uni rund geht“.

Ihre Teamkolleginnen hat die Regensburger Studentin schon kennengelernt. „Schülerinnen und Studentinnen sind genauso dabei wie berufstätige Radsportlerinnen. Die Mischung passt.“ Prominente Mitstreiterinnen sind Elke Gebhardt, Verena Jooß und Alexandra Sontheimer. Ex-Profi-Fahrerin Gebhardt gewann 2008 EM-Bronze auf der Bahn und mit Sontheimer und Jooß im selben Jahr den Teamsprint beim Bahnrad-Weltcup in Kopenhagen. Die Karlsruherin Jooß startete 2008 bei den Olympischen Spielen und wurde in der Bahn-Einzelverfolgung Elfte. Jooß und Gebhardt peilen die Olympia-Teilnahme 2012 an.

Kurbeln für Gottes Lohn

Ähnliches hat Ellen Heiny vor. Sie strengt allerdings die Paralympics an, denn sie ist im Tandem mit einer blinden Cyclistin erfahrene Steuerfrau. London hat auch Pia Sundstedt im Auge. Die Finnin ist eine interessante Radsport-Dame. Sie war schon Zweite im Gesamtweltcup, holte zwei Mal Rang zwei beim belgischen Klassiker Flèche Wallonne und belegte bei Olympia im Jahr 2000 in Sydney im Straßenrennen Rang 21. Dafür wurde sie in Finnland zur „Sportlerin des Jahres“ gekürt. Mittlerweile ist das Mountainbiken ihre Domäne, in der sie in London starten will. Weitere Mitstreiterinnen sind die Fünfte der Bundesliga-Einzelwertung 2010, Katrin Hammes, die jungen Talente Stefanie Fischer und Marion Bächle sowie Jasmin Rebmann und Stefanie Meizer.

In diesem Pulk geht Luisa Beck am 3. April in die Bundesliga-Saison (siehe Info-Kasten). „Ich will Spaß haben und vielleicht auch ein wenig Erfolg.“ Daneben fährt die 21-Jährige im RSC-Trikot weiterhin bayerische Rennen und möchte zudem einen Abstecher zu einer Rundfahrt nach Frankreich unternehmen.

Eine Entlohnung für die Bundesliga-Starts ist nicht drin. „Wir sind eine Amateurtruppe und verstehen uns als Sprungbrett zu größeren Teams“, erklärt der sportliche Leiter Schneider, „allerdings bekommen alle ein Rad zur Verfügung gestellt, die Bekleidung ist kostenlos und für die Wettkämpfe ist keine Eigenbeteiligung erforderlich.“ Die Studentin meint: „Des Geldes wegen mach’ ich es sowieso nicht.“ Ausgezahlt haben sich die Papierkosten für die Bewerbungsschreiben auchschon so.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht