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MZ-Interview

Florian Hinterberger: „Ich kann nur arbeiten – und hoffen“

Der neue Sportkoordinator des TSV 1860 München Florian Hinterberger spricht mit Bernhard Völkl über seine schwere Aufgabe – und deren Reiz.

Florian Hinterberger (r.) und Trainer Reiner Maurer planen die sportliche Zukunft des TSV 1860. Foto: Lex

Herr Hinterberger, haben Sie es schon bereut, das Amt des Sportkoordinators beim TSV 1860 übernommen zu haben?

Überhaupt nicht. Natürlich ist der Zeitpunkt meines Einstiegs ein Extremfall. Für mich ist das aber auch eine besondere Herausforderung.

Die Situation ist angespannt, das Thema Insolvenz kreist um den Verein. Können Sie überhaupt vernünftig arbeiten?

Ich bin jetzt seit zwei Wochen hier und – glauben Sie mir – es gibt eine Menge Arbeit. Wir können ja nicht einfach den Betrieb einstellen. Also planen wir so, als würde es die finanzielle Unsicherheit nicht geben. Ansonsten kann auch ich nur abwarten.

Ist es eine Herzensangelegenheit für Sie?

Ja schon. Ich wohne seit Jahren in Tutzing am Starnberger See, der Kontakt zum Verein war immer da. Ich bin sozusagen von den Löwen geprägt, seitdem ich 1969 als kleiner Junge mit meinem Bruder als Fan im Grünwalder-Stadion stand. Später war ich dort dann Profi und Trainer der Amateure. Für mich schließt sich ein Kreis.

Und wie kam es zu Ihrem Engagement?

Präsident Dieter Schneider hatte mich schon vor einiger Zeit angesprochen. Dann gab der Verein im April die Trennung von Sportdirektor Miroslav Stevic zum Saisonende bekannt. Daraufhin haben wir die Gespräche vertieft. Ganz dumm waren meine Vorstellungen wohl nicht. Jetzt bin ich für den Leistungsbereich zuständig.

Also auch für die Amateure und die Jugend?

Ja, ich werde eng mit unserem Nachwuchsleistungszentrum zusammenarbeiten. Auch hier können wir in Zukunft noch besser werden.

Die Jugendarbeit bei 1860 gilt bereits als vorbildhaft. Timo Gebhart, die Bender-Zwillinge…

Das ist richtig. Aber: Unser Ziel muss es künftig sein, unsere Talente nicht mehr zu früh und vor allem zu billig herzugeben. Spieler wurden in der Not verkauft, nach dem Motto „Friss oder stirb“. Das ist schlecht. Natürlich werden wir auch in Zukunft nicht umhinkommen, den ein oder anderen zu verkaufen. Aber dann zum richtigen Zeitpunkt.

Apropos Zeitpunkt: Stimmt es, dass Sie bis jetzt noch gar keinen Vertrag unterschrieben haben?

Das ist richtig, bis jetzt gibt es nur eine Vereinbarung. Aber die Unterschrift wird folgen – sobald es gesichert ist, dass es weitergeht. Ich kann derzeit nur arbeiten – und hoffen.

Wie groß ist die Hoffnung?

Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Am 31. Mai ist Deadline, wir sind noch nicht durch.

Unterschreiben dann auch Spieler wie Benjamin Lauth, dessen Vertrag ausläuft?

Wenn die finanzielle Situation geklärt ist, setzen wir uns zusammen. So ist es mit ihm ausgemacht. Ich kenne Benny ja schon lange, hatte ihn früher als Spieler in der U 23. Er fühlt sich wohl hier, die grundsätzliche Bereitschaft zu bleiben, ist vorhanden. Aber er weiß auch, dass er sich finanziell bewegen muss.

Wie weit sind Sie mit der Kaderplanung?

Relativ weit. Wir arbeiten uns Stück für Stück voran. Wir wollen den Kader nicht aufblähen, deshalb hängt es bei möglichen Neuen auch davon ab, wer den Verein noch verlässt.

Antonio Rukavina und Aleksandar Ignjovski sollen von der Gehaltsliste?

Dazu muss ich jetzt mal was sagen: Beide sind ganz anständige Kerle. Aber sie haben Verträge, die in unserer Situation nur schwer zu realisieren sind. Wir versuchen die bestmögliche Lösung zu finden.

Mit Trainer Maurer sind Sie einst aufgestiegen. Wie eng arbeiten Sie zusammen?

Sehr eng. Ich werde nie einen Spieler holen, den der Trainer nicht kennt. Ich schätze Reiner als Trainer – und als Menschen.

Also Harmonie pur?

Ach, Quatsch. Wir sind auch nicht die dicksten Freunde, haben uns jahrelang nicht gesehen. Gleich unser erstes Gespräch über einen Spieler verlief kontrovers. So muss das ja auch sein.

Wie bewerten Sie die vergangene Saison?

Nachdem was alles vorgefallen ist, haben sich Trainer und Mannschaft mit Platz neun gut positioniert.

Das stellt die Fans aber nicht zufrieden…

Was sprang denn in den vorigen Jahren mit einem deutlich höheren Etat heraus? Da war es auch nicht besser. Klar ist aber, dass wir in der nächsten Saison oben mitspielen wollen. Zu den vier, fünf Aufstiegsfavoriten werden wir allerdings nicht zählen.

Das mittelfristige Ziel…

…kann nur Bundesliga lauten. Bei 1860 geht die Blickrichtung immer in Richtung Aufstieg. Den können wir uns nur mit einer klaren Linie erarbeiten.

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