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Hellwig kommt wieder in Tritt

Ehemaliger Radprofi sucht auf Zypern eine neue Herausforderung

  • ... Wolfgang Hellwig? Die Regensburger Woche, die er hier betrachtet, berichtete 1974 über seine Aufnahme in den Rokado-Profirennstall.Foto: Krelle

Von Dieter Krelle, MZ

REGENSBURG. Radsportlich war er seit Jahrzehnten in der Versenkung verschwunden, ehe ein Aufenthalt auf Zypern im Dezember ihn aufrüttelte, wo er sich mit ein bisschen Radfahren knapp zehn Kilo abstrampelte und als 55-Jähriger dann in einem Mountainbike-Rennen gegen wesentlich jüngere Konkurrenz Rang sieben herausfuhr. Wolfgang Hellwig, der einst in Regensburg über ESV 27-Radguru Alois Müller mit dem Radrennsport Berührung fand und dann beim RRC 1949 als Jugendfahrer ab 1964 Siege am Fließband herausfuhr, fand plötzlich wieder Spaß an der Herausforderung, nicht zuletzt deshalb, weil ihn der zypriotische Verband mit vier Wochen Aufenthalt in einer Jugendherberge belohnt hatte.

Der deutsche Jugendmeister im Querfeldeinfahren von 1968 (damals für TC Nürnberg) und erste Regensburger, der Radprofi (1974/ 75 im Rokado-Team Holzwickede) wurde, versuchte sich 38 Jahre später bei der Cross-DM in Hamburg, landete dort auf einem Mountainbike (das erst einen Tag vorher eingetroffene Crossrad war noch nicht auf ihn abgestimmt) auf Platz 24 der Senioren-Klasse Ü40. Grund genug für ihn, sich gleich auch bei der Cyclcross-WM der Senioren in Mol-Zilvermer (Belgien) zu versuchen. Platz 18 als bester Deutscher der Altersklasse 1947-1951 sprang auf dem schwierigen Sanddünen-Kurs für ihn heraus.

Was für den im Trikot des RSV Bochum startenden Oldie wohl nicht der Erwähnung wert gewesen wäre, wäre nicht wieder mal, wie so oft in seinem Leben, vieles verquer gelaufen. Mit dem Zug angereist, aus Kostengründen 40 km vom Startort billig übernachtend, hatte er den Zug zum Startort verpasst, weil seine Uhr nachging. Mit dem nächsten Bus bis 15 Kilometer vor den Startort gekommen, ging es von dort mit dem Rennbike, die Ersatzteile geschultert, auf die Irrfahrt, die ihn gerade mal 40 Minuten vor dem Start ans Ziel führte.

„Es läuft halt selten glatt“, sagt Wolfgang Hellwig, der 1972 nach vorher zehn Saisonsiegen vergeblich von Olympia träumte und dann 1974 mit seinem Wechsel in den von Beginn an klammen Profirennstall Rokado den berühmten Griff ins Klo tat. 1975, nur wenige Monate nach seinem zweiten Tour de Suisse-Start, wo er zunächst als Etappensechster seinen größten internationalen Erfolg herausfuhr, zwei Tag später bei Schneeeinbruch aufgeben musste, weil sein Rennstall nicht mal eine Wetterjacke für ihn hatte, war’s vorbei mit dem Radsport.

„Auf die Reamateurisierung hatte ich damals zwei Jahre warten müssen“, beschreibt er den Abschied vom Radsport. Mit Jobs wie ambulanter Schmuckhändler lebte er mehr schlecht als recht, schien dann nach der deutschen Einigung mit einem Süßwarenhandel in den neuen Bundesländern das große Los gezogen zu haben, ehe ihn die bittere Schuldenrealität einholte.

Seitdem hält er sich überwiegend mit der staatlichen Grundversorgung über Wasser, wenn ihm nicht gerade Freunde wie sein ehemaliger Masseur Uli Basalla (heute Vorstand des RSV Bochum) unter die Arme greifen, beispielsweise auch mit dem Startgeld für die Cross-WM. Größtes Handikap für ihn war, dass er erst in diesen Tagen seinen Führerschein zurückerhält, der seit einer Straßenverkehrgefährdung vor sieben Jahren nie mehr so recht in seinen Besitz kam.

Mit dieser Aussicht kehrte auch sein Unternehmungsgeist zurück. „Die Radrennfahrer finden auf Mallorca kaum noch Platz. Ich will ihnen nun auf Nordzypern eine Alternative zur Vorbereitung auf den Radfrühling bieten“, berichtet er von Verhandlungen mit dem Hotel Acapulco in Kyrenia (im türkischen Landesteil) und der türkischen Fluggesellschaft Kibris.

„Da bin ich schon ziemlich weit“, sagt er, dessen Sohn Sven, Koch in einer österreichischen Nobelherberge, von dort aus die Geschäfte führen soll, während er die Radenthusiasten durchs Land führen will. Wäre alles zu schön, wenn da nicht noch eine Kleinigkeit fehlte. „Ich bräuchte Leihräder“, beschreibt Hellwig sein Vorsprechen beim Zweirad-Center Stadler, auf dessen Entscheidung er nun voller Spannung wartet.

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