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Sport aus Kelheim
Freitag, 20. Juli 2018 30° 1

Toptalent

17-Jähriger verblüfft die Ringerszene

Johannes Mayer vom ATSV Kelheim gewinnt deutschen Junioren-Titel – obwohl er eigentlich zu jung ist. Die EM hat er im Fokus.
Von Martin Rutrecht

Johannes Mayer (in blau) kämpft sich zum deutschen Junioren-Titel und sorgt im ATSV Kelheim für Begeisterung. Foto: René Weiss
Johannes Mayer (in blau) kämpft sich zum deutschen Junioren-Titel und sorgt im ATSV Kelheim für Begeisterung. Foto: René Weiss

Kelheim.Im ATSV Kelheim musste man lange zurückblättern. Wann gab es in dieser früheren Ringer-Hochburg zuletzt einen deutschen Einzel-Meister? „Ich kann es nicht genau sagen, jedenfalls liegt es eine lange Zeit zurück“, erklärt Pressewart Stephan Hacker. Der 17-jährige Johannes Mayer aus Painten sorgte für ein Ende der Durststrecke. Bei den deutschen Titelkämpfen der Junioren sicherte er sich Gold im Freistil. Das Verblüffende: Der Youngster gehört eigentlich noch der jüngeren Altersklasse Kadetten an.

„Ich bin stressfrei und ohne Druck in die Kämpfe gegangen.“

Johannes Mayer

„Es war mein großes Ziel, endlich da oben zu stehen“, sagt das Ringertalent, das seit Herbst an der Bertolt-Brecht-Schule in Nürnberg sowohl seinem Sport als auch seiner schulischen Laufbahn am Gymnasium nachgehen kann. Im Vorjahr hatte es bei den Kadetten zu Bronze gereicht. „Der Vorteil heuer bei den Junioren war, dass ich in dieser höheren Altersklasse nichts zu verlieren hatte. Ich bin stressfrei und ohne Druck in die Kämpfe gegangen.“

Deutschen Meister weggeräumt

Begleitet von seinen Eltern, seinem Coach an der Sportschule sowie Bayerns Landestrainer Matthias Fornoff fuhr Mayer zu den Titelkämpfen im Freistilringen nach Bad Kreuznach. In der Gewichtsklasse bis 92 kg durfte der Nachwuchsnationalkader-Athlet die Farben des Freistaats und seines Vereins hochhalten. Vier Jahre in Folge war er schon auf dem Treppchen gestanden – nur nicht ganz oben.

Neun junge Männer zählte das Feld seiner Gewichtsklasse. Der Paintner begann fulminant. Kevin Kusminski vom Landesverband Nordbaden sah sich bald einem Beinangriff ausgesetzt und nach mehreren Durchdrehern hatte Mayer den Sieg durch „Technische Überlegenheit“ in der Tasche.

Landestrainer Matthias Fornoff (l.) ist stolz auf seinen Kelheimer Schützling. Foto: Mayer
Landestrainer Matthias Fornoff (l.) ist stolz auf seinen Kelheimer Schützling. Foto: Mayer

Im nächsten Duell wartete ein echter Prüfstein: Der Südbadener Abdullah Adigüzel ist nicht nur Deutscher Meister 2017 bis 100 kg, sondern weist als EM-Zehnter des Vorjahres auch internationale Meriten aus. „Ich kenne ihn aus vielen Lehrgängen im Vorfeld der Meisterschaft und vom Bundeskader. Er war meistens mein Trainingspartner“, so der ATSV-Recke.

Mayer stieg erneut mit einem Beinangriff ein. Der Kelheimer Athlet punktete weiter, in dem er den Südbadener in die Knie zwang und in der Bodenlage Wertungen verbuchte. Der klare Endstand von 7:0 bedeutete zugleich den Poolsieg.

„Der gesamte ATSV Kelheim ist stolz auf ihn.“

Stephan Hacker

Nach diesen starken Auftritt stand der 17-Jährige bereits im Finale um den deutschen Junioren-Titel. Sein Gegner Ertugrul Agca stammt vom Bundesliga-Klub TV Essen-Dellwig, gilt dort als riesen Talent und unterstreicht das mit Spitzenplatzierungen bei deutschen Titelkämpfen. Weil dieses entscheidende Duell erst am zweiten Wettkampftag ausgetragen wurde, hatten die beiden Rivalen Zeit sich zu erholen.

Ausgeschlafener war zunächst der Kontrahent, der die ersten Punkte erntete. „Das waren die ersten Zähler, die ich bei der Meisterschaft abgab“, erwähnt Mayer. Aber der Paintner konnte sich einmal mehr auf seinen Beinangriff verlassen. Eine weitere Wertung verbuchte er wegen Passivität von Agca. Durch eine erzwungene Bodenlage, die mit zwei Punkte belohnt wurde, stand fest: Der Titel geht an Johannes Mayer. Das Resultat lautete 5:3.

Schule gibt ihm den Freiraum

„Alle Ringer im ATSV Kelheim sind stolz auf ihn“, freut sich Pressewart Hacker mit dem Schützling. Hinter Mayers Erfolg steckt harte Arbeit. „Ich trainiere sehr viel. Die Schule gibt mir dafür optimalen Freiraum. Für Lehrgänge oder andere Maßnahmen bekomme ich problemlos Freistellungen“, berichtet er. Die Oberstufenklassen 11 und 12 kann er auf drei Jahre verteilt absolvieren.

In der Zweiten Liga

  • Mit dem Aufstieg

    in die Oberliga Nord kämpfen die Ringer des ATSV Kelheim in der nächsten Saison in der zweithöchsten Klasse Deutschlands. Im September beginnt die Herausforderung für die Kreisstädter.

  • Johannes Mayer

    hält dem ATSV die Treue. „Die zweite Liga ist genau das, was ich zur Weiterentwicklung brauche“, sagt er. Ob es ihn mittelfristig in die Bundesliga verschlägt, lässt er noch offen.

Als Deutscher Meister geht der Paintner in der Favoritenrolle auf die nationale Entscheidung in seiner eigentlichen Altersklasse in zwei Wochen zu. „Das soll der entscheidende Schritt Richtung Kadetten-EM werden, die Ende April in Kiew steigt. Nach dem deutschen Titel sieht es ganz gut aus mit der Qualifikation dafür“, lächelt der Hoffnungsträger.

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