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Wechsel

Brandler Club-Profi geht nach Großaspach

Philipp Hercher verlässt den 1. FC Nürnberg und wechselt in die 3. Liga. „Ohne Spielpraxis hilft mir die Bundesliga nichts.“
Von Martin Rutrecht

Nach sieben Jahren verlässt Philipp Hercher (l. gegen den SSV Jahn) den 1. FC Nürnberg und geht in die 3. Liga. Foto: Weller
Nach sieben Jahren verlässt Philipp Hercher (l. gegen den SSV Jahn) den 1. FC Nürnberg und geht in die 3. Liga. Foto: Weller

Ihrlerstein.Es scheint widersprüchlich: Der 1. FC Nürnberg klettert in die 1. Bundesliga hoch, für den Ihrlersteiner Profi-Kicker Philipp Hercher im Clubberer-Dress täte sich eine riesen Chance auf – doch der 22-Jährige geht. Für den Brandler fügt es sich aber zusammen. „Auf Erstliga-Einsätze zu hoffen, wäre nicht realistisch“, sagt der Mittelfeldspieler. Hercher schlägt einen neuen Weg ein: Nach sieben Jahren bei den Franken bricht er seine Zelte ab und wechselt zum SG Sonnenhof Großaspach in die 3. Liga.

„Mir war klar, dass ich in Nürnberg nicht mehr zu den Profis hoch komme.“

Philipp Hercher

Die Daten sind beeindruckend: 60 Spiele, 23 Tore. Was Philipp Hercher in zweieinhalb Spielzeiten (ein halbes Jahr war er an den VfR Aalen ausgeliehen) beim Club ablieferte, stellt ein formidables Zeugnis dar. Allein – es sind alles Einsätze in der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg in der Regionalliga Bayern. „Ich hatte einen recht guten Start, als ich 2015 zu den Profis hoch rückte“, blickt er zurück. Der Ihrlersteiner feierte sein Zweitliga-Debüt mit einer Einwechslung auf St. Pauli.

Ausleihe lief nicht glücklich

Der damalige Club-Coach René Weiler band den talentierten Youngster, der in Nürnberg U17- und U19-Bundesliga-Jahre sammelte, eng an den Kader. Allerdings kam in Herchers Premierensaison nur noch ein 23-minütiger Auftritt gegen Eintracht Braunschweig hinzu. Im Herbst der nächsten Spielzeit waren es ganze 60 Sekunden gegen den Karlsruher SC. „Ein Trainer hat mir mal gesagt: Für die Regionalliga bist du fast zu gut, an die 2. Liga kommst du noch nicht ganz ran“, beschreibt der Ihrlersteiner sein Dilemma bei den Franken.

Unter Aufstiegstrainer Michael Köllner (r.) fand der Brandler in der ersten Mannschaft nicht mehr statt. Foto: Daniel Karmann/dpa
Unter Aufstiegstrainer Michael Köllner (r.) fand der Brandler in der ersten Mannschaft nicht mehr statt. Foto: Daniel Karmann/dpa

Deshalb bahnte sich im Winter 2016/17 auch die Ausleihe zum VfR Aalen an. Sieben Mal lief Hercher an der neuen Station in der 3. Liga auf. „Das halbe Jahr war nicht besonders glücklich“, gesteht der 22-Jährige. Schon bei seiner Rückkehr zum Club vor einem Jahr war ihm „von vorneherein klar, dass ich in Nürnberg nicht mehr zu den Profi hochkommen werde“.

Bereits vor Jahresfrist hatte der Ihrlersteiner andere Angebote. „Aber ich wollte noch ein Jahr Spielpraxis in der Regionalliga mitnehmen und Selbstvertrauen tanken.“ Das glückte ihm mit 34 Partien und zehn Toren in seiner letzten Saison für den Club II. Am fünften Abschlussrang hatte Hercher maßgeblichen Anteil. Dass seine Zeit in Franken zu Ende sei, signalisierte ihm auch der Verein frühzeitig.

Andere Angebote lukrativer

Der Brandler geht im besten Verhältnis: „Der Club ist ein riesen Verein, der unbedingt in die erste Liga gehört. Nürnberg hat mir als jungem Spieler einen Profi-Vertrag gegeben. Sicher hätte ich gerne das eine oder andere Zweitliga-Spiel mehr gemacht.“

Im Weg stand manchmal der Erfolgsdruck bei den Franken. „Schon in der Saison mit René Weiler ging es um den Aufstiegsrelegationsplatz. Wären wir im Tabellenmittelfeld gelegen, hätte der Coach etwas ausprobieren können – so aber musste er ständig auf das Stammpersonal setzen, um die gesteckten Ziele zu erreichen.“

„Anderswo gäb’s vielleicht zwei Euro mehr, aber Großaspach ist ein sehr sympathischer Verein.“

Philipp Hercher

Dieses Suchen nach möglichen Gründen ist abgehakt („Vielleicht denke ich in ein paar Jahren noch mal drüber nach“). Die neue Adresse und der neue Auftrag heißt nun SG Sonnenhof Großaspach. „Es lagen mehrere Angebote vor und ich hätte anderswo vielleicht zwei Euro mehr verdienen können, aber Großaspach ist ein sehr sympathischer Verein, den ich seit längerer Zeit verfolge.“

Einerseits stehe hinter dem Klub ein „kleines Dorf mit familiärem Charakter“, andererseits aber auch „eine sehr professionelle Struktur“. „Der Verein geht jetzt in die fünfte Drittliga-Saison. Das hätte vor Jahren auch niemand gedacht.“ Zu Viertliga-Zeiten kickte der Bad Abbacher Profi Martin Wagner im Herbst 2010 für ein halbes Jahr am Sonnenhof.

Trainingslager mit den Club-Profis werden Philipp Hercher (l.) als Höhepunkte in Erinnerung bleiben. Foto: Hercher
Trainingslager mit den Club-Profis werden Philipp Hercher (l.) als Höhepunkte in Erinnerung bleiben. Foto: Hercher

Für die Großaspacher sagt Vorstandsmitglied Joannis Koukoutrigas über den Neuzugang: „Philipp ist ein Spieler, der sehr gut zu uns passt. Wir kennen ihn schon lange und haben seinen Werdegang verfolgt. Er ist jung und hat ein enormes Entwicklungspotenzial.“ Diese Qualitäten will Hercher auch an den Tag legen. „Ich brauche Spielpraxis, Woche für Woche. Ich möchte zeigen, was in mir steckt.“

Gegen Kaiserslautern und die Löwen

Auf die neue Saison blickt der Ihrlersteiner mit gespannter Vorfreude. „Wenn man sich anschaut, wer da alles vertreten ist: Kaiserslautern, Braunschweig, TSV 1860 München, Karlsruher SC – das sind Vereine mit riesen Geschichte.“ Sein neuer Verein betitelt die Saison mit „Die beste 3. Liga aller Zeiten“: Zehn ehemalige Bundesligisten und acht Ex-Zweitligisten befinden sich unter den 20 Teams. Für die Sonnenhöfer geht es erneut darum, sich in sicheren Gefilden einzunisten.

Kelheimer Profis und ihre Klubs

  • Felix Bachschmid:

    Trotz des Aufstiegs in die 3. Liga verlässt der 21-jährige Stürmer aus Kelheimwinzer den TSV 1860 München. Sechs Jahre – seit der U17 – kickte er für die Löwen. Sein neuer Klub ist der SV Wacker Burghausen in der Regionalliga.

  • Pascal Itter:

    Der Schierlinger Verteidiger (23) vollzieht im Sommer auch einen Vereinswechsel. Nach zwei Spielzeiten beim SC Paderborn, der in die 2. Liga aufsteigt, schließt sich der frühere U19-Europameister und Ex-Schalker dem Chemnitzer FC in der Regionalliga Nordost an.

  • Martin Wagner:

    Der Globetrotter innerhalb der deutschen Fußballwelt erlebt mit 31 Jahren ein Hoch. Seit 2013 kickt der Bad Abbacher „Emsland-Messi“ für SV Meppen. Dort spielte er jetzt eine starke Drittliga-Saison und hat Vertrag bis Sommer 2019.

  • Nico Dantscher:

    Der 21-jährige Verteidiger aus Ihrlerstein spielt seit einem Jahr beim Regionalligisten SV Schalding-Heining. Jugendjahre verbrachte er beim SSV Jahn Regensburg, bei der SpVgg Greuther Fürth und bei FC Ingolstadt, wo er auch ins zweite Herren-Team hoch rückte.

Philipp Hercher sucht derzeit noch eine Wohnung rund um Großaspach. „Eventuell werde ich nebenher in Stuttgart oder Heilbronn studieren.“ Von der SG wurde ihm angeboten, im Verein mitzuarbeiten. „Da sieht man auch, wie sehr sich der Klub um einen Spieler bemüht. Ich denke, ich werde mich dort schnell einleben.“ Auf zwei Kicker, die früher ebenfalls beim 1. FC Nürnberg spielten, trifft der Brandler auch. „Ich hoffe, dass es eine gute Zeit wird. Ich will beweisen, dass ich das Zeug zum Profi-Fußballer habe.“

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