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Sport aus Kelheim
Sonntag, 19. August 2018 31° 3

Aufsteiger

Der Football-„Terrier“ aus Painten

Sebastian Mayer (22) begann erst vor sechs Jahren, jetzt spielt er in der ersten Liga. „Das ist ein Job für echte Männer.“
Von Martin Rutrecht

Sebastian Mayer läuft für die „Wildcats“ aus Kirchdorf am Inn auf. Diesen Samstag bestreitet er sein erstes Spiel in der German Football League. Fotos: Franz Esterbauer
Sebastian Mayer läuft für die „Wildcats“ aus Kirchdorf am Inn auf. Diesen Samstag bestreitet er sein erstes Spiel in der German Football League. Fotos: Franz Esterbauer

Painten.Im Grunde, sagt Sebastian Mayer, sei er ein ruhiger Mensch. Er geht gerne raus in die Natur, beobachtet, denkt nach. „Aber wenn ich den Helm aufsetze, verändert sich etwas“, so der 22-Jährige aus Painten. Mit schwarzen Farbstrichen unter den Augen verwandelt sich Mayer in einen Footballer, der für die „Wildcats“ aus Kirchdorf am Inn aufläuft. Heuer misst sich der Forstwissenschafts-Student erstmals mit den besten Teams der Nation. Nach dem Aufstieg steht seine Truppe in der German Football League (GFL). An diesem Samstag kommen die Stuttgart Scorpions um 16 Uhr zum ersten Heimspiel.

„Wenn zwei 100-Kilo-Typen zusammen rasseln, schnackelt’s ein bisschen.“

Sebastian Mayer

Ein eiförmiger Ball muss in die gegnerische Endzone, dann gibt es Punkte – so viel wissen die meisten Menschen über Football. Dem Ballträger stellt sich die gegnerische Mannschaft in den Weg und versucht, ihn des Leders zu berauben. „Wenn zwei Typen mit 100 Kilogramm mit zehn Metern Anlauf zusammenkrachen, dann schnackelt’s“, sagt Mayer und wirkt dabei nicht, als würde er sich fürchten. „Da ist Dampf dahinter, das macht Spaß.“

Abräumer in der Verteidigung

Er selbst wiegt bei 1,76 Meter Größe 95 Kilogramm. „Das ist in Ordnung. Ich zähle zu den kleineren Spielern, dafür liegt der Schwerpunkt tiefer und ich kann mich gut durchwursteln“, lächelt der Paintner. Seit 2014 spielt er für die wilden Katzen. Begonnen hatte Mayer nur zwei Jahre zuvor. „Ich war Kicker bei der SG Painten, hatte aber mit 16 genug vom Fußball.“ Als ein paar Footballer aus Regensburg am Donau-Gymnasium Kelheim ihre Profession vorführten, war der damalige Schüler sofort „wahnsinnig angetan“.

Der Footballer aus Painten reißt einen Gegenspieler zu Boden.
Der Footballer aus Painten reißt einen Gegenspieler zu Boden.

Er heuerte 2012 bei den „Oberpfalz Spartans“ in Regensburg an, nur ein Jahr später stand er in der Bayern-Auswahl und gewann mit den „Bavarian Warriors“ das Jugend-Länderturnier in Hamburg. „Ich glaube, ich habe mich nicht ganz dumm angestellt“, sagt er zum rasanten Einstieg. Die „Kirchdorf Wildcats“ wurden auf ihn aufmerksam und schnappten sich 2014 den Youngster, der nun in den Herrenbereich wechselte. „Ich kannte einige Teamkollegen aus der Bayern-Auswahl, deswegen fiel mir der Schritt leicht.“

Vier Bänder gerissen

Das beschauliche Dörflein am Inn spielte damals bereits in der 2. Liga. „Was dort über Jugendarbeit und Trainer aufgebaut wurde, ist echt stark.“ Weil Mayer in seinem Sport weiterkommen will, nimmt er auch die einfache Strecke von 160 Kilometern von Painten nach Kirchdorf ins Training auf sich. „Von der Uni in Freising sind’s mit 110 Kilometern etwas weniger“, sagt der Student für Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement.

„Angst kann man sich nicht leisten, Respekt ist ok.“, sagt Mayer, der mit Nummer 44 das Feld betritt
„Angst kann man sich nicht leisten, Respekt ist ok.“, sagt Mayer, der mit Nummer 44 das Feld betritt

Mayer ist auf dem Feld Verteidigungsspezialist, im Fachjargon als „Inside-Linebacker“ bezeichnet. „Ich komme ins Spiel, wenn der Gegner den Ball hat.“ Als vorderste Front seiner Truppe bauen sich die 120 bis 140 Kilo schweren Offensivliner auf. „Dahinter bin ich gefordert, den Ballträger oder einen freien Spieler des Gegners anzugreifen und zu bearbeiten.“ Dabei gehe es nicht um die pure Kraft. „Man muss schnell sein und zudem den Spielzug des anderen Teams rasch lesen können.“

Für den 22-Jährigen ist Football mit „Schach am grünen Rasen“ treffend umschrieben. „Da rennen keine Schwergewichte blindlings rum. Offensive und Defensive haben klar umrissene Aufgaben, man kann sich stunden- und tagelang mit Taktik befassen.“ Mayer macht das. „Ich denke, dass ich dadurch ein ziemlich kompletter Spieler bin und von allem etwas mitbringe.“

„Ich spiele nicht mit einer Salatschüssel am Kopf. Körper und Geist sind mein Kapital.“

Sebastian Mayer

Der Paintner geht auch dorthin, wo’s weh gut. „Ich nehme es gerne mit, wenn es rasselt. Auf dem Platz bin ich ein kleiner Terrier.“ Die Spuren trägt sein Körper: Die beiden vorderen Kreuzbänder im Knie waren schon angerissen, die beiden Innenbänder komplett ab. „Nach den Operationen habe ich nachgedacht, es bleiben zu lassen. Aber ich liebe den Sport.“ Angst könne man sich „nicht leisten“. Wichtig sei eine gute Ausrüstung. „Ich spielte nicht mit einer Salatschüssel am Kopf.“ Die Diskussion in den USA über schwere Gehirnschäden nach der Football-Karriere ist ihm mahnendes Beispiel.

Hier sehe Sie eine Zusammenfassung des entscheidenden Aufstiegsspiels der Wildcats:

Auf dem Feld wird mit Zeichen kommuniziert. „Trainer oder Mitspieler deuten an, welcher Spielzug ausgeführt wird.“ Kommt er selbst in Ballbesitz, geht er sofort in den Gegenangriff über. „Einmal habe ich es fast bis in die Endzone geschafft.“ Aber kurz vor diesem Touchdown, der sechs Punkte bringt, warfen sich die Gegner auf ihn. Vier Versuche hat jedes Team, eine Distanz von zehn Yards zu meistern.

Sebastian Mayer (mit Ball) entwischt einem Gegenspieler.
Sebastian Mayer (mit Ball) entwischt einem Gegenspieler.

Jeden Tag trainiert der 22-Jährige, zweimal in der Woche mit der Mannschaft, „zudem gehe ins Fitnessstudio und einmal wöchentlich fahre ich mit Teamkollegen zu einem Athletiktraining nach München“. Mayer nimmt seinen Sport ernst. „Jeder Footballer träumt von den USA, aber das Thema ist für mich nicht realistisch.“ Irgendwann in die deutsche Nationalmannschaft zu kommen, wäre ein Ritterschlag – „ein weiter Weg“. Selbst als Erstliga-Spieler verdiene er nichts. „Wir kriegen die Fahrtkosten, das ist alles.“

Abschalten bei der Jagd

Vor dem ersten „Kickoff“ an diesem Samstag ist Sebastian Mayer „etwas mehr aufgeregt“ als sonst. „Wir werden gegen Stuttgart gleich sehen, wo wir stehen.“ Rund 1000 Fans erwartet man in Kirchdorf. „Es waren auch schon Paintner Kumpels bei uns. Da ist unbandig schön.“ Die größte Kulisse erreichen die „Frankfurt Universe“. „Da werden uns 5000 Zuschauer empfangen – so etwas muss man mitnehmen.“ Amtierender Meister sind die „Schwäbisch Hall Unicorns“. „Wir dürfen nur nicht Letzter werden, sonst müssen wir in die Abstiegsrelegation.“

Wenn Sebastian Mayer mal vom Trubel loslassen möchte, zieht er sich in den Wald zurück. „Ich habe auch den Jagdschein“, erzählt er. Kehrt er zurück aufs Feld, wird der Terrier in ihm wieder wach.

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