mz_logo

Sport aus Kelheim
Freitag, 17. August 2018 31° 2

Reform

Im Tischtennis beginnt eine neue Ära

Der Kreis Kelheim rückt aus Niederbayern in den Bezirk Oberpfalz-Süd. Vereine reagieren gelassen – der Spielermangel bleibt.
Von Martin Rutrecht

Kelheims Spieler werden sich künftig vor allem mit Vereinen aus dem Regensburger Raum messen. Foto: Archiv
Kelheims Spieler werden sich künftig vor allem mit Vereinen aus dem Regensburger Raum messen. Foto: Archiv

Kelheim,.In eine Richtung 117 Kilometer – für ein Tischtennis-Spiel. Dem FC Train könnte das theoretisch blühen, würde er in der neuen Bezirksoberliga beim Konkurrenten TV Waldmünchen antreten müssen. FC-Abteilungsleiter Markus Gigl reagiert ungerührt: „Zum einen spielen wir nicht so hoch, zum anderen hätten wir bisher bis nach Passau fahren müssen.“ Die Tischtennis-Platten in Bayern werden im Zuge einer Reform für die neue Spielzeit komplett auf den Kopf gedreht. Der Kreis Kelheim – den es nun nicht mehr gibt – wechselt mit seinen Vereinen aus Niederbayern in den Bezirk Oberpfalz-Süd, an dessen östlichen Ende Waldmünchen liegt.

„Freilich hätten wir’s gerne so gelassen, aber die Veränderungen sind unaufhaltbar.“

Markus Gigl

„Die Reform ist unumgänglich. Etliche kleine Kreise wie Kelheim kämpfen ums Überleben“, sagt Robert Wittl aus dem jüngst aufgelösten Kreisvorstand. Wittl arbeitete mit den letzten Kreischefs Thomas Gartner und Alexander Buchner federführend am neuen Konzept in der Region mit. Die 14 aktuell im Spielbetrieb stehenden Kelheimer Vereine finden sich künftig im Bezirk 13 wieder – mit Cham, Neumarkt sowie Stadt und Landkreis Regensburg. Der TSV Mainburg hat sich für einen Wechsel in den neuen Bezirk 14 (Oberbayern-Nord) entschieden.

Aktuell 300 Aktive in 50 Teams

Die Gründe für die Umgestaltung seien vielfältig, listen die bisherigen Kreisverantwortlichen auf: völlig unterschiedliche Größen der Kreise, immer weniger ehrenamtliche Mitarbeiter, fehlender Spielbetrieb für Mädchen und Damen in vielen Kreisen – und der Rückgang an Spielern und Teams. „Wir hatten in Kelheim zuletzt 300 Aktive in etwa 50 Mannschaften – andere Kreise zählen 100 Teams“, weiß Wittl.

Auch auf die Kelheimer Nachwuchsteams warten neue Ligen. Foto: Bernd Müller/Archiv
Auch auf die Kelheimer Nachwuchsteams warten neue Ligen. Foto: Bernd Müller/Archiv

Die Widerstände gegen die Neuausrichtung halten sich im Landkreis Kelheim in Grenzen. „Es ist ja schön, jetzt gegen andere Vereine und Gegner zu spielen. Auch wenn wir als kleinerer Kreis eine gewisse Zusammengehörigkeit hatten, weil jeder fast jeden kennt“, sagt Ex-Kreischef Gartner. „Freilich hätten wir es gerne so gelassen“, ergänzt Trains Abteilungsleiter Gigl, „aber die Veränderungen sind nicht aufhaltbar und nach einer gewissen Zeit werden wir uns daran gewöhnt haben.“

Ein Interview mit dem künftigen Bezirkschef über die Reform lesen Sie hier.

Auch die Tischtennis-Sparte im ATSV Kelheim sieht die Neuordnung positiv. „Da es weniger Kreise und damit weniger zu besetzende Ehrenämter gibt, kann man dem Mangel an bereitwilligen Personen für diese Ämter vorbeugen“, sagt Abteilungsleiter Ulrich Emmerling. „Es ist ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung.“ Hans Pirthauer von der Plattenriege des TSV Neustadt pflichtet ihm bei. „Es hat sich in den letzten Jahren angekündigt, dass etwas geschehen muss. Ein wenig überraschend ist nur, dass wir jetzt Richtung Regensburg spielen und nicht wie gedacht nach Landshut.“

Fahrtstrecken bereiten Kopfweh

„Etwas Kopfweh“ bereiten Pirthauer die weiten Fahrten, „speziell im Jugendbereich“. „Wenn Schüler um 17 Uhr heimkommen und dann noch zu einem Auswärtsspiel müssen, sind weite Strecken nicht angenehm.“ Um diese Reiserei einzuschränken, bleiben die 34 Vereine aus Kelheim und Regensburg/West (mit TSV Bad Abbach) ab der Bezirksklasse unter sich. Nur in der neuen Bezirksoberliga erstreckt sich das Einzugsgebiet auf den kompletten Raum Oberpfalz-Süd.

Robert Hauner, Tischtennis-Abteilungsleiter im TSV Abensberg, sieht noch ungelegte Eier: „Moment, die Bezirksversammlung ist erst Mitte Juni, bis dahin reden wir nur von einem Entwurf.“ Aber auch ihm ist klar, dass an dem Modell kein Weg vorbei führt. Letztlich ist auch Hauner dafür. „Dann haben wir wieder vernünftige Ligen mit zehn bis zwölf Mannschaften und keine Rumpf-Klassen. Und ob ich nach Riedenburg fahre oder nach Regensburg-Königswiesen, ist von der Strecke her ziemlich egal.“

Die neue Ligenstruktur

  • Tischtennis in Bayern

    wird sich nach der Reform in 16 annähernd gleichgroße Bezirke untergliedern. Bisher existierten sieben Bezirke und 63 Kreise. Eine Untergliederungsebene, nämlich die Kreise, fällt komplett weg.

  • Die höchste Liga im Freistaat

    nennt sich ab der Spielzeit 2018/19 Verbandsoberliga (derzeit Bayernliga), gefolgt von der Verbandsliga (dzt. Landesliga) und der Landesliga (dzt. 1. Bezirksliga).

  • Die Bezirksoberliga

    wird im jeweiligen Bezirk die höchste Klasse sein. Nur in dieser Liga stehen den Vereinen Fahrten quer durch den ganzen Bezirk bevor.

  • Der neue Bezirk 13

    gliedert sich in vier Regionen: Cham, Neumarkt, Regensburg-West/Kelheim und Regensburg-Ost/Donau. Insgesamt sind in diesem Bezirk „Oberpfalz-Süd“ rund 90 Vereine vertreten.

  • Die Bezirksliga West

    (unter der BOL) im Bezirk 13 bilden Regensburg-West, Kelheim und Neumarkt.

  • In den Bezirksklassen A bis D

    sind Regensburg-West und Kelheim eine Einheit, sprich die Ligen erstrecken sich nur über diese Gebiete.

Ein Problem könne auch die beste Reform nicht lösen, stimmen die Klubs überein: die rückgängigen Zahlen bei Spielern und Nachwuchs. Zwischen 20 bis 30 Aktiven stehen bei den Kelheimer Vereinen an der Platte. Frühere Hochburgen bröckeln. „Wir werden für die nächste Saison nur ein Herren- und ein Jugendteam stellen können“, sagt Neustadts Hans Pirthauer. „Wir sind eigentlich zufrieden“, erklärt Silke Weber, Chefin der Tischtennis-Abteilung im TSV Langquaid. Die „prinzipiell notwendige“ Reform sieht sie pragmatisch: „In einem Jahr werden wir wissen, ob es gut oder schlecht war.“

Fast keine Frauen mehr

Der letzte Kreisboss Gantner hegt die Hoffnung, „dass wieder mehr Spieler zum Tischtennis kommen, wenn mehr angeboten wird“. So soll es Bezirksklassen geben, für die ein Team mit vier Aktiven genügt. Fast völlig verschwunden waren zuletzt die Frauen-Ligen – es gab einzig eine Bezirksliga in ganz Niederbayern. „Bei den Damen ist es ganz schwierig“, sagt Silke Weber, die im TSV Langquaid noch eine Mitstreiterin hat.

Robert Wittl spricht nicht nur als bisheriger Kreis-Mitarbeiter, sondern auch als Leiter der TT-Abteilung im TSV Siegenburg. „Ich habe schon vor zehn Jahren eine Gebietsreform gefordert. Dass es jetzt so ein großer Wurf wurde, ist auch in Ordnung.“

Die Vereine der Region Kelheim/Regensburg-West

Kelheim: ATSV Kelheim, BSC Ihrlerstein, FC Teugn, FC Train, SC Mitterfecking, SC Thaldorf, SV Kelheimwinzer, SV Mühlhausen, SV Saal, TSV Abensberg, TSV Langquaid, TSV Neustadt/Donau, TSV Rohr,

TSV Siegenburg

Regenburg/West: ASV Undorf, DJK Duggendorf, DJK SB Regensburg, DJK SV Haugenried, ESV 1927 Regensburg, RT Regensburg, SC Sinzing, SG Post/Süd Regensburg, SG Waldetzenberg, SG Walhalla Regensburg, SV Diesenbach, TSG Laaber, TSV Adlersberg, TSV Bad Abbach, TSV Brunn, TSV Kareth-Lappersdorf, TTC Kallmünz, TTV Beratzhausen, TV Hemau, TV Etterzhausen.

Weitere Kelheimer Sportnachrichten finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht