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Kelheimer Kanuten jagen dem Ball nach

Eine kaum bekannte Sportart fasziniert junge Paddler: Beim Kanu-Polo muss das Runde ins Eckige. KCK richtet Turnier aus.
Von Alexander Roloff

Oben hängt das Tor, dort muss der Ball hinein. Zwei Teams spielen in Kanu-Booten gegeneinander. Fotos: Roloff
Oben hängt das Tor, dort muss der Ball hinein. Zwei Teams spielen in Kanu-Booten gegeneinander. Fotos: Roloff

Kelheim.Ein Spektakel der ganz besonderen Art wird am 7. und 8. Juli im Alten Hafen über die Bühne gehen, wenn am Rande des Stadtfestes das erste Kelheimer Kanu-Polo-Turnier steigt. Zur Premiere richtet der Kelheimer Kanuclub (KCK) die offenen bayerischen Meisterschaften aus. Die Hochburgen der Sportart sind im Ruhrgebiet, Hamburg und Berlin verortet. In Kelheim kann mangels anderer Leistungsklassen lediglich der Bayerische Meister im Herrenbereich gekürt werden. Dafür soll kräftig Werbung für die unbekannte Sportart betrieben werden.

„Es ist sicherlich kein sanfter Sport.“

Lukas Franke

Sechs Mannschaften haben für das zweitägige Event bereits gemeldet. Darunter auch eine eigene Truppe vom KCK, die bei ihren bisherigen Auftritten als Spielgemeinschaft mit dem Straubinger Kanuclub fungierte. Für die Zuschauer bietet sich die Möglichkeit, die tempo- und actionreichen Wasserspiele von der Naturbühne im Alten Hafen optimal zu überschauen. KCK-Akteur Lukas Franke erklärt, was der Sportart ihren besonderen Charme verleiht: „Kanu-Polo vereint viele Sachen und ist als Kombination einiger Sportarten zu sehen. Von der Aufstellung der Spieler lässt es sich mit Handball oder auch Basketball vergleichen, aber es hat auch eine leichte Rugby-Note. Es ist sicherlich kein sanfter Sport, bereitet aber unglaublich viel Spaß.“

Es geht ordentlich zur Sache

Auf einer 25 Meter breiten und 35 Meter langen Fläche sind rasante Wendemanöver und temporeiche Angriffszüge dennoch zur Genüge garantiert. Ein Spiel dauert zwei Mal zehn Minuten. Die Mannschaft, die den Ball am häufigsten ins gegnerische Tor wirft, gewinnt die Partie. Das Ziel ist jeweils auf den schmalen Seiten des Spielfelds angebracht. Die untere Torlatte befindet sich zwei Meter über dem Wasserspiegel. Die Trefferfläche ist eineinhalb Meter breit und einen Meter hoch.

Die Kanuten paddeln dem Ball hinterher und versuchen ihn in ihr Team zu bringen..
Die Kanuten paddeln dem Ball hinterher und versuchen ihn in ihr Team zu bringen..

Trotz der rauen Gangart speziell vor den Toren ist der faire Umgang miteinander prägend. Verletzungen sind selten, zumal Kopf und Körper gut geschützt sind und zwei Schiedsrichter im Wettkampf streng auf die Einhaltung der Regeln achten. Ein weiterer Pluspunkt für die in Kelheim junge Sportart, die aber auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblickt, ist die Geselligkeit. „Man besucht Turniere und lernt andere Mannschaften ganz gut kennen. Auch wenn es während der Spiele durchaus mal etwas härter zur Sache geht, gibt man sich anschließend die Hand und sitzt abends wieder zusammen“, so Franke.

Der 21-Jährige gehört neben Johannes Groß, Uli Steindl, Christian Stelzl, Felix Zieglmeier, Matthias Gabler sowie Klaus und Markus Kammermeier zum KCK-Team, das als Ausrichter am 7./8. Juli im alten Hafenbecken nach dem bayerischen Meistertitel trachtet. „Es wird schwierig“, meint Polowart Johannes Groß und weiß, dass die Erfolgsaussichten gegen Null gehen.

Doppelweltmeisterin Hannah Triebel aus Berlin trainiert mit den Kelheimern. Sie studiert in Regensburg.
Doppelweltmeisterin Hannah Triebel aus Berlin trainiert mit den Kelheimern. Sie studiert in Regensburg.

An der guten Laune nagt dieser Umstand nicht. Immerhin sei die Rolle als absoluter Außenseiter schlicht und ergreifend darauf zurückzuführen, dass auch Bundesligisten um die bayerische Krone wetteifern. Der KCK stelle hingegen das Team mit der jüngsten Historie und demzufolge mit der geringsten Erfahrung. „Üblicherweise bilden wir eine Spielergemeinschaft mit Straubing. Jetzt treten beide Mannschaften mit eigenständigen Teams an und die Kollegen sind uns einiges an Routine voraus“, erklärt der 19-jährige Groß.

„Wir sind von diesem Sport begeistert.“

Johannes Groß

Ausreichend gerüstet werden die Athleten vom KCK dennoch sein, um den Zuschauern einen nachhaltigen Eindruck von der Dynamik ihres Sports zu vermitteln. Rein äußerlich sind die Spieler mit Gitterhelm, Schutzweste, Doppelpaddel und speziellem Wettkampfkajak gewappnet. Innerlich treiben der Spaß und der Wille, sich stetig zu verbessern, an. „Seit drei Jahren sind wir von diesem Sport begeistert. Damals wurde uns Kanu-Polo am Tag des Sports vom Straubinger Kanuclub vorgestellt und wir waren angetan, haben trainiert und nehmen seit einem Jahr an Turnieren teil“, sagt Groß.

Acht Spieler bilden das Team vom Kelheimer Kanuclub.
Acht Spieler bilden das Team vom Kelheimer Kanuclub.

Die Teammitglieder waren bereits in der Kindheit mit ihren Eltern in Booten unterwegs. Nun wirkt Kanu-Polo neben der benötigten Vielseitigkeit auch durch Mannschaftscharakter eine besondere Faszination auf die jungen Sportler aus. „Kanu-Polo ist einfach eine coole Sache. Der Sport zeichnet sich eben speziell durch den Teamgeist aus.“ Dieser Spirit und der persönliche Ehrgeiz lassen das Team zwei Mal pro Woche trainieren. Die Übungseinheiten am Mittwoch und Freitag ab 17.30 Uhr sind mit den Fischern abgestimmt, die im alten Hafen ebenfalls zu ihrem Recht kommen wollen.

Eine Weltmeisterin gibt Anschub

Seit einem Jahr genügt den Athleten das Training allein nicht mehr. Die Aktiven im Alter von 17 bis 22 Jahren sind vom Wettkampfvirus infiziert und haben heuer bereits drei Turniere gespielt. In nachhaltiger Erinnerung wird der Ausflug nach Prag bleiben. Dort boten vier Spielfelder und 40 Mannschaften laut Groß „ein ganz besonderes Flair“. Getoppt wurde dieses Event durch den Deutschland-Cup in Essen. Als Zuschauer ließen sich die jungen Kanuten von einem internationalen Topturnier inspirieren. Auf acht Feldern kämpften Spitzenteams aus 18 Nationen gegeneinander. Im Vergleich dazu fallen die bayerischen Meisterschaften mit einem Spielfeld übersichtlich aus.

Turnier im Alten Hafen

  • Teilnehmer:

    Für das erste Kelheimer Kanu-Polo-Turnier am 7. und 8. Juli haben Teams aus Neuburg (zwei Mannschaften), Coburg, Würzburg, Straubing und Ausrichter KC Kelheim gemeldet.

  • Modus:

    Abhängig von der Teilnehmerzahl wird am Samstag ab 8 Uhr in zwei Gruppen oder „Jeder gegen Jeden“ gespielt. Am Sonntag wird die Vorrunde beendet und anschließend folgen die Platzierungsspiele.

Die Trainingsgruppe vom KCK hat mittlerweile durch die Doppelweltmeisterin Hannah Triebel prominente Verstärkung erfahren. 2014 und 2016 holte die 21-jährige Berlinerin mit der Damen-Nationalmannschaft jeweils den WM-Titel. Durch ihr Pharmaziestudium in Regensburg kam der Kontakt zum KCK zustande. Hier gibt sie ihre Erfahrungen gerne weiter. „Schnelligkeit, Kraft und Präzision sind entscheidend, aber es ist auch wichtig, welche Taktik man in Angriff und Abwehr anwendet“, sagt die Weltmeisterin.

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