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Auslese

Nur die Besten für den SSV Jahn

Der Zweitliga-Klub hält Ausschau nach Kelheimer Juwelen. Jahnschmiede-Chef sieht darin kein Abwerben bei den Vereinen.
Von Martin Rutrecht

Der Kelheimer Tobias Schlauderer (in weiß am Ball) machte bei Jahn und Club seine Ausbildung, feierte mit dem SSV den Zweitliga-Aufstieg 2012 und lief zuletzt für den ATSV auf. Foto: Archiv/Eibner
Der Kelheimer Tobias Schlauderer (in weiß am Ball) machte bei Jahn und Club seine Ausbildung, feierte mit dem SSV den Zweitliga-Aufstieg 2012 und lief zuletzt für den ATSV auf. Foto: Archiv/Eibner

Kelheim.Noch muss es sich in den Köpfen festsetzen. Nur einen Steinwurf jenseits des Landkreises Kelheim wird Zweitliga-Profifußball kredenzt. Was manche vielleicht nur als einjähriges Gastspiel des SSV Jahn Regensburg in der 2. Bundesliga wähnten, schickt sicht an, ein längerfristiges Projekt zu werden. Wiewohl angesichts einer verrückten Saison der Klassenerhalt noch nicht definitiv ist und schon überhaupt nicht abgeschätzt werden kann, wie die nächste Spielzeit für die Roten verläuft.

„Die Talente der Region wollen unbedingt zu uns.“

Christian Martin

Der Jahn wird zur Zugnummer, auch für Nachwuchskicker. „Wir machen die Erfahrung, dass die Talente der Region unbedingt zu uns kommen wollen“, sagt Christian Martin, Leiter der Jahnschmiede beim SSV. Ihm unterstehen von den jüngsten Spielern bis zur U21 alle Teams, nur die Profis sind außen vor. Für seinen Nachwuchs sucht der Zweitligist wieder gute Kicker; am Sonntag, 15. April, ab 10 Uhr auch im Stadion in Kelheim. Die Jahrgänge 2004 bis 2007 sind aufgerufen.

16 Landkreis-Jungs beim SSV

Die JFG Befreiungshalle Kelheim ist seit knapp drei Jahren Kooperationspartner des Jahn. „Wir können diese Zusammenarbeit nur als positiv bewerten. Wir dürfen an Trainerschulungen des Jahn teilnehmen und eignen uns so zusätzliches Wissen an. Zudem sind Freundschaftsspiele einfacher geworden“, sagt Helmut Müller, Sportlicher Leiter der JFG. Die große Abwanderung zum Zweitligisten hat nicht eingesetzt. „Aktuell spielen zwei junge Kicker von uns in Regensburg. In der Vergangenheit waren es schon mehr, aber die Jungs sind wieder zurückgekommen. So soll es auch sein.“

Ex-Profi Harry Gfreiter (l.) betreute beim Jahn auch die jungen U21-Talente. Als Wahl-Kelheimer kickte er für den SV Lengfeld. Foto: Brüssel/Archiv
Ex-Profi Harry Gfreiter (l.) betreute beim Jahn auch die jungen U21-Talente. Als Wahl-Kelheimer kickte er für den SV Lengfeld. Foto: Brüssel/Archiv

Christian Martin hat einen genauen Überblick über junge Spieler aus der Kelheimer Region im Dress der Roten. „Aktuell stammen 16 unserer knapp 200 Spieler in der Jahnschmiede aus dem Landkreis Kelheim. Ein signifikanter Anstieg dieser Zahl hat seit dem Abschluss der Kooperation nicht stattgefunden, dieser war aber auch nicht erwartbar.“ Schließlich ist die JFG Befreiungshalle nur einer von sechs Partnern in Ostbayern. Vom SV Schalding-Heining über TSV Waldkirchen bis hin zum ASV Cham reichen die Bande.

„Stark leistungsbezogen und hochwertig“

Auch dort werden die Sichtungen im Frühjahr abgehalten. Der Jahn weiß, wie man die Youngsters lockt: „Wer die Trainer überzeugt, könnte sich schon ab der kommenden Saison das Jahn-Trikot überstreifen. Die Talente haben die Chance, in den jeweiligen Jahrgängen des Nachwuchsleistungszentrums zu spielen“, wirbt Martin. Jeder Spieler der Jahrgänge 2004 bis 2007 kann sich präsentieren. Die Kooperationspartner erhielten durch die Sichtung „einen besseren Überblick über den Talentpool in ihrer Region“.

Vom TV Riedenburg aus zog Andreas Schäffer (l.) zum Jahn und kehrte nach dem Ende seiner Profi-Zeit als Spielertrainer zurück zu seinem Heimatverein. Foto: Brüssel/Archiv
Vom TV Riedenburg aus zog Andreas Schäffer (l.) zum Jahn und kehrte nach dem Ende seiner Profi-Zeit als Spielertrainer zurück zu seinem Heimatverein. Foto: Brüssel/Archiv

„Die Spieler wiederum haben die Gelegenheit, sich zu zeigen und zu erfahren, ob ein Wechsel zu einem höherklassigen Verein für ihre Entwicklung ein sinnvoller Schritt sein kann“, so der Jahnschmiede-Leiter, der selbst die Bayernliga-U19 des SSV trainiert.

Als vom DFB anerkanntes Nachwuchsleistungszentrum arbeitet der Profi-Klub inzwischen „stark leistungsbezogen“. „Wir wollen die größten Talente der Region möglichst hochwertig ausbilden“, legt Martin klar offen. Bei der Zusammenstellung der Teams werde deshalb darauf geachtet, „dass wir allen Spielern die für ihre Entwicklung notwendige Spielzeit bieten können. Die Kadergrößen gestalten sich dementsprechend.“

„Ein Talent geht so oder so seinen Weg.“

Helmut Müller

Die Vereine würden frühzeitig informiert, wenn ein Spieler für die Jahnschmiede verpflichtet werden soll. „Dabei geht es ja wirklich nur um die Top-Talente.“ Kritik aus (kleineren) Klubs, die ein Abwerben von talentierten Spielern fürchten, vernehme man nicht, sagt der frühere DFB-Stützpunkttrainer. „Solche Stimmen hören wir tatsächlich nicht. Das liegt sicher in erster Linie daran, dass wir einen offenen und guten Austausch mit allen Vereinen aus der Region pflegen“, meint Martin. Er habe den Eindruck, dass bei allen ankommt: „Die Nachwuchsförderung, die wir in der Spitze betreiben, ist gut für den Fußballstandort Ostbayern insgesamt.“ Der Jahn sei bestrebt, den Vereinen und ganz besonders den Kooperationspartnern mit dem Know-how eines Zweitligisten zu helfen.

Auch JFG-Sportleiter Helmut Müller sieht keine Gefahr für die umliegenden Vereine. „Aufgrund der Stützpunkte und dem inzwischen guten Scouting werden Talente so oder so ihren Weg gehen“, sagt er. Und da könne es einer JFG Befreiungshalle nur recht sein, wenn ein Schützling beim Jahn ausgebildet werde und dann vielleicht wieder zurückkomme.

Austausch in beide Richtungen

Der Jahnschmiede-Chef verweist ebenfalls auf diesen wechselseitigen Transfer. „Die Vereine profitieren direkt von unserer Nachwuchsarbeit. Die gut ausgebildeten Spieler, die nach ihrer Zeit beim Jahn keine Profis werden, werden sich dann wieder auf die Vereine verteilen. In beide Richtungen nimmt das also seinen ganz natürlichen Gang.“ Insofern komme es in der Praxis „auch nicht zum Aderlass bei einem einzigen Verein“.

„Wer kein Profi wird, kehrt zu einem Verein der Region zurück.“

Christian Martin

Für die Aussagen von Martin und Müller gibt es Belege von früheren Jahn-Profis aus dem Kelheimer Raum. Tobias Schlauderer (34) etwa erfuhr seine Ausbildung beim SSV und beim 1. FC Nürnberg. Nach dem umjubelten Zweitliga-Aufstieg 2012 mit den Roten beendete der Unterwendlinger seine Profi-Karriere und kam nur ein Jahr später zum ATSV Kelheim. Dank weiterer starker Neuzugänge schafften es die Kreisstädter binnen zwei Jahren von der Kreis- in die Landesliga.

Der Riedenburger Andreas Schäffer (33), über ein Jahrzehnt beim Jahn aktiv, ist nun Spielertrainer bei seinem Heimatverein TV Riedenburg in der Kreisliga 2 Regensburg. Und Torwart Armin Pillmeier (33) aus Offenstetten fing nach seiner Rückkehr aus Regensburg für den TSV Langquaid, ehe er seine Laufbahn beendete.

Kicker der Jahrgänge 2004 bis 2007 können sich am 15. April in Kelheim zeigen. Foto: Webel/SSV Jahn
Kicker der Jahrgänge 2004 bis 2007 können sich am 15. April in Kelheim zeigen. Foto: Webel/SSV Jahn

„Wir sind sehr zufrieden mit unseren Kooperationen und unser Austausch mit den Partnern zeigt deutlich, dass das umgekehrt auch für sie gilt“, sagt Christian Martin. Das Interesse der Nachwuchskicker in der Region am SSV Jahn Regensburg habe in den letzten Jahren stetig zugenommen.

Helmut Müller blickt auf den Sichtungstag am 15. April im Kelheimer Stadion. „Es wäre schön, wenn einige Jungs und Mädels vorbeikommen, die ihr Talent unter Beweis stellen wollen.“ Interessierte können sich unter der E-Mail-Adresse j.weisweiler@ssv-jahn.org unter Angabe von Name, Adresse, Geburtsdatum, Position, Verein und Kontaktdaten anmelden.

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