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Dämpfer

Olympia-Schütze plagt sich mit dem Arm

Daniel Brodmeier aus Saal ist erfolgreich in den Weltcup-Zirkus zurückgekehrt. Aber eine Verletzung wirkt noch nach.
Von Martin Rutrecht

Daniel Brodmeier richtet den Fokus heuer auf die WM im September. Das Fernziel sind die Olympischen Spiele in 2020. Foto: Eckhard Frerichs
Daniel Brodmeier richtet den Fokus heuer auf die WM im September. Das Fernziel sind die Olympischen Spiele in 2020. Foto: Eckhard Frerichs

Saal.Die Rechnung, die da noch offen ist, lässt sich leicht erschließen: Fünfter Platz bei den Olympischen Spielen 2012 in London, vierter Platz bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro – „die Richtung ist klar, es fehlt noch das Podest“, sagt Daniel Brodmeier, erfolgreicher Gewehrschütze aus Saal. Die Spiele 2020 in Tokio sollen dem 30-Jährigen das erhoffte Edelmetall bringen. Nach einem Jahr Pause greift er wieder an. Doch eine hartnäckige Ellbogenverletzung bremst die Fortsetzung seiner Laufbahn im Moment.

„Wenn die anderen besser werden, muss ich auch besser werden.“

Daniel Brodmeier

Dabei steht Brodmeier voll im Saft. Bis zur WM in diesem Jahr, die im September in Südkorea stattfindet, „gibt es bei mir keinen einzigen Urlaubstag“. Der Saaler, der jetzt in Niederlauterbach lebt, trainiert zwischen 30 und 35 Stunden in der Woche, meist in München. „Ich denke, an die 30 000 Schuss werde ich in Summe im Lauf des Jahres im Training abgeben.“ Von der Intensität hat der 30-Jährige wieder jenes Level erreicht, das er von sich selbst als Vize-Weltmeister im Dreistellungskampf von 2014 erwartet.

Treppensturz in Kanada tut weh

In der erweiterten Weltspitze hat er schon wieder seinen festen Platz. Beim Weltcup im WM-Austragungsort Changwon erreichte er im April den zehnten Rang, in München belegte er in der Vorwoche Rang 22. Beide Male schoss er im Dreistellungswettbewerb aus Knieend, Liegend und Stehend (je 40 Schuss). „Das passt alles ganz ordentlich. In München hatte ich in der Vorausscheidung 1182 Ringe – das ist neuer persönlicher Rekord“, ordnet Brodmeier die Resultate ein.

Am Zuckerhut in Rio wurde Brodmeier 2016 Olympia-Vierter. Foto: Brodmeier
Am Zuckerhut in Rio wurde Brodmeier 2016 Olympia-Vierter. Foto: Brodmeier

Nach einem Jahr Pause im Anschluss an die Spiele in Rio bemerkt er aber auch: „Das Niveau ist gewaltig nach oben gegangen. In München fiel der 32 Jahre alte Weltrekord von 1186 Ringen – und das gleich zweimal mit 1187 Zählern.“ Angst macht Brodmeier so etwas nicht. „Wenn die anderen besser werden, muss ich auch besser werden. Ganz einfach.“ Schon bei der deutschen WM-Ausscheidung im Juli will der Saaler liefern: „Das WM-Ticket ist ein Muss für mich. Wenn ich in zwei Jahren nach Tokio will, darf ich daran nicht scheitern.“

„Ich brauche Geduld – aber die hab’ ich nicht.“

Daniel Brodmeier

Läuft alles nach Plan – und auch wieder nicht. Denn zu schaffen macht Daniel Brodmeier eine Ellbogenverletzung, die er sich bei einem längeren Urlaub mit seiner Ehefrau im Vorjahr in Alaska und Kanada zuzog. Bei einem Sturz von der nassen Treppe eines Campers landete er mit dem linken Arm auf dem Schotterboden. Nach der Rückkehr folgte eine Operation am Ellenbogen. Und eigentlich ist Brodmeier wieder fit. „Aber vor allem beim Schießen mit dem Luftgewehr zwackt es gewaltig. Ich kann den Arm nicht stabil halten. Dadurch lassen die Ergebnisse total aus.“

Das Luftgewehr macht Macken

Der Luftgewehr-Anschlag ist für den gelernten Kleinkaliber-Schützen aber wichtig, denn nach dem Aus für das KK-Liegendschießen bei Olympia braucht der 30-Jährige eine zweite Disziplin. „Ich kann mich nicht nur auf den Dreistellungskampf verlassen. Man muss auf zwei Pferde setzen, sonst kann Olympia schnell vorbei sein.“ Beim Kleinkaliber-Gewehr hat Brodmeier keine Probleme. Die Erklärung: „Das Kleinkaliber wiegt um drei Kilogramm mehr. Es drückt den linken Arm schön an den Körper ran. Das Luftgewehr ist leichter, der Arm baut eine Muskelspannung auf, um die Waffe zu stabilisieren. Bei mir wird der Muskel fest und damit beginnt das Wackeln. Man zielt irgendwohin.“

Vizeweltmeister und Weltcup-Siege

  • Olympia:

    Bei den Spielen 2012 war Brodmeier absoluter Newcomer – und rettete die deutsche Bilanz mit Rang fünf im Kleinkaliber-Liegend, das mittlerweile nicht mehr olympisch ist. In Rio 2016 wurde er Vierter im Dreistellungskampf.

  • Spitzenränge:

    2014 gewann der Saaler WM-Silber im KK-Liegend-Anschlag. Seinen ersten Weltcup-Sieg feierte er ein Jahr zuvor in Fort Benning (Dreistellung). Groß trumpfte Brodmeier beim Weltcup-Finale 2014 mit den Rängen eins und zwei auf.

Auch wenn der Laborelektroniker von Opto Semiconductors ständig bei Physiotherapeuten ist („die medizinische Versorgung über den Olympiastützpunkt in München ist optimal“), braucht es vor allem Geduld. „Und die hab’ ich nicht“, sagt Brodmeier, „ich möchte voll dabei sein, in Kleinkaliber und Luftgewehr.“ Dennoch weiß er, „dass ich den richtigen Weg zwischen Be- und Entlastung finden muss“.

Seine positive Grundstimmung ficht es nicht an. „Die Konkurrenten sollen jetzt ruhig besser sein – bei der WM und in Tokio schlag’ dann ich zu.“

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