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Sport aus Kelheim
Montag, 16. Juli 2018 29° 8

Sportskanone

Olympics-Held ist nun sein eigener Herr

Patrick Meier aus Painten holt Gold im Schwimmen und lebt trotz Down-Syndrom fast selbstständig. Kumpel feiert auch Erfolge.
Von Thomas Kreidemeier

Patrick Meier findet überall seine Fans. Fotos: Schön-Nowotny
Patrick Meier findet überall seine Fans. Fotos: Schön-Nowotny

Painten.Was für Sportler wie Timo Boll oder Robert Harting die Olympischen Spiele sind und für körperbehinderte Sportler die Paralympics, das sind für geistig behinderte Athleten die Special Olympics, die auf internationaler, bundes- sowie landesweiter Ebene stattfinden. Bei den nationalen Spielen in Kiel zeigten auch zwei Sportskanonen aus dem Landkreis Kelheim, was sie draufhaben: Der 22-jährige Patrick Meier aus Painten triumphierte beim 50-m-Rückenschwimmen und Michael Eisenblätter aus Dünzling holte die Bronzemedaille beim 4 x 100m-Staffellauf.

Michael Eisenblätter (r.) aus Dünzling war in der Leichtathletik super drauf.
Michael Eisenblätter (r.) aus Dünzling war in der Leichtathletik super drauf.

Die beiden jungen Männer haben Trisomie 21, auch bekannt als Down-Syndrom, bei welchem die geistige Entwicklung der Betroffenen verzögert abläuft. Was bekanntermaßen vor allem Patrick Meier, der schon viele „Olympics“ erfolgreich bestritt, vom intensiven Sporteln nicht abhält. Mittlerweile ist der 22-Jährige daheim ausgezogen und wohnt in Regensburg in einer ganz besonderen, inklusiven Hausgemeinschaft.

Besonderes Wohnprojekt

In Einheiten für sechs Personen mit Einzelzimmern, Gemeinschaftsküche und Aufenthaltsraum leben dort seit einem Jahr Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. „Gemeinsam mit Betreuern wird das Frühstück angerichtet und am Abend Essen gekocht. Auch Einkaufen gehen oder Wäsche waschen gehören zu den Haushaltsaufgaben, bei denen Betreuer Anleitung geben und auch mithelfen“, erzählt Patricks Mama Angelika Meier. Sein Freund Michael Eisenblätter, der noch die Bischof-Wittmann-Schule in Regensburg besucht, wird im Sommer ebenfalls zu der Hausgemeinschaft dazustoßen.

Patrick Meier genießt auch ruhige Momente.
Patrick Meier genießt auch ruhige Momente.

„Patrick fühlte sich dort vom ersten Tag an pudelwohl und ist dadurch auch nochmals einen Schritt selbstständiger geworden. Da haben wir absolut die richtige Entscheidung getroffen“, befindet Angelika Meier. Auch Arbeit hat Patrick nach dem Verlassen der Bischof-Wittmann-Schule gefunden: Er wird zwar vermutlich nie in einen regulären Arbeitsalltag wechseln können, in den Regensburger Werkstätten der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung in Lappersdorf lernt Niederbayerns Behindertensportler des Jahres 2009 allerdings viele verschiedene Berufe kennen. „In der Schreinerei gefällt’s mir sehr gut“, sagt Patrick. Und auch die Mutter ist sehr glücklich: „Ich dachte erst, die machen nur ein bisschen Bastelei. Doch die arbeiten richtig an Werkstücken, mit Kontrolle der Ausführungen.“

Jeden Tag eine andere Sportart

Patricks wahre Liebe ist jedoch der Sport: Die ganze Woche ist vollgepackt mit Sport, Sport und noch mehr Sport. „Montags geht er zum Street Dance, Dienstag steht in seiner Arbeit Fußballtraining auf dem Programm. Da haben sie zudem oft Turniere.“ Am Mittwoch spielt der Paintner Tischtennis. „In dieser Sportart hat er vor einigen Wochen bei einer Meisterschaft die Bronze-Medaille geholt“, erzählt Angelika Meier stolz. Am Freitag geht der Sportfan nach der Arbeit ins Schwimmtraining und kickt außerdem mit dem „Team Bananenflanke“. „Das liebt er über alles und lässt kein Training aus“, meint Angelika.

Ganz oben stand der Paintner (r.) beim Schwimmen.
Ganz oben stand der Paintner (r.) beim Schwimmen.

Bei den Special Olympics in Kiel zahlte sich für den 22-Jährigen wieder einmal das Training aus. Er holte im Schwimmwettkampf Gold über 50m-Rücken und belegte im Freistil sowie mit der Staffel noch zweimal den sechsten Rang. „Ich liebe diesen Glanz der Medaille“, erklärt er. Gewinnen, findet er nach kurzem Nachdenken, müsse man aber nicht immer, „nur manchmal“. Er reiste dabei mit seiner alten Schule und trat auch im Namen der Bischof-Wittmann-Schule an.

Die Special Olympics

  • Nationale Spiele:

    Die Special Olympics in Kiel waren nicht, wie es der Name nahelegt, internationale, sondern deutschlandweite Sportspiele. 4600 Athleten und Athletinnen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung kämpften in 19 Sportarten um Gold, Silber und Bronze.

  • World Games:

    Doch es gibt die Special Olympics auch auf internationaler Ebene: Die World Games finden als Nächstes 2019 in Abu Dhabi statt. Den Zuschlag für die bayerischen Special Olympics 2021 sicherte sich Regensburg.

Kumpel Michael Eisenblätter trat im Team „Leichtathletik“ an und war kaum weniger erfolgreich: Er errang mit der Staffel Bronze und konnte solo mit dem vierten Platz beim 100-Meter-Lauf und der fünften Position beim Weitsprung auf sich aufmerksam machen. Sein großer Traum hat sich noch nicht ganz erfüllt. „Vielleicht gewinne ich mal Gold“, hofft der 18-Jährige.

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