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Sport aus Kelheim
Dienstag, 19. Juni 2018 26° 4

Ablöse

Race24 trennt sich von Armin Wolf

RSC Kelheim beendet Zusammenarbeit mit dem Moderator. „Ich bin total enttäuscht.“ Nachfolger wird bayernweit bekannter Mann.
Von Martin Rutrecht

  • Armin Wolf moderierte seit der vierten Ausgabe das 24-Stunden-Radrennen in Kelheim. Fotos: Pieknik (3)/re/zar/sk
  • Arthur Kink wurde von Wolf bei jeder Durchfahrt frenetisch angefeuert.

Kelheim.In solchen Momenten müsste Geschriebenes hörbar sein (wie unten im Video). Armin Wolfs Stimme schwillt zur Ekstase an: „Und hiiiier kommt er: Aaaaarthur Kiiiink!“, im Hintergrund der Zillertaler Hochzeitsmarsch, Tausende Fans toben. Zwei Legenden des 24-Stunden-Radrennens in Kelheim sind in dieser Szene vereint: der unverwüstliche Teilnehmer „King Arthur“ Kink, der heuer mit 88 Jahren erneut starten will, und Moderator Armin Wolf, der seit der vierten Auflage im Jahr 2000 das Race24 am Mikro begleitet.

Das „King Arthur“-Furioso von Armin Wolf:

Arthur Kink - die rollende Legende aus Kelheim

Zur 22. Ausgabe am 14./15. Juli 2018 wird „die Stimme Ostbayerns“ schweigen. Veranstalter RSC Kelheim setzt auf „Veränderung“, wie Rudi Eberl seitens der Vorstandschaft erklärt. Nach knapp 20 Jahren beendet der RSC die Zusammenarbeit mit dem 57-jährigen Radio-Charivari-Sportchef. „Ich bin total enttäuscht. Ich war immer mit Herzblut dabei, es war ein wenig auch ,mein‘ Rennen“, sagt Wolf, der im Jahr 2000 begann, als das Zentrum des Radspektakels noch am Aukofer-Gelände lag.

„Ich habe mich in das Rennen schon bei der Premiere verliebt.“

Armin Wolf

Rudi Eberl lobt den „guten Job und die großen Verdienste“ des Sportreporters. „Aber es gibt geteilte Meinungen zu ihm. Es hat sich manches eingeschliffen, wir brauchen auch mal Veränderung. In unserer Vorstandschaft fiel das Votum für einen Wachwechsel sehr klar aus.“ Es gehe aber letztlich nicht um eine einzelne Person. „Wir wollen auch das Abendprogramm anders gestalten, mehr Promis auf die Bühne bringen und mit Interviews Fahrer und Fans abholen. Der Unterhaltungswert soll insgesamt steigen.“

Tränen bei „King Arthurs“ Einzug

Armin Wolf selbst sagt: „Ich kann mir in dieser Hinsicht nichts vorwerfen. Über Stunden habe ich aus dem Kelheimer Publikum eine Stimmung rausgeholt, wie es vermutlich nur wenige schaffen.“ Auch die „Legende“ Arthur Kink sei ein wenig sein Ziehkind. „Spontan fiel mir ein, ihn ,King Arthur‘ zu nennen, er wurde ein Star, ein Held des Rennens. Manchmal hatte ich eine Träne im Auge, als es Standing Ovations von den Zuschauern für ihn gab.“ Aber offensichtlich sei seine Art der Moderation „nicht mehr gefragt“.

Das Rennen verträgt durchaus noch mehr Starter, sagt der RSC Kelheim.
Das Rennen verträgt durchaus noch mehr Starter, sagt der RSC Kelheim.

Dass er im Vorjahr mit einer kaputten Achillessehne moderierte, bei einer Terminüberschneidung 1500 Euro für ein Benefizspiel ausschlug, um das Race24 wahrnehmen zu können, sei anscheinend vergessen. „Das Promi-Spiel hätte nur vier Stunden gedauert, aber nicht da zu sein, das ging nicht, da war das Geld zweitrangig.“ Und letztlich: „Ich habe über die Jahre Sponsoren und Tausende Euro an Spenden mitgebracht.“ Umgekehrt seien vom RSC-Rennen freilich auch Spenden an Charivari-Einzelschicksale gegangen, „wo ich übrigens kein Mitglied bin“.

500 Halszuckerl bei der Premiere

Mit dem Charivari-Sportchef ziehen auch DJ Tom Larusso und Wolfs Helferteam ab. „Sie sind natürlich ähnlich enttäuscht.“ Wolf weiß, dass „ich vom Kopf her sachlich mit dem Thema abschließen müsste. Aber ich war mit so viel Herz dabei, das geht nicht so leicht.“ Der 57-Jährige bemängelt auch die Art und Weise seiner Ablöse: „Ich habe bei RSC-Chef Klaus Roithmeier angerufen und wollte einige Dinge für 2018 besprechen. Da erklärt er mir: Du bist nicht mehr der Moderator.“

„Wir verstehen, dass er sich ein wenig vor den Kopf gestoßen fühlt.“

Rudi Eberl

Rudi Eberl räumt dazu einen „terminlichen Verfahrensfehler“ ein. „Wir hatten in der Vorstandschaft schon im Herbst 2017 eine Veränderung besprochen, wussten aber noch nicht definitiv, ob es auch die Moderation betreffen wird. Wir hätten Armin früher Bescheid sagen müssen, das war ein Fehler von uns.“ Insofern sei es nachvollziehbar, „dass er sich vor den Kopf gestoßen fühlt“.

Der Siegerehrung will der Veranstalter einen neuen Anstrich geben.
Der Siegerehrung will der Veranstalter einen neuen Anstrich geben.

Jetzt zieht Armin Wolf strikt den Schlussstrich. „Ich werde kein Radteam mehr schicken und auch kein Geld mehr spenden.“ Die „Begeisterungsfähigkeit“ der Fans und ihr „Feingefühl“ für die Fahrer würden ihm in Erinnerung bleiben. „Auch die vielen Komplimente der Starter nehme ich mit, Worte wie ,Armin, ohne dich hätte ich die letzte Runde nicht mehr geschafft‘.“

Auch die Kelheimer MZ-Redaktion hat den Race24-Kurs schon getestet:

Race24 in Kelheim: Der Testlauf

Die schönsten Momente des Rennens seien die Stunden vor Mitternacht und die letzten beiden Stunden vor dem Ende gewesen, „wenn die Sportler alles gaben und die Zuschauer auf den Tischen standen und feierten“. Die „gefühlt“ 500 Bonbons, die es in seinem ersten Jahr zur Stimmpflege bedurfte, bleiben ihm auch unvergessen. „Trotz der Halsprobleme bei der Premiere habe ich mich schon damals in das Rennen verliebt.“

„Race24, du wirst mir fehlen.“

Armin Wolf

Der RSC Kelheim blickt nach vorne. Ein neuer Sprecher steht schon fest, aber Eberl will den Namen noch nicht preisgeben. „Es ist ein bayernweit bekannter Moderator.“ Ende März soll es eine Pressekonferenz mit dem neuen Mann zum veränderten Konzept geben. „Ob es besser sein wird, stellt sich erst beim Rennen heraus. Das werden wir sehen und tragen dafür auch die Verantwortung.“ Eberl hofft, dass Armin Wolf „den Umbau mit etwas Abstand akzeptieren kann“.

Der Moderator schickt nach Kelheim: „Race24, du wirst mir fehlen.“

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Das Race24 in 2018

  • Das Rennen

    findet heuer am 14./15. Juli statt. Wie immer geht es darum, innerhalb von 24 Stunden (Start 14 Uhr) so viele Runden wie möglich auf der 16,4 Kilometer langen Radschleife über Befreiungshalleberg, Essing und Kelheim zu drehen. Antreten könnten Einzelfahrer und Teams (Herren, Damen, Mix, Senioren).

  • Die Anmeldung

    zum Rennen ist bis zum 30. Juni auf www.race-24.de möglich. Teilnehmer müssen mindestens 16 Jahre sein. Lizenzfahrer der Klassen Pro, KT, A und B dürfen nicht starten, weil es ein Jedermann-Rennen ist. Als Fahrerlager stehen die Areale Aumühlparkplatz, alter Hafen und Niederdörfel zur Verfügung.

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