mz_logo

Sport aus Kelheim
Dienstag, 19. Juni 2018 26° 3

Abschied

Spielerkette rührt Bad Abbachs Trainer

TSV-Kicker gehen Hand in Hand mit Stefan Wagner aus der letzten Partie. Coach bleibt kritischer Beobachter der Landesliga.
Von Martin Rutrecht

Stefan Wagner nimmt sich erst mal eine Auszeit als Coach. Foto: ctm
Stefan Wagner nimmt sich erst mal eine Auszeit als Coach. Foto: ctm

Bad Abbach.Die Partie war im Grunde bedeutungslos. Mit einer 0:3 (0:1)-Niederlage bei SV Fortuna Regensburg schloss der TSV Bad Abbach die Landesliga-Saison 2017/18 ab. „Das hatte den Charakter eines sommerlichen Freizeitkicks“, sagt Gästetrainer Stefan Wagner, der mit dem Spiel am Freitagabend seine Zelte in Bad Abbach abbrach. Emotional gerührt war er von einer Geste seines Teams: Ersatzspieler und Betreuer bildeten mit ihm in den letzten Minuten der Begegnung eine Kette an der Außenlinie.

„Manchmal dachte ich schon, es könnte im Abstiegskampf schief gehen.“

Stefan Wagner

„Der offizielle Abschied fand bereits vor einer Woche nach unserem Heimsieg gegen den SSV Jahn II statt. Aber dieser letzte Moment beim Fortuna-Spiel hat mich schon noch mal berührt“, so der 49-Jährige. Seite an Seite mit ihm standen auch Führungsspieler wie Rudi Bartlick und Andreas Schröppel, die geschont oder schon ausgewechselt wurden. „Am Ende gab es noch einige Umarmungen – und wir waren beim Italiener zum Essen.“

Zwei Jahre wirkte Wagner in Bad Abbach. „Ich hätte wie eigentlich vereinbart gerne noch eine weitere Saison drangehängt. Aber innerhalb meines Jobs ergibt sich eine Veränderung, die mich zeitlich mehr in Anspruch nimmt“, erklärt der Übungsleiter, der vor seiner TSV-Zeit beim VfB Bach ein Dauerbrenner war. Der Abstiegskampf am Ende seiner Abbacher Tage sei „hart“ gewesen. „Manchmal hatte ich schon die Gedanken, es könnte schief gehen.“ Wie die Mannschaft aber trotz Verletzungspech „als eingeschworener Haufen“ das rettende Ufer erreicht habe, verdiene hohe Anerkennung.

Erst mit dem 3:1 vor einer Woche gegen den SSV Jahn Regensburg II packte der TSV Bad Abbach (in blau) den Klassenerhalt. Foto: Roloff
Erst mit dem 3:1 vor einer Woche gegen den SSV Jahn Regensburg II packte der TSV Bad Abbach (in blau) den Klassenerhalt. Foto: Roloff

„Jetzt muss auch ich meine Akkus aufladen. Ich war nun 17 Jahre am Stück Trainer“, sagt der mittlerweile in Abbach wohnende Coach. Auf die Dauer seiner Auszeit will sich der 49-Jährige nicht festlegen. „Ein paar Monate sollten es schon sein, zumindest bis zum Winter. Aber was weiß man sicher? Wenn ein Angebot kommt, wo ich nicht ,Nein‘ sagen kann, läuft’s vielleicht wieder anders.“

„Leider ist es für manchen Spieler nicht mehr bedeutend, ob er ein blaues oder rotes Trikot trägt.“

Stefan Wagner

Seiner Linie, ein kritisches Auge auf den Fußball zu werfen, bleibt Wagner treu. „Ein Verein wie der TSV Bad Abbach, der kaum finanzielle Möglichkeiten hat, wird sich über kurz oder lang schwertun.“ Andere Klubs könnten Spieler mit Geld umwerben. „Man kann es einem Kicker nicht einmal verdenken, wenn er dann weiterzieht. Leider ist es für manchen Fußballer nicht mehr bedeutend, ob er ein blaues oder rotes Trikot trägt. Vereinstreue scheint oft eine Tugend aus früherer Zeit zu sein.“

Dass Wagner von finanziellen Spielchen nichts hält, klingt deutlich durch. „Das hat doch auf Dauer keine Perspektive. Man klettert eine, maximal zwei Ligen höher, dann stockt das Ganze.“ Ein Verein dürfe „seine Seele nie verkaufen“, sagt er.

Weitere Kelheimer Sportnachrichten finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht