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Judo

16-Jähriger reist zu den Europa-Spielen

Judoka Kevin Abeltshauser aus Abensberg qualifiziert sich für „Olympia“ in Baku. Und will mehr: „Ich möchte auch zur WM.“
Von Martin Rutrecht

Kevin Abeltshauser (l. in blau) kriegt bei Europas Jugendfestival im Juli einen Vorgeschmack auf Olympische Spiele. Fotos: Christian Kahler
Kevin Abeltshauser (l. in blau) kriegt bei Europas Jugendfestival im Juli einen Vorgeschmack auf Olympische Spiele. Fotos: Christian Kahler

Abensberg.Sie haben Ihr Ziel erreicht. Das Navi von Kevin Abeltshauser vermeldet die Ankunft: Der 16-jährige Judoka des TSV Abensberg hat sich die Nominierung für das „European Youth Olympic Festival“ (EYOF) im Juli in Baku erkämpft. „Die letzten Monate und Wochen waren voll darauf ausgerichtet“, sagt der junge Hoffnungsträger des deutschen Rekordmeisters. Aserbaidschan ist aber nur ein Etappenziel – die Hauptroute soll zur U18-WM im September führen.

„Ich spüre auch Erleichterung, weil die letzten Wochen hart waren.“

Kevin Abeltshauser

„Ich freue mich riesig, dass es geklappt hat. Und ich spüre auch Erleichterung“, sagt der junge Athlet, den man als aktuellen „Shootingstar“ der Abensberger bezeichnen kann: Anfang März gewann er den deutschen U18-Titel, zwei Wochen später feierte er ein siegreiches Debüt in der Bundesliga – mit 16 Jahren.

4000 Athleten aus 50 Ländern

Und jetzt heimste er die Qualifikation für die Europäischen Olympischen Jugendspiele ein, die talentierten 14- bis 18-jährigen Sportlern des Kontinents einen Vorgeschmack auf Olympische Spiele geben sollen. An die 4000 Athleten aus 50 europäischen Ländern messen sich vom 20. bis 28. Juli in zehn Sportarten in Baku.

Hier sehen Sie Kevin Abeltshauser bei der MZ-„Mitgemacht“-Serie auf der Matte und im Interview:

Judo: Ein Griff - und es hat Wums gemacht

Das Ticket für die Jugendspiele, die seit 1991 alle zwei Jahre im Sommer und Winter ausgerichtet werden, kam dem Abensberger Jungen mit den nigerianischen Wurzeln seiner Mama nicht zugeflogen. Als Mitglied der deutschen Nachwuchsnationalmannschaft musste er sich gegen DJB-Kollegen im Reigen von mehreren internationalen Turnieren behaupten. „Die Belastung habe ich nicht direkt gespürt. Aber zuletzt in Berlin war es schon hart an der Grenze“, sagt er.

Eine Trainingseinheit mit Kevin Abeltshauser kann anstrengend sein:

Mitgemacht

Ein Griff – und es hat „Wums“ gemacht

Die Youngsters Kevin Abeltshauser und Michael Weber zeigen MZ-Reporter die Grenzen auf – Lehrstunde im Judo-Mekka Abensberg.

Als offizielle Nominierungsturniere hatte der Deutsche Judobund das Bremen Masters sowie die European-Cups in Teplice und Berlin ausgelobt. Gefordert waren ein Podestplatz und mindestens noch ein siebter Rang. „Mit Platz fünf in Bremen und Rang neun in Teplice hatte ich vor Berlin nur die halbe Norm.“ Entsprechend aufgeregt ging der 66-kg-Athlet in den Wettkampf in der Bundeshauptstadt.

Bayerisches Duell um das Ticket

Leider lief es nicht wie erhofft. „Ich habe zwei Kämpfe gewonnen und dann vor dem Viertelfinale verloren.“ Bei seinen beiden Erfolgen ließ er den Gegnern wenig Chance. Im dritten Duell musste der Rohrer Gymnasiast in den Golden Score und zog dort nach dreieinhalb Minuten den Kürzeren. „Ich habe einen Fehler gemacht“, ärgert sich der ambitionierte Judoka.

Deutscher U18-Titel, erfolgreiches Bundesliga-Debüt, europäische Spitzenplätze: Kevin Abeltshauser ging heuer vieles auf.
Deutscher U18-Titel, erfolgreiches Bundesliga-Debüt, europäische Spitzenplätze: Kevin Abeltshauser ging heuer vieles auf.

Beim anschließenden dreitägigen Trainingscamp stand an einem Abend die Nominierung des Verbandes an. Wirklich zittern musste Abeltshauser nicht. „Ich hatte noch einen dritten Rang in Tula in Russland und einen fünften Platz in Fuengirola in Spanien stehen. Das war die beste internationale Ausbeute aller deutschen Konkurrenten in der 66 kg-Klasse.“ Wuchern konnte der 16-Jährige auch mit dem nationalen Titel. Streng genommen war aber sein Bayernkollege David Sperlich der Nominierungssieger – er eroberte Platz drei beim Masters in Bremen. Die Entscheidung fiel salomonisch aus: Sperlich (und Jano Rübo) dürfen zur U18-EM, Abeltshauser reist zu den Europäischen Jugendspielen.

Sebi Seidl hat’s in Baku vorgemacht

„Die EM wäre auch nicht schlecht gewesen. Aber das Olympia-Festival wird noch cooler: Es treffen sich viele Sportler, es gibt ein olympisches Dorf und Baku ist sicher auch spannend“, sagt der Abensberger, der deutlich erklärt: „Ich fahre nicht als Tourist dorthin. Ich bin definitiv kein Außenseiter. Eine Medaille wäre schön, aber wichtig ist vor allem die Leistung.“

Sebastian Seidl machte es vor: Er gewann 2015 bei den Europa-Games der Herren in Baku Bronze. Foto: Robert Ghement/dpa
Sebastian Seidl machte es vor: Er gewann 2015 bei den Europa-Games der Herren in Baku Bronze. Foto: Robert Ghement/dpa

Überzeugende Auftritte sollen auch die Basis für einen Sprung zur U18-WM Ende September in Kasachstan sein. „Damit würde ich meine beiden geplanten Höhepunkte in diesem Jahr erreichen, das wäre ein Traum.“ Zunächst wird sich Kevin Abeltshauser über Trainingslehrgänge und einen European-Cup in Polen für Baku stählen. „Meine Schule hat da viel Verständnis“, dankt der 16-Jährige.

Zwölf Medaillen für U15-Babonen

  • Meister:

    Bei den südbayerischen U15-Titelkämpfen holten die Abensberger Judoka Ali Hodzic (66 kg), Vanessa Geretzki (40 kg) und Dimitra Sioka (52 kg) Gold. Sie dominierten ihre Konkurrenten weitgehend.

  • Podest:

    Sarah Geretzki (44 kg) verlor im Finale erst in der Verlängerung. Bronze ging an Jonas Mayr, Magnus Trauner, Vitus Englerth, Denis Begovic, Sandro Liebl, Pia Schmidt, Marlene Ratzke sowie Emma Listl.

Das Ziel Bundesliga kann er in sein Navi angesichts der Terminfülle bis Herbst nicht mehr eingeben. „Ich bin fast so ausgelastet wie unsere Olympia-Kandidaten“, lacht er. Mit Sebastian Seidl hat er auch ein Vorbild: Das TSV-Aushängeschild gewann 2015 bei den European Games in Baku Bronze.

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