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Judo-Bundesliga

Abensberg besteht im Hexenkessel

Den deutschen Rekordmeister kann eine Kulisse von 1300 Fans nicht beeindrucken. Der TSV besiegt Leipzig mit 10:2.
Von Martin Rutrecht, MZ

Fabian Seidlmeier (l.) kämpfte im ersten Durchgang taktisch sehr klug und besiegte Norbert Fleischer. Fotos: Archiv

Abensberg.Nichts ließen die Leipziger unversucht und standen am Ende doch da wie ein begossener Pudel. Mit 10:2 fegte der TSV Abensberg die Gastgeber vom JC am dritten Bundesliga-Kampftag von der Matte. Rund 1300 Zuschauer in der Halle der Sachsen feierten jede gelungene Aktion der Hausherren frenetisch, der Hallensprecher versuchte die Babonen mit verbalen Spitzen aus der Reserve zu locken. Doch der deutsche Rekordmeister war nicht ins Wanken zu bringen.

TSV-Chefcoach Radu Ivan war noch einen Tag nach dem Duell beim JC Leipzig aufgebracht über den Herren am Hallen-Mikrofon. „Unsere beiden Armenier wurden zynisch als der ,Abensberger Nachwuchs’ vorgestellt, bei anderen TSV-Athleten ausdrücklich ihr Herkunftsort betont. So nach dem Motto: Eigene Kämpfer hat Abensberg ja gar nicht“, schilderte Ivan. Beim Endstand von 10:2 gratulierte der Sprecher einer „Weltauswahl“ aus Niederbayern.

Umso mehr war es eine Genugtuung, dass ein echter „Omschberger“ das erste Duell des Tages gewann. Dominik Gerzer bezwang in der Klasse bis 100kg den Leipziger Martin Nußmann. „Dominik hat in seinem typischen Stil agiert. Zunächst sah es aus, als wolle er seinen Gegner einschläfern, dann schlug er blitzschnell zu“, so der TSV-Trainer, dessen Tipps Gerzer konzentriert beherzigte.

Ähnlich umkämpft wie die Auftaktbegegnung war das Ringen zwischen Robert Gess und Sven Maresch, der in der 81 kg-Kategorie den Olympiazweiten Ole Bischof bestens vertrat. Letztlich landete der Babone durch einen Schulterwurf die entscheidende Wazaari-Wertung. Die beiden ersten Kämpfe waren über die vollen fünf Minuten gegangen.

Eiliger hatte es der Armenier Hovhannes Davtyan (60kg). Der Olympia-Siebte und WM-Dritte hatte JC-Mann Simon Yacoub nach eineinhalb Minuten erledigt. Zum Seitenhieb der Gastgeber auf den Einsatz von Legionären beim TSV meinte Radu Ivan: „Der FC Bayern spielt auch nicht ohne Ribéry und Robben, nur weil das zwei Ausländer sind. Wir sind immer bestrebt, als Sieger von der Matte zu gehen. Solche Spitzenleute sichern das Ergebnis ab.“

Wieder ein waschechter Abensberger, nämlich aus St. Johann bei Train, erhöhte auf 4:0 für den 17-fachen deutschen Titelträger: Fabian Seidlmeier (73 kg) rang Norbert Fleischer nieder. Der TSV-Athlet wusste, dass sein Gegner viel Gewicht gemacht hatte, was einige Substanz kostet, und legte es auf einen Marathonreigen an. Tatsächlich ließen die Kräfte bei Fleischer nach und elf Sekunden vor Kampfende hatte Seidlmeier einen Festhaltegriff durchgebracht.

In der Halle wurde es immer ruhiger, vor allem auch, weil René Kirsten nach einem unerlaubten Beinfasser gegen Abensbergs Robert Dumke (90 kg) zurecht disqualifiziert wurde. „Ich bin froh, dass sich die Kampfrichter nicht durch die aufgeheizte Stimmung beeinflussen ließen“, zollte Ivan den Unparteiischen bei dieser und anderen Entscheidungen Respekt.

Im vorletzten Aufeinandertreffen vor der Pause schien endlich der erste Punkt für den JC fällig. Philipp Mackeldey – ein deutscher Athlet – zeigte gegen den Pförringer Sebastian Seidl (66 kg) drei gute Ansätze. Jedes Mal forderte das Publikum lautstark eine Wertung, doch Seidl verstand es, sich immer entscheidend abzurollen. Dann packte der amtierende Deutsche Meister seine Paradetechnik aus: Mit zwei großen Innensicheln begrub er die Leipziger Hoffnungen auf den ersten Zähler.

Der Olympiadritte bis 100 kg, Dimitri Peters, durfte sich zum Ausklang des ersten Durchgangs in einer neuen Kategorie beweisen. Er wurde im Schwergewicht gegen Fabian Hubert auf die Matte geschickt. In der ersten Minute musste sich „Dima“ erst gegen den gut 30 Kilogramm schwereren Kontrahenten zurecht finden, dann hatte Peters seine Linie gefunden – und der Koloss ging nach einer Aushebetechnik des TSV-Athleten zu Boden. Zur Pause führte der Rekordmeister also mit 7:0.

Die Gäste genossen die Auszeit vor der Halle in der Sonne, machten Fotos und plauderten ganz entspannt über den zweiten Umlauf. Es fehlte nur noch ein Zähler, um endgültig alles klar zu machen. Und den steuerte Peters umgehend bei, als er Nußmann in seiner angestammten Gewichtsklasse nach 1:30 Minuten besiegte. Die Leipziger Herausforderer schlitterten in ein Debakel. Maresch und der frühere Junioren-Vizeweltmeister Hannes Conrad gingen ohne Wertung von der Matte. Damit hatte ein JC-Vertreter im neunten Duell zum ersten Mal wenigstens nicht verloren.

Dem gebürtigen Chamer Philip Graf (60 kg) glückte in der Folge die größte Überraschung des Tages. Den arrivierten Simon Yacoub zwang er mit einer kleinen Wertung (Yuko) in die Knie – es war das 9:0 für den TSV Abensberg. Endlich glückte den Hausherren ein Zähler: Fleischer drehte gegen Seidlmeier den Spieß um und holte erstmals Zählbares für Leipzig. Frank Dedek und Babonen-Schützling Florian Germroth (90 kg) fanden in ihrem Aufeinandertreffen keinen Sieger.

Armen Nazaryan (66 kg), der zweite Armenier des TSV, tat sich gegen Johannes Herzig schwer, siegte aber über die volle Kampfzeit. Der Schlusspunkt blieb dem JC Leipzig vorbehalten: Hubert benötigte im Schwergewicht gegen einen engagiert kämpfenden Gerzer aber auch volle fünf Minuten. Dem mitgereisten Olympia-Dritten Andreas Tölzer hatte man angesichts der klaren Verhältnisse einen Einsatz erspart.

Cheftrainer Radu Ivan war vollauf zufrieden mit seiner Truppe. „Die Jungs zeigten sich von Beginn bis Ende hochkonzentriert. Die Leipziger haben eine tolle Veranstaltung aufgezogen. Wenn sie aber weiterhin nur auf Show statt auf sportliche Leistungen setzen, wird ihr Konzept nicht lange aufgehen. Schließlich zahlen die Besucher für ihren Eintritt Geld und wollen Siege sehen“, lancierte auch der 39-Jährige einen Seitenhieb. Das 10:2 nehme sich deutlicher aus, als es einzelne Kämpfe waren, ergänzte Ivan. „Vor allem am Anfang war viel Spannung drin. Zur Pause blieben natürlich keine Fragen mehr offen.“

Der Bundesliga-Titelverteidiger konzentriert sich schon auf die nächste Aufgabe. Am Samstag steht erneut auswärts die Entscheidung um Platz eins in der Gruppe Süd an, da der TSV zu Verfolger KSV Esslingen reist. Diese beiden Teams haben sich etwas abgesetzt. JC Ettlingen, Leipzig, TSV Großhadern und JC Wiesbaden müssen sich gegen den Abstieg wehren.

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