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Judo

Abensberg giert nach Bundesliga-Titel

Der Judo-Rekordmeister will beim „Final Four“ nach fünf Jahren Pause zurück auf den Thron. Junge Dame kämpft bei der U21-WM.
Von Martin Rutrecht

  • Vor fünf Jahren kürte sich Abensberg bislang letztmals zum Meister. Für Weltklasse-Judoka Andreas Tölzer (r. neben dem Bären) war es die letzte Saison. Foto: Pieknik
  • Daniel Scheller (blau) holte sich Bronze bei der Gehörlosen-EM. Foto: Lang
  • Manuel Scheibel (blau) siegte vergangene Woche in Tallin. Foto: Rutrecht

Abensberg.Richtig ausgeschlafen war Olympionike Sebastian Seidl noch nicht. „Er braucht noch einen Moment“, lächelte Zimmerkollege Manuel Scheibel. Die beiden Judoka des TSV Abensberg waren diese Woche mit dem deutschen Nationalteam bei einem Trainingslager in Kienbaum. „Bis Samstag sind wir hellwach, wir wollen den Titel“, sagt Seidl vor der anstehenden Bundesliga-Endrunde in Esslingen.

„Esslingen gönnen wir gar nichts.“

Sebastian Seidl

Vor fünf Jahren hieß der deutsche Judo-Meister letztmals TSV Abensberg. Der Rückzug von der Bundesliga-Bühne 2015 wegen der Rio-Vorbereitung etlicher Athleten spülte nach einem Streich des TSV Großhadern den neuen Krösus Hamburger JT zum Titel-Hattrick. Ein Mäzen machte aus den Hanseaten eine Großmacht. Eben jener Geldgeber finanziert seit dieser Saison den KSV Esslingen, den Gastgeber des „Final Four“ am Samstag. „Denen gönnen wir gar nichts“, sagt „Sebi“ Seidl unmissverständlich.

Potsdam darf kein Stolperstein sein

In der Vorrunde der Gruppe Süd hatten die Babonen die Verhältnisse schon gerade gerückt: Abensberg Erster, Esslingen Zweiter. Nun trifft der TSV am Samstag in der KSV-Sportarena am Auenweg im Halbfinale auf den Nord-Vizemeister UJKC Potsdam (10.50 Uhr), die Esslinger begegnen Nord-Meister SUA Witten (10 Uhr). Die beiden Sieger stehen sich im Duell um den Bundesliga-Titel ab 15 Uhr gegenüber (SportdeutschlandTV überträgt live).

Sebastian Seidl (blau) geht angriffslustig voraus. Foto: Rutrecht
Sebastian Seidl (blau) geht angriffslustig voraus. Foto: Rutrecht

„Gegen Potsdam dürfen wir nicht verlieren“, pocht TSV-Abteilungsleiter Martin Oberndorfer auf den Finaleinzug. Der Gegner setzt auf eine junge, nur mit Deutschen besetzte Truppe. Der Vorstoß ins „Final Four“ gilt in Potsdam als toller Erfolg. „Vielleicht können wir die Großen noch etwas ärgern“, so das Team um Trainer Christopher Schwarzer. Esslingens Coach Carsten Finkbeiner will KSV-Halbfinalgegner Witten „nicht unterschätzen. Aber wenn es nach Papierform läuft, sehe ich uns und Abensberg im Finale.“

Judo

Eklat ums Bundesliga-Finale in Abensberg

Der TSV tritt nach Termin-Chaos als Gastgeber zurück und droht mit Rückzug. DJB gibt sich hart. Esslingen wird Schauplatz.

Den Streit um die Ausrichterrolle im Vorfeld bezeichnet Finkbeiner als „Schnee von gestern. Wir freuen uns auf ein sportliches Highlight und sind froh, dass Abensberg dabei ist.“ Der Rekordmeister hatte mit Boykott gedroht, nachdem der TSV als eigentlicher Gastgeber alles auf einen November-Termin ausgerichtet hatte, der DJB aber erst vor wenigen Wochen klarstellte, es bleibe beim 19. Oktober. Abensberg verzichtete aufs Gastgeberrecht.

Nach Termin-Streit ohne Wunschbesetzung

Für Martin Oberndorfer ist der Disput längst nicht vergessen. „Wir können nicht in unserer Bestbesetzung antreten. Alle waren auf den November geeicht“, so der Abteilungsleiter. Aber den Teamgeist hätten die Querelen nur noch mehr befeuert. „Lukas Vennekold hat die Militär-WM abgesagt, um für uns zu kämpfen. Wir haben einiges im Köcher, aber Favorit ist Esslingen.“

Esslingens Trainer Carsten Finkbeiner erwartet ein „Brett“ gegen Abensberg - sofern sich beide Teams im Halbfinale behaupten. Foto: Rutrecht
Esslingens Trainer Carsten Finkbeiner erwartet ein „Brett“ gegen Abensberg - sofern sich beide Teams im Halbfinale behaupten. Foto: Rutrecht

Um die konkrete Aufstellung ihrer Teams pokern die beiden Titel-Kandidaten. „Wir geben bis Samstag nichts preis“, sagen Oberndorfer und Finkbeiner gleichlautend. „Esslingen wird alles auffahren“, ahnt Athlet Manuel Scheibel, der sich mit einem Turniersieg in Tallinn (siehe Info-Kasten) noch mal „eine schöne Motivation“ holte. „Der eine oder andere von uns muss über sich hinaus wachsen, dann können wir den Titel nach Abensberg holen.“ Der Biburger gibt kämpferisch aus: „Es ist an der Zeit, den anderen die Grenzen aufzuzeigen.“

Weiter entfernt: Marrakesch

Am Freitag um 15 Uhr fährt der TSV mit einem Bus ab nach Esslingen. Die Fans werden erst am Samstagfrüh die Reise antreten. „Es wird eine harte Nummer, aber wir können an die Spitze zurückkehren. Wir haben jedenfalls Bock drauf“, so Sebastian Seidl.

Raffaela Igl kämpft am Samstag bei der U21-WM um Medaillen. Foto: Rutrecht
Raffaela Igl kämpft am Samstag bei der U21-WM um Medaillen. Foto: Rutrecht

Eine etwas weitere Reise zu einem Auftritt bei der U21-WM hat Abensbergs Vorzeigedame Raffaela Igl hinter sich. Die 18-Jährige flog am Dienstag von München nach Marrakesch. Wie die Bundesliga-Mannen wird auch die 78-kg-Athletin am Samstag kämpfen. „Ich hatte eine gute Vorbereitung und bin hoch motiviert“, sagt die Rottenburgerin, die sich jetzt in München für ein Romanistik-Studium (Spanisch) einschrieb und eine Wohnung in einem Studentenheim bezog. Bei einem Trainingslager in Straßburg mit Athletinnen aus ganz Europa holte sie sich den letzten Schliff.

Trotzreaktion

Abensberg im „Jetzt erst recht“-Modus

Streit mit DJB schweißt Bundesliga-Judoka noch enger zusammen. „Den Gefallen, nicht anzutreten, tun wir den anderen nicht.“

Die U18-Jugend-Olympiasiegerin und Team-EM-Dritte in ihrer neuen Altersklasse fürchtet keine Gegnerin. „Die letztjährige U21-Weltmeisterin aus Japan habe ich heuer im European-Cup schon besiegt.“ Dennoch sei es schwer, eine Prognose abzugeben. „Technisch und körperlich bin ich mit den Konkurrentinnen auf Augenhöhe, ich kann jede Gegnerin schlagen.“ Es komme auf den Kopf und die Tagesform an. Ein deutsches Duell könnte sich mit Kaderkollegin Christina Faber ergeben. „Das wäre sicher spannend.“ Eine Medaille sieht sie nicht zwingend als Ziel. „Eine Platzierung in den Top Sieben wäre im ersten U21-Jahr cool.“

„Eine Sonnencreme wird man brauchen.“

Raffaela Igl

Die klimatischen Bedingungen in Marokko bei gut 30 Grad Celsius nimmt Igl gelassen. „Eine Sonnencreme wird man brauchen.“ Die Wettkampfhalle sei gut runtergekühlt. Dort wird sie am Samstag mit Elektro und Techno auf den Ohren bis zu ihrem Einsatz auf der Tribüne hocken. „Eine gute Viertelstunde vor dem Kampf macht man sich bereit. Dann brauche ich keine Musik mehr.“

Mit Erfolgen im Rücken

  • EM-Bronze:

    Bei der Europameisterschaft der Gehörlosen im belgischen Brasschaat erkämpfte sich Daniel Scheller vom TSV Abensberg bis 60 kg die Bronzemedaille. Nach einer Auftaktniederlage gegen Dmitri Beloborodov (RUS) siegte er in der Trostrunde gegen Ivan Kostenko (UKR) und sicherte sich somit den Einzug ins kleine Finale. Hier setzte er sich gegen den Russen Rustem Nazmutdinov (RUS) durch.

  • Turnier-Sieg:

    Mit einer makellosen Leistung sicherte sich Manuel Scheibel (66 kg) bei den European-Judo-Open in Tallinn die Goldmedaille. In der Vorrunde bezwang er Franck Vernez (FRA), Elias Korkko (FIN) und Gevorg Karapetian (RUS). Im Halbfinale setzte sich „Manu“ gegen Anzor Adanov, ebenfalls Russland, durch. Den Finalkampf gegen den Franzosen Robin Corrado gewann er vorzeitig.

Auch Raffaela Igl steht noch eine Bundesliga-Endrunde bevor: Sie kämpft am 9. November für die TSG Backnang beim Finale in Wiesbaden um den deutschen Titel. Wer die 18-Jährige danach in einer Pause wähnt, sieht sich getäuscht. Bereits am 15. November geht es weiter zu einem Trainingslager in Japan.

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