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Erfolg

Abensberg wird Deutscher Judo-Meister

Elfter Titel in Folge: Die Judoka des TSV Abensberg holen sich am Samstag mit einem klaren 6:3-Finaltriumph über den KSV Esslingen den Sieg der Bundesliga.
Von Wolfgang Abeltshauser und Martin Rutrecht, MZ

  • Sebastian Seidl (weiß, TSV Abensberg) im Kampf mit Boris Trupka (blau, KSV Esslingen) Foto Pieknik
  • Olympiasieger Ole Bischof zusammen mit seinem Vater. Bischof wurde vom TSV Abensberg verabschiedet. Foto Pieknik
  • Ole Bischof gab fleißig Autogramme. Foto Pieknik

abensberg.Eine Bundesliga-Begegnung zählt 14 Kämpfe – und am Ende gewinnt der TSV Abensberg. Diese Adaption eines Fußballer-Spruchs behielt auch bei der Entscheidung 2012 ihre Richtigkeit. Der deutsche Rekordmeister schlug den KSV Esslingen in der heimischen Josef-Stanglmeier-Halle mit 6:3 und feierte seinen 18. Meistertitel, den elften in Folge. Der Widersacher hatte sich nach Kräften gewehrt, die Judo-Hochburg wankte ein wenig, doch am Ende bestach der breite Kader der Hausherren durch seine Qualität. Erfreulich für den alten und neuen Champion: Immer mehr „echte Omschberger“ stellen die Weichen in den Duellen. „Abensberg hat heute einmal mehr die Mär von der Legionärstruppe ad absurdum geführt“, sagte der scheidende Bundesliga-Referent Matthias Kiehm.

In der Babonenstadt weiß selbst TSV-Maskottchen Bär, wie der Hase läuft: „Ein paar Trümpfe haben nicht gestochen“, hielt der Kostümträger („mein Name ist Bär“) zur Pause des Finales fest, als es 2:2 stand. Olympiasieger Ilias Iliadis aus Georgien etwa musste eine Niederlage einstecken. Sein Landsmann Varlem Liparteliani, amtierender Europameister, war frischer und agiler. Das räumte Iliadis auch ein: „Ich bin erst gestern aus einem Trainingslager in Brasilien zurückgekommen.“ Im zweiten Umlauf trennten sich die beiden 90 kg-Giganten mit einem Remis. „Solche Super-Athleten sieht man nur in der besten Liga der Welt, nämlich in der deutschen“, unterstrich KSV-Trainer Carsten Finkbeiner die Güte des Finales.

Pförringer macht den Deckel drauf

Begonnen hatte der Goldkampf für die Gastgeber, die im Halbfinale gegen JC Ettlingen mit 12:2 triumphierten, nach Maß. Die beiden Olympia-Dritten Dimitri Peters (100 kg) und Andreas Tölzer (Schwergewicht) meisterten wie erwartet ihre Aufgaben. Die Niederlage des jungen Biburgers Manuel Scheibel (60kg) war einkalkuliert worden, weniger das Unentschieden von London-Starter Christopher Völk (73kg) aus Regensburg. Sven Maresch (81kg) hatte sich vom georgischen Aufsteiger Avtandil Tchrikishvili (21) ebenfalls ohne Wertung getrennt. Das Remis des Pförringers Sebastian Seidl (66 kg) gegen den arrivierten Boris Trupka zählte zu den gefühlten Pluspunkten.

Die Esslinger Judoka und Betreuer jubelten ausgelassen – was sie nach dem 7:5-Halbfinalerfolg gegen UJKC Potsdam auch getan hatten – und machten jeden Auftritt eines Teamkollegen zur Party. Ein wenig schien die Abensberger Anhängerschaft beeindruckt. Und die TSV-Athleten standen ziemlich still neben der Matte. Mit Beginn des zweiten Durchgangs sollte sich das rasch ändern (wenn auch der KSV weiter feierte und skandierte: „Vizemeister, Vizemeister, hey, hey, hey!“).

Denn der frisch gebackene U23-Europameister Lukas Krpalek aus Tschechien, Andi Tölzer – in einem Duell mit vielen Diskussionen über kleine Wertungen und Strafen – sowie 60kg-Hoffnung Philip Graf (21) machten aus dem 2:2 ein 5:2. Der junge Bayerwaldler tackerte seinen Gegner Lasse Leitert 13 Sekunden vor Kampfende auf der Matte fest. „Sebi“ Seidl und Trupka gingen erneut ohne Sieger von der Matte.

„Was für ein Jahr! Wir sind alle fertig“

Und damit war Abensberg Meister! Selbst bei drei Siegen der Gäste in den abschließenden drei Kämpfen war der TSV nicht mehr zu stürzen, da der Titelverteidiger selbst dann die bessere Unterbewertung aufweisen würde. Auf Remis machten wie erwähnt Iliadis und Liparteliani, Tchrikishvili kam gegen Maresch noch zu einem Erfolg für Esslingen, und der Spanier Kiyoshi Uematsu (73 kg) setzte den erfolgreichen Schlusspunkt für den 18-fachen Titelträger.

In der Einschätzung des Finales waren sich die beiden Trainer Radu Ivan und Finkbeiner ebenso einig wie TSV-Ehrenabteilungsleiter Otto Kneitinger und Liga-Referent Kiehm: „Ein verdienter Sieg für Abensberg, das seine Vormacht in Deutschland unterstrichen hat. Esslingen bot aber stark Paroli.“ Hörbar angesäuert war KSV-Athlet Trupka. „Für einen Europacup-Sieger hat sich Abensberg nicht mit Ruhm bekleckert. Der Erfolg ist schmeichelhaft, weil einige Kampfrichterentscheidungen im ersten Durchgang fragwürdig waren.“ Abensbergs Athlet Christopher Völk reagierte völlig ruhig. „Es sind drei Kampfrichter da, zudem ein Oberschiedsrichter, der alle Duelle auch auf PC verfolgt hat und in einer Szene eine Wiederholung zurate zog. Man muss es dann auch mal gut sein lassen.“

Völk und seine Kollegen waren stolz auf einen letzten großen Kraftakt in einem langen Judo-Jahr mit dem Höhepunkt Olympia. „Wir hatten neben London den Europacup und die Bundesliga. Wir sind alle kaputt. Jetzt kann ich mich einer Knie-OP unterziehen, über Monate habe ich sie verschoben.“ Im Willensakt, sich noch einmal zu überwinden, sah auch Chefcoach Ivan die größte Tat im Showdown. „Sobald die Burschen bei uns sind, ist jeder voll motiviert. Dieser Abensberger Spirit zeichnet uns neben den vielen Eigengewächsen aus.“

Gold-Anzug für einen Judo-Helden

Als profunder Vertreter dieses TSV-Geists stand vor Beginn des Kampfes um Gold Judo-Olympiasieger Ole Bischof im Rampenlicht. Namens des Vereins ernannte Otto Kneitinger den 33-Jährigen zum Ehrenmitglied auf Lebenszeit („verbunden mit der Dauerfreikarte für U- und S-Bahn in Abensberg“) und überreichte ihm zudem einen goldenen Judo-Anzug von Adidas („Ich hoffe, ich sehe dich damit nicht am Kölner Karneval“). Der Ausnahme-Athlet und auch Kneitinger mussten „Tränen runterschlucken“, als zur Verabschiedung die größten Momente in Bischofs Karriere in einem Film gezeigt wurden.

Als die deutsche Hymne nach dem Olympiasieg in Peking gespielt wurden, erhoben sich Bischof, sein Vater Günther und Co. „Und nun viel Spaß beim Finale. Ihr könnt euch denken, wem ich die Daumen drücke“, sagte der scheidende Spitzen-Judoka ins Hallen-Mikro.

Das Unternehmen Titelverteidigung nahm bereits Freitagabend konkrete Formen an. Mitarbeiter des Fernsehens platzierten Kameras, freiwillige Helfer des Vereins schraubten und hämmerten noch hier und da. Währenddessen trafen sich die Judoka zum Abschlusstraining.

Das Halbfinale zwischen dem TSV und JC Ettlingen begann mit einem Rückschlag für die Babonen. Dimitri Peters zog gegen Dino Pfeiffer den Kürzeren. Während eine Haltegriff des TSV-Recken nicht funktionierte, machte es der Gegner mit einer Wurftechnik besser. Folgend zeigten aber Tölzer, Graf, Seidl, Robert Dumke (90 kg), Maresch und Völk ihre Stärke. Es stand standesgemäß 6:1 zur Halbzeit. Als danach Krpalek und Dominik Gerzer (Schwergewicht) nichts anbrennen ließen, war die Sache entschieden. Das Endergebnis lautete 12:2.

Reine Nervensache war das Halbfinale zwischen UJKC Potsdam und Esslingen: Schon 1:3 im Rückstand schaffte der KSV bis zur Pause den Ausgleich. Um vor den abschließenden drei Kämpfen erneut hintenzuliegen. Die Entscheidung fiel in der allerletzten Auseinandersetzung. Esslingens Rene Schneider (73 kg) zwang den Polen Tomasta Adamiec zum zweiten Mal an diesem Tag in die Knie. Esslingen feierte den Finaleinzug wie einen Titelgewinn.

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