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Judo

Abensberg zerbricht an neuer Hochburg

Rekordmeister kommt an Judo-Krösus Hamburg nicht vorbei. „Wir sind mit dem Vizemeistertitel zufrieden, aber nicht auf Dauer.“
Von Martin Rutrecht

Der Kampf zwischen David Krämer (l.) und Igor Wandtke hätte auch zugunsten des Abensbergers enden können. Foto: Sönke Schillig
Der Kampf zwischen David Krämer (l.) und Igor Wandtke hätte auch zugunsten des Abensbergers enden können. Foto: Sönke Schillig

Abensberg.An Teammanager Fabian Seidlmeier war es, die neue Hackordnung zu beschreiben. „Was der TSV Abensberg früher war, ist jetzt das Hamburger Judoteam“, sagte der ehemalige Kämpfer des deutschen Rekordmeisters aus Niederbayern. Das Bundesliga-„Final Four“ 2018 endete am Samstag mit dem Triple von Titelverteidiger und Gastgeber Hamburg. Die Abensberger kämpften sich mit dem Halbfinalsieg über Judo in Holle in die Entscheidung, mussten dort aber eine klare 3:11-Niederlage hinnehmen. „Da stehst du schon da und schluckst“, gestand Seidlmeier.

„Ich hatte ein zweistelliges Ergebnis erwartet. Wir haben die beste Mannschaft.“

Slavko Tekic

Fast abgeklärt kommentierte Hamburgs Trainer Slvako Tekic den Ausgang. „Ich hatte mit einem zweistelligen Ergebnis für uns gerechnet. Wir haben die beste Mannschaft.“ Mit nun drei Titeln in Folge habe man eine „Ära geschaffen“. Der Abensberger Trainer Radu Ivan war wie Teammanager Seidlmeier mit dem erreichten Vizemeistertitel „sehr zufrieden“. An Hamburg habe kein Weg vorbei geführt.

Der Teamgeist des TSV Abensberg stimmte einmal mehr. Foto: Thomas Köther
Der Teamgeist des TSV Abensberg stimmte einmal mehr. Foto: Thomas Köther

„Was da auf der Liste steht, ist unheimlich. Der Gastgeber hatte allein sechs, sieben Weltklasselegionäre da“, so Ivan, der wenige Tage vor dem Finale die Trainerägiden von Jürgen Öchsner übernommen hatte. „Ich habe auch eine Silbermedaille für Jürgen eingepackt. Er hat die Mannschaft zum Südmeistertitel geführt.“

Schon die Vorstellung der vier Teams in der Wandsbeker Sporthalle zeigte das Selbstbewusstsein der Hanseaten. Der Coach der Hamburger klatschte jeden Athleten ab und gab vor den Fans den Stimmungsmacher. Der erste Durchgang des Halbfinales Abensberg gegen den Nordzweiten Judo in Holle machte den Auftakt. Mit einem raschen Erfolg von Georgii Zantaraia (66 kg) aus der Ukraine begann es erwartungsgemäß für die Babonen.

Schock: Sebi Seidl wird disqualifiziert

Doch schon das zweite Duell schockte den TSV. Sebastian Seidl (73 kg) brachte seinen Gegner Robert Barwig mit einer unerlaubten Aktion aus dem Stand zu Boden, was die Disqualifikation für den Olympioniken bedeutete – für den kompletten Turniertag. Auch Abensbergs Kapitän Robert Dumke (90 kg) und Daniel Scheller (60 kg) unterlagen. Judo in Holle führte 3:1.

Benjamin Münnich (r.) riss im Halbfinale seine Partie noch rum. Foto: Sönke Schillig
Benjamin Münnich (r.) riss im Halbfinale seine Partie noch rum. Foto: Sönke Schillig

Und Benjamin Münnich (81 kg) lag gegen Soshin Katsumi bis zwei Sekunden vor Kampfende zurück, das 1:4 drohte. „Ich wusste, ich muss um jeden Preis gewinnen, für die Mannschaft, aber auch für mich selbst. So wollte ich nicht abtreten“, erklärte Münnich. Mit dieser „besonderen Motivation“ gelang dem Abensberger noch der Ausgleich. „Mein erster Gedanke war: Oh Gott, jetzt Verlängerung.“ In einem Kraftakt schaffte Münnich den Ipponsieg.

Der Silberpokal ging an Vizemeister Abensberg. Foto: Thomas Köther
Der Silberpokal ging an Vizemeister Abensberg. Foto: Thomas Köther

„Der erste Durchgang verlief nicht ganz nach Plan, es wäre fast kritisch geworden“, ergänzte TSV-Kollege Manuel Scheibel, der aber wie Marc Odenthal (100 kg), der Ukrainer Iakiv Khammo (plus 100 kg) und David Krämer (73 kg) in der Folge weitere TSV-Siege gut schrieb. Neuerliche Niederlagen von Dumke und Scheller fielen nicht ins Gewicht, da Zebeda Rekhviashvili (81 kg), Odenthal und der WM-Dritte Khammo wie geschnitten Brot zum 9:5-Endstand marschierten.

Großhadern reizt Hamburg bis zur Pause

Nicht ganz nach Plan verlief auch das zweite Halbfinale, in dem der TSV Großhadern dem großen Favoriten Hamburg nur eine 4:3-Pausenführung gestattete. „Ich war nicht beunruhigt“, merkte Coach Tekic an. Mit einer Besetzung, die in Teilen einer Weltauswahl glich, drückten die Hanseaten den Münchnern im zweiten Umlauf ein 7:0 auf. Das Finale stand: Hamburg gegen Abensberg.

Der Titelverteidiger überrumpelte den TSV. Nach fünf Duellen hieß es 5:0 für die Hamburger. „Die kämpfen in einer anderen Sphäre“, meinte Scheibel, der zum Auftakt am Aserbaidschaner Nijat Shikhalizada scheiterte. Umstritten war die Entscheidung im Kampf Krämer gegen Igor Wandtke. In der Verlängerung gelang dem Babonen Krämer eine Aktion, die nach einer Wertung und Sieg roch. Doch das Kampfgericht gab nichts und wenig später siegte Wandtke. „Da war etwas der Heimvorteil im Spiel“, bemerkte Coach Ivan.

Gold gebührte dem alten und neuen Meister (hier v. l. Majdov, Wieczerzak, Wandtke und Safarov). Foto: Sönke Schillig
Gold gebührte dem alten und neuen Meister (hier v. l. Majdov, Wieczerzak, Wandtke und Safarov). Foto: Sönke Schillig

Überfordert waren Dumke gegen Weltmeister Alexander Wieczerzak und Scheller gegen die deutsche Nummer eins, Moritz Plafky. Münnich hielt sich gegen Dominic Ressel volle vier Minuten, unterlag aber auch. Der TSV-Trainer verwies auf die „riesigen Unterschiede“: „Benjamin und Robert stehen am Ende ihrer Laufbahn, Daniel hat international keine Erfahrung – und auf der Gegenseite gehen drei deutsche Kaderleute ins Gefecht.“ Für den 49-Jährigen ist das der deutliche Fingerzeig, „dass wir uns verstärken müssen“.

Die Unschlagbaren schlagen

Odenthal und Khammo hielten den Rekordmeister mit ihren Erfolgen zum 2:5 am Leben. Doch nach der Pause landete Hamburg eine Serie von sechs Siegen am Stück. Der ungleiche 90 kg-Vergleich zwischen Markus Tuscher und Weltmeister Nemanja Majdov aus Serbien brachte mit dem 2:8 bereits die Entscheidung. Der letzte Kampf gehörte aber dem TSV. Der imponierende Khammo gewann auch sein viertes Duell an diesem Tag.

„Ein Konstrukt wie Hamburg kann auch schnell zusammen krachen.“

Manuel Scheibel

„Hamburg ist in dieser Formation nicht zu schlagen“, waren sich die Kontrahenten einig, die bis früh morgens feierten. „Wir haben das gezeigt, was wir drauf haben“, betonte Teammanager Seidlmeier die gute Leistung. „Wir stehen im Umbruch. Momentan ist der Vizemeistertitel das Maximum, aber wir werden unsere Hausaufgaben machen“, ergänzte Scheibel. „Ein Konstrukt wie Hamburg kann auch schnell zusammen krachen.“ Benni Münnich gab zum Abschied nach zwei „genialen Jahren“ mit: „Der Titel kommt wieder nach Abensberg.“ Nach dem dritten Platz in 2017 geht es für die Babonen wieder einen Rang nach vorne. „Bekanntlich sind aller guten Dinge drei. Also holen wir 2019 den Titel“, verkündete der TSV-Tross gleich in Hamburg den Angriff im nächsten Jahr.

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Judo Bundesliga Finale 2018

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