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Europa-Trophäe

Abensberger proben den Flamenco

Judo-Rekordmeister setzt beim Europacup-Finalturnier in Istanbul unter anderem auf zwei Spanier. Zwei frühere TSV-Iberer wollen später mittanzen.
Von Martin Rutrecht, MZ

Der japanischstämmige Sugoi Uriarte (r.) aus Spanien – Vize-Weltmeister und Olympiafünfter – gibt sein Debüt für die Farben des TSV Abensberg. Foto: dpa

Abensberg.Als „Operation Titel Nr. 6“ überschreibt die Judo-Gemeinde des TSV Abensberg ihren Auftrag für Samstag. Der deutsche Rekordmeister will in Istanbul sein halbes Dutzend an Europacup-Triumphen voll machen. Stärkster Konkurrent und Titelfavorit ist die russische Armada aus St. Petersburg mit drei (!) Olympiasiegern von London. Niemand beim deutschen Vertreter will aber die Klubs aus dem Gastgeberland Türkei, aus Frankreich und Portugal unterschätzen.

Zehn Babonen werden über die Waage gehen, um in fünf Gewichtsklassen ihre Gegner zu fordern. Neben den deutschen Spitzenathleten Andreas Tölzer oder Dimitri Peters, beide Olympia-Dritte, reisen unter anderen zwei Spanier mit. Nicht nur deshalb könnte es ein Flamenco-Abend werden – die Ex-Abensberger Joao Pina und Pedro Soares, die in den Diensten des „Sporting Club de Portugal“ stehen, haben sich für die Fete ihrer früheren Kollegen angekündigt. Denn gefeiert wird bei den Babonen immer, egal wie es ausgeht, wissen die beiden Portugiesen.

„Mein Gefühl sagt mir, dass es heuer gut aussieht mit dem Gewinn der Europacup-Trophäe“, sagt Abensbergs Ehrenabteilungsleiter Otto Kneitinger. In den vergangenen zwei Dekaden blieben die Niederbayern nur zweimal ohne Medaille; fünf Titel, acht zweite Plätze und fünf dritte Ränge verbuchte der TSV. „Diese Bilanz soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der letzte Titelgewinn sechs Jahre zurückliegt“, so Kneitinger.

Mit einem Aufgebot an Weltklasse-Judoka will der Klub den heiß ersehnten sechsten Streich landen. Im Gegensatz zur Bundesliga sind statt sieben nur fünf Gewichtskategorien ausgeschrieben. Und es gibt keinen zweiten Durchgang. „Drei Punkte bedeuten den Sieg, und das hat man relativ schnell beisammen“, wissen Kneitinger und Chefcoach Radu Ivan um die Vorteile des Systems, das sich zugleich nachteilig auswirken kann: „Du kassierst drei Niederlagen und bist raus, ohne zweite Chance.“

Umso wichtiger ist eine schlagkräftige Formation. Abensberg lässt sich nicht lumpen: Tölzer und Peters sollen in der Klasse +90 kg die Gegner abräumen. Doppel-Weltmeister und Olympiasieger Ilias Iliadis ist das Pfund bis 90 kg, gemeinsam mit Robert Dumke. Bis 81 kg gilt das Vertrauen nach dem Karriereende von Olympiasieger Ole Bischof dem US-Amerikaner Travis Stevens und Bundesliga-Starter Sven Maresch. Die Olympioniken Christopher Völk und Kiyoshi Uematsu aus Spanien besetzen die 73 kg-Klasse. Ein neuer Iberer, nämlich Vizeweltmeister Sugoi Uriarte, wird zusammen mit dem Pförringer Sebastian Seidl bis 66kg auf der Matte stehen. Weltmeister Georgii Zantaraia aus der Ukraine wäre für diese Kategorie eine Alternative. „Wir dürfen nur exakt zehn Judoka für unsere Einsätze benennen. Wer das letztlich sein wird, entscheiden wir vor Ort.“

Ein kleines Fragezeichen steht hinter der Form der Olympia-Starter. Sie haben ihren Leistungshöhepunkt mit London gesetzt. „Viele gönnten sich danach natürlich eine Pause. Ich denke aber, dass unsere Jungs fit sind“, sagt Kneitinger und hofft, dass die feierwütigen Russen nicht ganz so auf der Höhe sind. „Aber noch einmal: Wir dürfen uns nicht allein auf St. Petersburg fokussieren.“

Da die Abensberger wie St. Petersburg und der Klub Chilly Mazarin Morangis – „Franzosen kämpfen immer mit Herzblut“ – gesetzt sind, können sie am Vormittag zugucken, wie sich die übrigen Anwärter schlagen. Die Vereine New Stream (Russland), Galatasaray, Izmir (beide Türkei), Sainte Genevieve (Frankreich) sowie Sporting Clube de Portugal bestreiten ähnlich eine Europa-League. Auf Basis des Endstands werden sie dann dem Top-Trio zugeteilt, wobei der Europa-League-Sieger die Rolle eines vierten gesetzten Vereins einnimmt.

Die „European Championships for Clubs“ starten also praktisch mit dem Viertelfinale. Die Babonen könnten dort auf die Portugiesen um Pina und Trainer Soares treffen. „Joao hat mir schon mitgeteilt, dass er beim Feiern unbedingt zu uns stoßen möchte. Und Soares hat mir aufgetragen, ein paar Mädels aus Abensberg mitzubringen. Er war ein richtiger Frauenschwarm, als er für uns kämpfte“, schmunzelt Kneitinger. Vielleicht will Soares mit den Baboninnen auf einen Abensberger Triumph Flamenco tanzen.

Ablauf: Die Kämpfe beginnen am Samstag um 9 Uhr türkischer Zeit, das entspricht 8 Uhr MESZ. Zunächst wird die Europa-League bestritten, zu der fünf Vereine antreten. Sobald dieses Turnier vorüber ist, wird das Quintett entsprechend der Endplatzierung den drei gesetzten Klubs St. Petersburg, TSV Abensberg und Morangis zugeteilt. Um 12.30 Uhr (11.30 MESZ) beginnt dann der Wettkampf um die Europacup-Trophäe mit den ausgelosten Viertelfinals. Bis 18.30 türkischer Zeit wird der Titelträger 2012 fest stehen. Im „Holiday Inn” wird danach gefeiert.

Übertragung: Die Veranstaltung wird im kompletten Umfang am Samstag im Livestream der Europäischen Judo Union kostenlos ausgestrahlt. Der Zugang erfolgt über die Homepage: www.eju.net

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