mz_logo

Sport aus Kelheim
Sonntag, 27. Mai 2018 29° 2

Judo

Abensberger schafft es in deutsche Elite

Überraschungsmann David Krämer gewinnt wie Sebi Seidl bei nationaler Judo-Meisterschaft Silber – und will hoch hinaus.
Von Martin Rutrecht

David Krämer (oben) räumte bis ins Finale hinein alle Gegner aus dem Weg, erst ein Olympionike stoppte ihn. Fotos: Alois Steffl

Abensberg.David Krämer ist ein zurückhaltender Zeitgenosse, für einen Moment streift er den Wesenszug ab. „Einen Grund hätten sie jetzt, mich zu nominieren“, sagt der 24-jährige Judoka des TSV Abensberg. Mit „sie“ meint er die Trainer des Deutschen Judobundes. Nach seiner Silbermedaille bei den nationalen Meisterschaften dürstet Krämer nach der Chance, bei großen Turnieren sein Können zu zeigen. „Der Grand Slam im Düsseldorf wäre eine schöne Geschichte“, sagt er.

„Im Finale bin ich eine Falle getappt, das hat mich geärgert.“

David Krämer

Der Bundesliga-Kämpfer war aus Abensberger Sicht der Überraschungsmann bei den Titelkämpfen in Stuttgart. Bis ins Finale drang er in der Kategorie bis 73 kg vor, erst dort stoppe ihn der Olympionike Igor Wandtke aus Hannover. Silber brachte auch Rio-Starter Sebastian Seidl in der Klasse bis 66 kg mit, „gemessen an seinen Ansprüchen“, so TSV-Cheftrainer Jürgen Öchsner, war das aber eher ein Dämpfer.

Michel Adam vom JSV Speyer vermieste Seidl den Griff nach Gold. Derselbe Mann bremste im Halbfinale auch Manuel Scheibel und verhinderte so ein Babonenduell um den Titel. Mit Bronze nach dem kleinen Finale gegen Fabian Wendland tröstete sich Scheibel, der aber „sehr enttäuscht“ war.

Gegen die Nummer eins der Welt

„Adam erwischte einen genialen Tag. Im Finale hat er einen Ansatz von Sebi übernommen und ihn geworfen. Man hat lange auf dem Video studiert, ob dazwischen eine kurze Unterbrechung lag, was die Wertung gekippt hätte. Aber man gab Adam den Punkt und das war der Sieg in der Verlängerung“, schildert Öchsner. Seidl kann in den nächsten Tagen in Köln gegen die Nummer eins der Welt an solchen Überrumplern arbeiten: Der Japaner Abe Hifumi trainiert in Deutschland.

Sebastian Seidl war nicht richtig begeistert vom Vizemeister-Titel. Foto: Lukas Schulze/dpa

„Sehr froh und glücklich“ zeigte sich Krämer über seinen zweiten Platz. „Ich hatte auf eine Medaille spekuliert.“ Zum Auftakt benötigte der Student der Immobilienwirtschaft in Regensburg nur rund 20 Sekunden für den Erfolg über Frieder Unterrainer. Sein nächster Kontrahent Daniel Gleim „ist für viele ein Angstgegner“, wusste der 24-Jährige. „Mit einer Finte“, sagt er lächelnd, zwang er den Kontrahenten in einen Haltegriff.

Das Viertelfinale gegen Julian Maier aus Esslingen gereichte für Krämer „zum Pflichtsieg“. Die Vorschlussrunde gegen den Großhaderner Robert Barwig war happig. „Wir kennen uns aus Trainingseinheiten in Münchchen. Der Kampf war von Taktik geprägt.“ Beide Athleten kassierten je zwei Shidos (Strafwertungen). In der Verlängerung drückte Krämer seinem Rivalen eine dritte Bestrafung auf – und Barwig war besiegt.

„Mein Studium ziehe ich sauber durch. Ich setze nicht alles auf Judo.“

David Krämer

Auch im Finale gegen Igor Wandtke wähnte der Abensberger, „dass etwas geht. Leider bin ich in eine Falle getappt, konnte mich nur über eine Kopfbrücke retten und landete auf den Schultern.“ Was Ippon für die deutsche Nummer eins bedeutete. „Hinterher war ich leicht verärgert. Aber er hat’s auch clever gemacht.“

Lob für gehörlosen Athleten

Wie auch Coach Öchsner attestierte, wirkte Krämer den ganzen Tag über hoch konzentriert. „Zwischen den Kämpfen schalte ich schon ab und versuche an etwas anderes zu denken. Bei mir hängt vieles am Kopf.“ Mit täglichem Training in Abensberg und München sieht sich der 24-Jährige bereit für höhere Aufgaben. „Mein Studium ziehe ich aber sauber durch. Ich will den Einstieg ins Berufsleben nicht verpassen.“ Ob er sich nun bei den deutschen Trainern „auf den Zettel“ geschrieben habe, werde man sehen.

Daniel Scheller (in weiß) hat sich trotz Erstrunden-Niederlage gut präsentiert. Foto: Alois Steffl

Lob von Landestrainer Ralf Matusche erhielt Daniel Scheller (60 kg), obwohl er im ersten Auftritt nach voller Kampfzeit an Niklas Rink scheiterte. „Er ist noch jung. Wenn er dran bleibt, kann in zwei, drei Jahren etwas werden“, sagt Öchsner. Für Marco Reber war der deutsche Spitzenmann Sven Heinle zum Auftakt im Schwergewicht eine Kragenweite zu groß. Aber auch arrivierte Recken erwischte es: Abensbergs Bundesliga-Kämpfer Marc Odenthal (90 kg) erreichte nur Rang fünf.

Weitere Kelheimer Sportnachrichten finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht