MyMz

Judo

Abensbergs Judo-Ass zwischen den Fronten

Sebastian Seidl darf am Samstag nicht für Abensberg kämpfen – weil er eine Woche später zur EM muss. Der TSV ist erzürnt.
Von Martin Rutrecht

Sebastian Seidl (in weiß) tritt in einer Woche bei den European Games an. Deshalb darf er für den TSV am Samstag nicht kämpfen. Foto: Srdjan Suki/dpa
Sebastian Seidl (in weiß) tritt in einer Woche bei den European Games an. Deshalb darf er für den TSV am Samstag nicht kämpfen. Foto: Srdjan Suki/dpa

Abensberg.Von Mama verwöhnen lassen, „am liebsten bin ich doch daheim“, lacht Sebastian Seidl, Aushängeschild der Judoka des TSV Abensberg, bei seiner Kurzvisite in Pförring. Der 28-Jährige kann noch etwas durchschnaufen, ehe er in zehn Tagen bei den European Games antreten wird. Gerne würde Seidl am Samstag auch für seinen Klub in der Bundesliga beim JSV Speyer kämpfen. Doch der Bundestrainer hat ihm im Hinblick auf die Europa-Spiele eine Sperre erteilt. Der TSV Abensberg reagiert verärgert.

„Ich würde gerne überall kämpfen.“

Sebastian Seidl

Die European Games, die von 21. bis 30. Juni in Minsk ausgetragen werden, sind nach der Premiere 2015 in Baku die zweiten Europa-Spielen, die heuer 4000 Athleten und 15 Sportarten vereinen. „Für uns Judoka sind sie gleichbedeutend mit der EM und stehen hoch im Kurs, weil Punkte für die Olympia-Quali für Tokio vergeben werden“, erklärt Seidl, der an die ersten Games beste Erinnerungen hat: Mit Bronze bis 66 kg gelang ihm in Baku sein bis dahin größter Erfolg. Bei der zweiten Auflage rechnet er mit allen europäischen Judo-Stars – aufgrund der laufenden Tokio-Quali.

Ungleiche Bedingungen für Vereine

„Minsk wird ein Höhepunkt für mich und mit einem Platz unter den Top Sieben möchte ich international erneut anschreiben“, sagt der Polizei-Judoka. Vor seinem Abflug am Mittwoch hat sein Heimatverein TSV Abensberg am Samstag (18 Uhr) in der Bundesliga noch einen Auswärtskampf. „Wenn’s nach mir ginge, wäre ich dort auch dabei.“ Doch Bundestrainer Richard Trautmann sagt „Nein“. Was an sich nicht ungewöhnlich ist, weil der Verband keine Verletzungen seiner Nationalkaderasse vor Großereignissen riskieren will.

Hier sehen Sie ein Interview mit Sebastian Seidl:

Den Standpunkt kann auch der TSV Abensberg nachvollziehen. Aber: „Man kann andererseits nicht nachvollziehen, dass man von Seiten des DJB, der den Terminplan mit dem Bundestrainer erstellt, einen Bundesligatermin festlegt, der eine Woche vor der EM stattfindet“, sagt Abteilungsleiter Martin Oberndorfer. Neben Seidl trifft der Bann laut Verein auch Neuzugang Karl-Richard Frey (bis 100 kg). „Mit Blick auf die Tabelle kann man nicht mehr von gleichen Bedingungen für alle Vereine sprechen. Im Gegenteil, es werden diejenigen bestraft, die diese Leistungsträger im DJB hervorbringen und unterstützen“, so Oberndorfer.

Seidl versteht beide Seiten

Die angesprochene Lage in der Bundesliga Süd sieht den KSV Esslingen mit voller Punktzahl (8) an der Spitze, Samstags-Kontrahent Speyer hält bei einem Kampf mehr sieben Punkte, Abensberg folgt mit sechs bei erst drei Duellen. Die unterschiedliche Zahl an Kampftagen sei ein „Verwirrspiel“, kritisiert der TSV-Abteilungsboss auch.

Auch Karl-Richard Frey (in blau) und sein Bruder Johannes sind für die Europa-Spiele nominiert. Foto: Oliver Lang
Auch Karl-Richard Frey (in blau) und sein Bruder Johannes sind für die Europa-Spiele nominiert. Foto: Oliver Lang

„Klare Prämisse ist ein Sieg beim Tabellenzweiten, wenn möglich sehr hoch, denn nur so können wir zu Esslingen aufschließen.“ Am 21. September treffen die beiden Favoriten auf den Süd-Titel in Abensberg aufeinandern. „Jeder einzelne Siegpunkt entscheidet, ob man Südmeister wird oder nicht und im Halbfinale auf den vermeintlich leichteren Gegner trifft.“

Sebastian Seidl sieht sich „zwischen den Fronten“. Es sei „die Hölle“ für den TSV, wenn man auf Leistungsträger verzichten müsse. Andererseits stehe bei den European Games viel auf dem Spiel. „Ich könnte natürlich sagen, ich kämpfe trotz der Sperre. Aber dann bin ich bei den nächsten internationalen Aufgaben raus. Und letztlich hat die Einzelkarriere Vorrang, ich will nochmals zu Olympia“, sagt der Athlet.

Abstecher zum Wakeboarden

Eine Terminentzerrrung hält er für kaum möglich. „Unser Wettkampfkalender ist derart voll, dass andere Bundesliga-Ansetzungen auch wenig bringen würden“, so Seidl, der einen achttägigen Lehrgang in Kienbaum mit internationaler Beteiligung in den Knochen hat. „Das war richtig hart. Deshalb hatte ich jetzt drei Tage Auszeit in Pförring. “ Die Pause nutzte er unter anderem zum Wakeboarden mit Kumpels.

„In solchen Situationen entsteht bei uns oft ein Jetzt-erst-recht.“

Martin Oberndorfer

Ohne Seidl und die Frey-Brüder muss Abensberg am Samstag in Speyer bestehen. „Aus solchen Situationen entstand häufig eine Jetzt-erst-recht-Reaktion“, weiß Martin Oberndorfer. Zu den Domstädtern fährt der TSV mit Respekt. Aus der Fahrstuhlmannschaft zwischen erster und zweiter Liga wurde heuer ein stabiler Mitstreiter im Vorderfeld. Nur gegen Esslingen verlor Speyer bislang.

Weitere Kelheimer Sportnachrichten finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht