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Wildwasser

Auf dem Weg zum EM-Titel gekentert

Kelheimerin Sophia Gruber (18) liegt in Skopje im Pech: Deutsche Teamkollegin rammt ihr Boot. Sekunden fehlen auf Edelmetall.
Von Martin Rutrecht

Die Schlüsselszene: Christina Massini fährt in das Boot der Kelheimerin Sophia Gruber (vorne) und kentert. Foto: Fladung
Die Schlüsselszene: Christina Massini fährt in das Boot der Kelheimerin Sophia Gruber (vorne) und kentert. Foto: Fladung

Kelheim.Sophia Gruber spricht von einem „Drama“. Bei der Junioren-Wildwasser-EM in Mazedonien hatte sich alles gegen die 18-jährige Kanutin aus Weltenburg verschworen. Mit dem Titel im Teamwettkampf vor Augen rammte ihre deutsche Kollegin Christina Massini das Boot der Niederbayerin und kenterte. Und im Sprintwettbewerb verpasste Gruber den Sprung ins deutsche Mannschaftskanu – ihre Kameradinnen holten Silber.

„Ich hab’s langsam verdaut“, sagt die Team-WM-Dritte des Vorjahres, doch ihr Blick wird noch immer leicht glasig, wenn sie von der Europameisterschaft in Skopje berichtet. „Eine Medaille wäre mein Traum gewesen. Sie war auch zweimal greifbar.“

„Im Ziel waren wir alle drei nicht zu trösten.“

Sophia Gruber

Die Titelkämpfe begannen für die 18-Jährige, die heuer ihr Abitur am Rohrer Gymnasium ablegte, durchaus passabel. Nach einer 36-stündigen Anreise konnte sich die Kanutin mit ihren deutschen Kolleginnen auf der Strecke im Fluss Treska vier Tage lang einfahren. „Wir hatten noch intensive Einheiten, um den Kurs kennen zu lernen.“ Die Hitze war erträglich. „Der Fluss liegt in einer Schlucht, daheim auf der Donau ist es anstrengender. Aber man kann sich im Boot selbst anspritzen und wird ohnehin nass.“

Dramatische Sekunden

Nach der Eröffnungsfeier in Skopje war das Klassik-Einzel als erste Konkurrenz aufgerufen. „Mit elf Minuten war die Strecke ziemlich kurz.“ Medaillenchancen rechnete sich Gruber im Solo nicht aus. Mit dem siebten Rang qualifizierte sie sich aber mit Vize-Europameisterin Verena Sülzer und der sechstplatzierten Christina Massini für die deutsche Mannschaft, die aus den besten Drei der Nation im Einzel gebildet wurde. „Mit unseren Zeiten waren wir aussichtsreiche Kandidaten auf Gold.“

Sophia Gruber kann schon wieder lächeln. Foto: Rutrecht
Sophia Gruber kann schon wieder lächeln. Foto: Rutrecht

Das Trio stob auch höchst motiviert los. Doch es kam zu einem Malheur. „Vielleicht habe ich einen kleinen Fahrfehler gemacht, jedenfalls geriet ich kurz in Stocken.“ Diesen Moment übersah die dahinter paddelnde Massini und fuhr in Grubers Boot. Massini kenterte und versuchte sich über die Eskimorolle wieder aufzurichten. „Sie hat gekämpft wie eine Wilde.“

Als viertbeste Deutsche nicht im Sprint-Boot

Schließlich kroch Massini aus ihrem Boot und setzte sich in das mit Wasser gefüllte Kanu. „Wir wollten das Rennen unbedingt zu Ende fahren. Verena hat uns ständig gepusht.“ Im Ziel war das Trio nicht zu trösten. Erst recht nicht, als die Ergebnisliste vorlag: Team Deutschland hatte Bronze um drei Sekunden verpasst. „Wenn man bedenkt, dass die Unglücksaktion gut 20 Sekunden dauerte, weiß man, wo wir hätten aufscheinen können.“

Im Sprint fuhr Gruber die fünftbeste Quali-Zeit. Das Finale verlief mit Rang elf bescheiden. Foto: Fladung
Im Sprint fuhr Gruber die fünftbeste Quali-Zeit. Das Finale verlief mit Rang elf bescheiden. Foto: Fladung

Vorwürfe gab es nicht, jede haderte mit sich selbst, „ich mit dem Fahrfehler, Christina mit dem zu dichten Auffahren und Verena ärgerte sich, weil sie unserer Kollegin nicht zur Hilfe kam“. Der Tag der Medaillenhoffnung endete in Tränen. Noch aber war der Sprint zu bestreiten, der nicht länger als eine Minute dauert. In der ersten Qualifikationsrunde haute die Kelheimerin einen super Lauf raus – als Fünfte hatte sich schon das Finalticket im Einzel. Auch Massini war sofort durch, Sülzer und Maria Weber benötigten den zweiten Vorlauf, um nachzuziehen.

„Ob ich weitermache, weiß ich noch nicht.“

Sophia Gruber

Am Finaltag führte der Kanal weniger Wasser. „Wir haben die Streckenführung lange diskutiert. Ich blieb bei meiner Quali-Route.“ Die Kelheimerin erwischte keinen idealen Lauf. „Eine Wasserwalze habe ich nicht gut gemeistert.“ Die ein, zwei Sekunden, die sie verlor, spülten sie auf Rang elf unter zwölf Finalistinnen. Was auch hieß: Gruber war nur viertbeste Deutsche, Sülzer (4.), Massini (6.) und Weber (8.) lagen vor ihr. „Damit fuhr das deutsche Team im Sprint ohne mich.“ Und die Kolleginnen schafften den Vize-EM-Titel. „Natürlich habe ich mich für sie gefreut, aber selbst im Silber-Kanu zu sitzen, wäre schöner gewesen.“

Karrierezukunft noch offen

Mit ein wenig Abstand blickt Gruber versöhnt zurück. „Ich konnte heuer wegen des Abiturs nicht so häufig trainieren wie sonst. Insofern war es schon ein Erfolg, dass ich mich für die EM qualifiziert habe.“ Die Kelheimerin fuhr bei Ranglistenrennen im Frühjahr zwei Siege ein. Und als sie bei der nationalen Sprintmeisterschaft in Sömmerda Bronze gewann, „konnten sie nicht vorbei an mir“, lacht sie. „Richtig auf dem Schirm hatte ich die EM nicht. Ich war auch zwei Wochen im Urlaub nach dem Abi.“ Das Boot freilich hatte Gruber stets dabei.

Eine ausgezeichnete Dame

  • Oscar:

    Dem Gewinn von WM-Bronze im Vorjahr folgte eine besondere Ehrung durch den Bayerischen Kanu-Verband. Gruber wurde zur „Sportlerin des Jahres“ gekürt – der Verbandschef sprach vom Kanu-„Oscar“. Der zweifache Weltmeister Stephan Stiefenhöfer hielt die Laudatio und interviewte das Mädel.

  • Sportgala:

    Bei der Kür zum „Sportler des Jahres“ in Ostbayern war die Weltenburgerin unter den fünf Kandidaten der Jugend nominiert. Sie erhielt die drittmeisten Stimmen und reihte sich hinter Henri Uhlig (RSC Kelheim) und U17-Fußball-Europameisterin Andrea Brunner (Großmuß) ein.

Das Aushängeschild des Kanuclub Kelheim muss oft alleine trainieren. „Ich habe keine Probleme, mich zu motivieren.“ Selbst im Winter trägt sie ihr Kanu in ihrem Wohnort Weltenburg etwa einen Kilometer zum Fußballplatz, wo sie in die Donau sticht. Nach Kelheim geht’s oder nach Eining, jedesmal hin und zurück. „Laufen, leichtes Krafttraining, Technikeinheiten im Trainingslager – vieles gehört dazu.

Jetzt steht Sophia Gruber, die ab Herbst ein Bufdi-Jahr beim BRK macht, am Scheideweg. „Ich komme in die U23, wo die Konkurrenz noch härter wird. Ich müsste intensiver trainieren.“ Nach „Lust“ werde sie über eine Fortsetzung ihrer Karriere entscheiden. „Das Bootfahren an sich gebe ich nie auf. Ich liebe dieses Hobby.“

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